Ausbildung

19. März 2017

Übungsvorbereitung: Seitenaufprall realistisch darstellen

Um Übungen wirklich realistisch durchführen zu können benötigt man verformte Übungsfahrzeuge. Diese entsprechend zu präparieren ist meisten sehr aufwändig und erfordert schweres Gerät (wie z.B. einen Bagger), dennoch ist es unabdingbar damit die hydraulischen Rettungsgeräte korrekt eingesetzt werden. Eine einfache Möglichkeit um einen realistischen Seitenaufprall herzustellen zeige ich euch in diesem Beitrag!

Den Seitenaufprall richtig beüben

In den meisten Fällen wird bei einer Unfallrettungs-Übung ein Frontalaufprall angenommen. Hat man Glück steht ein Bagger zur Verfügung und man kann den PKW in der Front zumindest ein klein wenig eindrücken. Doch meistens reicht es nicht aus damit auch nur annähernd eine Einklemmung im Beinbereich entstehen würde. Den Seitenaufprall üben wir dagegen fast nie, dabei lassen sich gerade hier mit einfachsten Mitteln realistische Deformierungen erreichen, die einen Dummy tatsächlich einklemmen, und an Arbeiten sehr nahe am Patienten und mit wirklichen Kräften notwendig machen.

Alles was ihr dafür braucht ist euren Spreizer und den passenden Kettensatz zum Ziehen! Damit könnt ihr die B-Säule der Fahrerseite wunderbar (und vor allem beliebig weit) ins Innere des Fahrzeuges ziehen, was einen seitlichen Anprall an einem Baum sehr gut darstellt. Folgende Schritte sind notwendig:

  1. Eine Kette direkt am oberen Ende um die B-Säule der Fahrerseite schlingen und das Ketteschloss im geöffneten Spreizer einhängen
  2. Die andere Kette auf der Beifahrerseite durch das geöffnete Fenster führen und an der vorderen Achse befestigen, ebenfalls am Spreizer einhängen
  3. Spreizer langsam schließen und mit den Ketten vorsichtig auf Spannung gehen. Halt prüfen und anschließend kontrolliert und vorsichtig weiter ziehen
  4. Falls notwendig den Spreizer noch einmal öffnen und die Ketten weiter verkürzen bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist
  5. Anschließend die Ketten entfernen, die Deformierung bleibt bis auf wenige Millimeter erhalten und kann beübt werden

Aber Achtung! Während dem Ziehen die Ketten und Festpunkte genau beobachten und nicht übertreiben. Wenn irgendwie möglich die Kette auch nicht wie auf dem Artikelbild auf der Felge (und wenn dann nur bei Stahlfelgen) einhängen, sondern wirklich um die Achse schlingen. Ansonsten kann es passieren dass diese aushakt und durch die Gegend fliegt!
Außerdem sollten die Ketten von Anfang an so gut wie möglich vorgespannt werden, damit der komplette Zugweg des Spreizers verwendet werden kann.

Beispiel aus dem Übungsalltag

Nachdem ich das Artikelbild auf Instagram gepostet hatte, hat die Feuerwehr Recklinghausen den Tipp gleich bei der nächsten Übung ausprobiert und ein tolles Video davon erstellt. Darauf ist der Effekt wunderbar zu erkennen. Vielen Dank für die zur Verfügungstellung an die FF Recklinghausen, Christian Schell und Florian Herwig! Bitte beachtet, dass hier absichtlich im Vorfeld kein Glasmanagement gemacht wurde um die Flugweite der Splitter im Video festzuhalten. Alle Beteiligten waren darauf vorbereitet und haben entsprechende Schutzkleidung getragen.



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.




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