Allgemeines

14. Dezember 2014

Gesichtsschutz und Augenschutz bei der Unfallrettung

Bei der fast allen Aufgaben der technischen Hilfeleistung, aber vor allem bei der Unfallrettung treten akute mechanische Gefährdungen für unser Augen und das Gesicht auf. Daher muss entsprechend durch eine zusätzliche Schutzkleidung (in Form von Visieren und Schutzbrillen) gegen diese Gefahr geschützt werden. Da aber gerade der Augenschutz immer noch sehr stiefmütterlich behandelt wird und auch sonst einige Verwirrungen existieren hier eine ausführliche Aufarbeitung des Themas.

Vorschriften und Richtlinien

Da der gesunde Menschenverstand scheinbar oftmals nicht ausreicht um sich entsprechend auszurüsten erstmal ein Blick in die vorhandenen Vorschriften und Richtlinien damit auch alles Hand und Fuß hat. Angefangen bei der Feuerwehr-Dienstvorschrift 1 (FwDV 1) „Grundtätigkeiten – Lösch- und Hilfeleistungseinsatz“ in der auch die zu tragende Schutzausrüstung aufgeführt wird. Unter anderem tauchen dort unter dem Punkt 2.1.2 Ergänzungen für den Hilfeleistungseinsatz der Gesichtsschutz und die Schutzbrille (Augenschutz) auf, die „entsprechend den Erfordernissen zusätzlich zu tragen sind“. Abweichungen sind entsprechend der „UVV Feuerwehren“ auf Befehl des Einheitsführers möglich.

Also schauen wir uns auch die Unfallverhütungsvorschriften (PDF-Download) etwas genauer an. Hier heißt es im §12 Persönliche Schutzausrüstung im Absatz 2:

Bei besonderen Gefahren müssen spezielle persönliche Schutzausrüstungen vorhanden sein, die in Art und Anzahl auf die Gefahren abgestimmt sind. […] Spezielle persönliche Schutzausrüstungen sind insbesondere z.B.: Augen- und Gesichtsschutz (vgl. GUV-Regel „Benutzung von Augen- und Gesichsschutz; GUV-R 192)

Die wohl gängigsten Mittel sind die Gestellschutzbrille und das Vollvisier aus Kunststoff.

Die wohl gängigsten Mittel sind die Gestellschutzbrille und das Vollvisier aus Kunststoff.

Da letztere Regel vor allem den Aufbau der verschiedenen Schutzmöglichkeiten und die notwendigen Schutzstufen beschreibt, gehen ich hier nicht mehr näher drauf ein. Wichtig ist nur das der Augenschutz gegen mechanische Risiken entweder durch eine Gestellbrille (Arbeitsschutzbrille) oder einer Korbbrille (ähnlich einer Skibrille) erfüllt werden kann.

Wer legt nun aber fest was diese „besonderen Gefahren“ und „entsprechende Erfordernisse“ sind, die einen Augen- oder Gesichtsschutz notwendig machen? Zum einen wird der Gesichtsschutz sowohl in der FwDV 1 als auch in der UVV Feuerwehren für die Verwendung von hydraulischen Rettungsgeräten explizit gefordert, der Augenschutz allerdings wird nicht im Einzelnen erwähnt. Daher gibt es 2 Möglichkeiten: Entweder wird durch eine eigene Gefährdungsanalyse in der Feuerwehr untersucht und festgelegt ob ein Augenschutz notwendig wird, oder einfacher (und sicherer!), man hält sich an die Angaben und Forderungen der Hersteller der eingesetzten Geräte.

Hierzu als Beispiel der Auszug aus der Betriebsanleitung von Weber Rescue:

Beim Umgang mit hydraulischen Rettungsgeräten ist das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) unbedingt erforderlich, um eine Gefährdung für das Bedienpersonal zu minimieren. Bei allen Arbeiten ist grundsätzlich folgende Schutzkleidung zu tragen: […]

Helm mit Gesichtsschutz
Zum Schutz vor herumfliegenden oder herabfallenden Teilen und Glassplittern muss ein Helm mit Gesichtsschutz getragen werden

Schutzbrille
Zusätzlich zum Gesichtsschutz muss eine Schutzbrille getragen werden, um die Augen vor Splittern zu schützen.

