Allgemeines

14. Mai 2014

3 Methoden zur gewaltsamen Türöffnung mit dem Halligan-Tool [Video]

Heute gehen wir einmal etwas weg von der Unfallrettung, hin zu einem weiteren sehr interessanten Thema bei der technischen Hilfeleistung. Ich hatte nämlich im Januar die einmalige Gelegenheit bei der ersten VermiT-Veranstaltung (VermiT steht übrigens für „Veranstaltungen mit Türen“) in Österreich teilzunehmen und dabei zusammen mit Daniel Witte und Philipp Schwarz drei kurze Schulungsvideos zum Thema „gewaltsame Türöffnung“ oder auch „Forcible Entry“ zu filmen. Der zweite wichtige Einsatzzweck des Halligan-Tools neben der Verwendung bei der Unfallrettung. Und da es sowas mit europäischen Türen noch nicht wirklich gibt, möchte ich es euch natürlich nicht vorenthalten.

Türöffnung mit dem Halligan-Tool

Wie schon erwähnt handelt es sich bei einer Türöffnung mit dem Halligan-Tool immer um eine gewaltsame Öffnung der Türe. Die hier vorgestellten Methoden sind also dann angebracht wenn es um einen zeitkritischen Einsatz geht und eine Beschädigung der Türe keine Rolle spielt. In allen anderen Fällen sollte man es zunächst mit den gewaltfreien und beschädigungsarmen Methoden Fräsen, Ziehfix, … versuchen.

Außerdem wird bei allen 3 Methoden die Verwendung eines zusätzlichen Schlagwerkzeuges notwendig. Am besten eignet sich hierfür eine schmale, keilförmige Axt da diese zum Offenhalten des Spaltes eingeschoben und zur Vergrößerung des Hebelweges verwendet werden kann, eine schlanke Klingen Form („Schneideaxt“ mit Öffnungswinkel <10°) ist hier das mittel der Wahl. 2 Mann sind also Voraussetzung, aber wir gehen ja eh immer im Trupp vor. Noch kurz zum besseren Verständnis: In den Filmen fallen die Kommandos "Hit" und "Drive" als Signal für den Mann am Schlagwerkzeug wann er schlagen darf. Hier können aber natürlich auch gerne die entsprechenden deutschen Begriffe "Schlag" und "Lauf" (also schlag solange immer wieder drauf bis ich "Halt" sage) verwendet werden.

Methode 1: Türschloss brechen

Diese erste Methode bietet sich an wenn der Schließzylinder des Schlosses ein Stück aus der Tür herausragt, damit er optimal mit der Hebelklaue gepackt werden kann.

Schritt 1: Rosette/Schutzblech von Zylinder entfernen (Tipp: Dabei Hebelklaue mit der Biegung von der Tür weg verwenden)
Schritt 2: Hebelklaue auf den Zylinder aufschieben, so dass dieser gut im Spalt eingekeilt ist. Halligan dann zur Seite drehen, Zylinder wird dadurch gebrochen und abgedreht.
Schritt 3: Mit einem Neubautenschlüssel oder mit dem Dorn des Halligan den Rest des Zylinder durchschieben und anschließend aufsperren.

Das Ganze geht sehr schnell, benötigt keinen wirklichen Kraftaufwand und geht fast ohne Beschädigungen der Tür und des Rahmens von statten!

Methode 2: Scharniere ausbrechen

Hat man die Möglichkeit direkt an den Scharniere der Tür anzusetzen, dann ist das eigentlich der schnellste Weg um die Türe mit dem Halligan-Tool zu öffnen.

Schritt 1: Schneide des Halligen direkt über dem Scharnier einschlagen. Dabei wird so lange das Kommando „HIT“ gegeben bis die Schneide fest sitzt.
Schritt 2: Das Scharnier durch eine Drehung des Halligen nach oben oder unten aus dem Rahmen brechen (bringt deutlich mehr Kraft als ein Hebeln auf die Seite).
Schritt 3: Sind alle Scharniere ausgebrochen kann die Tür einfach aus dem Schloss gezogen und entfernt werden.

Auch hier gelingt die Türöffnung in sehr kurzer Zeit, allerdings ist der angerichtete Schaden auch deutlich höher als beim einfachen Ausbrechen des Schließzylinders.

Methode 3: Schloss aufhebeln

Ganz klar die aufwändigste Methode, aber oftmals kommt man eben nicht an die Scharniere oder findet einen herausstehenden Schließzylinder vor. Mit etwas Koordination und Absprache gelingt aber auch dieser „Standard-Fall“ sehr zügig.

Schritt 1: Schneide des Halligan ca. 10-20cm (eine Handbreit) über oder unter dem Schloss eintreiben. Dabei kniet der Mann am Schlagwerkzeug um das Halligan-Tool besser zu treffen.
Schritt 2: Das Halligen nach oben drehen um die Tür ein Stück weit vom Türrahmen weg zu bewegen (bei unverschlossenen Türen kann das Schloss eventuell hierbei schon aufspringen).
Schritt 3: Das Schlagwerkzeug oder einen Keil in den erzeugten Spalt einschieben und anschließend das Halligan mit der Hebelklaue nachsetzen.
Schritt 4: Die Axt oder einen Keil hinter die Hebelklaue einschieben um den Hebelweg des Halligen zu vergrößern. Anschließend kann versucht werden die Tür aufzuhebeln. Wichtig: Der Mann an der Axt muss den Kopf tief halten und die Finger zwischen Tür und Axt herausgeben, um nicht verletzt zu werden.
Schritt 5: Reicht dies nicht aus kann die Hebelklaue auch noch weiter eingeschlagen werden. Dabei das Halligen so halten, dass die Klaue um den Türstock herum getrieben werden kann.

Hier sieht man auch deutlich das sich die Klaue um den Türstock herum arbeiten muss, damit richtig gehebelt werden kann. Optimalerweise wird das Halligan beim Einschlagen auch immer so gehalten, dass der Unterarm von den rechtwinklig abstehenden anderen Werkzeugen (Kopfstücken) geschützt wird, sollte der Schlagmann doch einmal das Tool verfehlen.

Fazit zur Türöffnung mit dem Halligan-Tool

Alle 3 Methoden verlangen etwas Übung um wirklich so schnell wie in den Videos vorgehen zu können, gelingen aber auch einem Anfänger sehr gut. Man muss eben nur wissen wo man optimalerweise ansetzen kann um möglichst viel Kraft auf die Türelemente aufbringen zu können. Wer noch mehr zum Halligan-Tool nachlesen möchte und sich auch noch für weitere Türöffnungsprozeduren interessiert, der sollte sich unbedingt das „Rote Heft: Halligan-Tool“ von Björn Liedtke zulegen!

Abschließend noch vielen Dank an Philipp Schwarz von der Feuerwehr Kirchdorf für den Auftritt in den Videos und die Einladung zur VermiT, an Daniel Witte und Irakli West von Paratech für die vielen tollen Tipps! Ich denke die Videos werden für viele Kameraden sehr hilfreich sein!



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.




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