Ausrüstung

25. August 2016

Weicher und harter Patientenschutz richtig einsetzen

Um den Patienten während den Rettungsarbeiten optimal zu schützten sollte immer ein weicher und ein harter Patientenschutz zeitgleich eingesetzt werden. Nur zusammen bieten sie einen optimalen Schutz vor Stäuben, Splittern und abspringenden Teilen (während dem Arbeiten mit hydraulischen Rettungsgeräten) die zur Gefahr für Retter und Patient werden können. Dieser Artikel zeigt wie man beide korrekt einsetzt und welche Materialien sich dafür eignen.

Weicher Patientenschutz

Beim weichen Patientenschutz handelt es sich normalerweise um eine dünne und damit flexible Folie die über den Patienten gelegt wird. Er soll vor Staub und kleineren Splittern schützen, die zwangsläufig bei allen Arbeiten am Fahrzeug auftreten und nicht in die Wunden und Atemwege gelangen sollen. Daher muss der weiche Patientenschutz so früh wie möglich über den Verletzten gelegt werden.

Ist er noch vollständig im Fahrzeug eingeschlossen und nicht direkt zu erreichen, so schlägt man das am weitesten entfernte Fenster von außen ein, um möglichst keine Glassplitter in Reichweite des Patienten zu bekommen, bevor der Schutz greift.

Folgende Punkte sollten bei der Auswahl des weichen Patientenschutzes beachtet werden:

  • Die verwendete Folie sollte auf jeden Fall durchsichtig sein, so dass der Patient sehen kann was um ihn herum passiert und weiterhin Licht bekommt. Daher auf keinen Fall mit einer Decke abdecken!
  • Im Optimalfall sollte auch eine antistatische Folie verwendet werden, damit sie sich nicht hauteng auf den Körper legt, sondern genug Abstand lässt (sehr ungutes Gefühl und engt ein).
  • Sie sollte groß genug sein, dass sie den kompletten Patienten abdeckt und auch genug Platz für einen inneren Retter oder Rettungsdienstler lässt, der darunter mit dem Patienten arbeiten und spricht. Empfehlung: mindestens 1.200 x 1.800 Millimeter
  • Die Folie darf nicht sofort reißen wenn daran gezogen wird, sollte aber auch nicht zu schwer sein. Irgendwas zwischen 0,1 und 0,3 Millimeter Dicke ist ideal.

FO_Glasmanagement_15Verwendet man eine solche Folie und sie kommt zum Einsatz, dann ist sie anschließend auszusondern und durch eine neue Folie zu ersetzen. Auf keinen Fall mit all den haftenden Körperflüssigkeiten und Stäuben wieder einpacken und erneut verwenden! Es gibt aber auch hochwertigere weiche Patientenschutz-Systeme die sich waschen, desinfizieren und damit wiederholt verwenden lassen (z.B. PAT-SAFE von Weber Rescue).

Harter Patientenschutz

Wie der Name schon sagt ist dieser Schutz deutlich härter und hält damit auch mit Kraft abspringende Bolzen, Schrauben und Karosserieteile auf, die den Patienten und die Rettungskräfte ernsthaft verletzen können. Daher ist dieser Splitterschutz nicht nur für den Patienten wichtig, sondern sollte immer direkt am arbeitenden Rettungsgerät angehalten werden (damit kann das Teil keinen Schwung aufnehmen und alle Flugrichtungen werden abgesichert).

Harter-PatientenschutzDer harte Patientenschutz kommt also nur zum Einsatz wenn aktiv am Fahrzeug gearbeitet wir, denn grade unter Spannung stehende Teil können beim Spreizen, Schneiden und Drücken enorme Kräfte entwickeln und davon fliegen.

Er schützt den Verletzten aber zusätzlich auch als eingeschobene Zwischenschicht, wenn mit den hydraulischen Geräten direkt in Körpernähe gearbeitet wird.

Folgende Punkte sollten bei der Auswahl des harten Patientenschutzes beachtet werden:

  • Das verwendete Material sollte sehr stabil aber immer noch biegsam sein, damit es zwischen Patient und Gerät eingeschoben und um Komponenten herum gelegt werden kann. Optimal bewährt hat sich hier ein stärkeres Polyglas (wird in der Industrie auch für Lamellen-Tore ect. verwendet und kann so gegebenfalls günstig bezogen werden.
  • Denn dieses ist zusätzlich auch noch dursichtig. Damit kann man als Geräteführer erkennen was dahinter passiert und auch der Verletzte kann etwas sehen.
  • Die Größe sollte etwa 600 x 400 Millimeter betragen damit es das Rettungsgerät umschließen kann und auch einen Fensterrahmen beim Glasmanagement ausfüllt.
  • Für die Halterungen an denen der harte Patientenschutz gehalten und positioniert wird sollten nach Möglichkeit Schlaufen und keine Grifflöcher verwendet werden. Ansonsten sind die durchgesteckten Finger nicht geschützt.

Ist gerade nichts anderes greifbar kann zum Beispiel auch eine Fußmatte aus dem Unfall-Fahrzeug, oder eine Kantenschutzdecke verwendet werden.

Weitere Schutzmaßnahmen

Daneben sollten selbstverständlich alle scharfen Kanten mit Schutzdecken abgedeckt, sowie lose Teile entsprechend mit Leinen oder einem Rope-Ratchet gesichert werden. Damit können schon viele herumfliegende Teile frühzeitig aufgefangen werden.

Um den Patientenschutz noch weiter zu erhöhen kann der Patient auch mit einer Glasstaub-Schutzmaske, Schutzbrille, Lärmschutz und einem Helm ausgestattet werden. Alles aber bitte immer nur in Absprache mit dem Arzt und falls möglich mit dem Patienten selbst! Ein Forsthelm ist hier eine gute Lösung: Leicht, Drahtgittervisier und Gehörschutz in einem und zusätzlich nicht durch eine Einsatzkraft belegt.



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.




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