Aber auch bei der Verwendung von anderen Geräten wird das Tragen von Schutzbrillen und Gesichtsschutz vorgeschrieben. Darunter fallen unter anderem zum Beispiel die Säbelsäge, Hebekissen, Motorsägen, …

Die Schutzbrille in der Praxis

Visiere liegen in den seltensten Fällen direkt am Gesicht an, wodurch Splitter von unten hinter das Visier gelangen können.

Visiere liegen in den seltensten Fällen direkt am Gesicht an, wodurch Splitter von unten hinter das Visier gelangen können.

Die Bediener der Geräte müssen also zusätzlich zum Visier auch eine Schutzbrille tragen. Aber warum reicht das Visier hier nicht aus, schließlich sind doch dahinter auch die Augen geschützt? Das ist soweit zwar richtig, allerdings schützen Visiere nur das Gesicht und sind in aller Regel nicht als Augenschutz zugelassen (es gibt aber auch Visierformen, gerade bei integrierten Visieren, die auch als Schutzbrille geprüft sind; Stichwort: EN 166). Das hängt damit zusammen, dass Splitter nicht nur von vorne kommen, sondern gerade bei der Unfallrettung auch sehr gerne von unten (aus dem Türrahmen ect.). Diese können dann unter das Visier gelangen und von dort abprallen und somit die Augen gefährden.

Das Ganze hat aber auch noch einen anderen Grund, aus dem ich persönlich eine Schutzbrille für ALLE Einsatzkräfte befürworte. Splitter können sehr weit fliegen! Und jeder kennt es sicher von sich selbst. Sobald man nicht mehr direkt am Fahrzeug arbeitet wird das Visier sofort hochgeklappt, damit es nicht beschlägt, man sich besser verständigen kann, die Sicht nicht eingeschränkt ist oder es einfach zu warm ist. Damit ist dann aber auch der Augenschutz komplett weg!

Eine Schutzbrille dagegen stört und beschlägt nicht und kann daher die ganze Zeit ohne Probleme und Einschränkungen getragen werden. Damit hat man dann zumindest einen Augenschutz, denn von unseren Augen haben wir ja bekanntlich nur 2 und die lassen sich extrem schwer ersetzen.

Fazit und mögliche Kombinationsmöglichkeiten

Eine Kombination aus Augenschutz und Gesichtsschutz ist also nicht nur vorgeschrieben, sondern macht auch aus den praktischen Gesichtspunkten absolut Sinn! Wie dieser aber tatsächlich umgesetzt wird, dafür gibt es viele Möglichkeiten. Folgende Kombinationen sind dabei denkbar:

  • Gestellschutzbrille + Vollvisier
  • Gestellschutzbrille + Drahtgittervisier
  • Korbschutzbrille + Vollvisier
  • Korbschutzbrille + Drahtgittervisier
  • Kombination aus im Helm integriertem Gesichtsvisier + Augenvisier
  • Vollvisiere (integriert) die auch als Schutzbrille zertifiziert sind (EN 166)

Drahtgittervisiere oder Korbschutzbrillen (Skibrillen) jeweils alleine reichen nicht aus, auch wenn sie oftmals gerade an TH-Helmen anzutreffen sind!

Daher nochmal meine Bitte in eurem eigenen Wohle: Zusätzliche Schutzbrillen kosten nicht die Welt und sind in einer einzigen Einheitsgröße erhältlich. Daher ist es völlig unproblematisch diese auch für ALLE Einsatzkräfte vorzuhalten, egal wo an der Einsatzstelle diese eingesetzt werden. Und bitte dabei auch den Patienten nicht vergessen der ebenso geschützt gehört.

Zum Abschluss noch ein kleiner Hinweis: Stark getönte und verspiegelte Brillen sind für Übungen okay, im Einsatz sollte auf diese aber unbedingt verzichtet und zu klaren Schutzbrillen und Visieren gegriffen werden, damit die Patienten eure Augen sehen können (Vertrauen) und nicht unbedingt ihren eigenen Zustand gespiegelt in eurem Visier zu Gesicht bekommen.



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.




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