Ausrüstung

6. Dezember 2013

THL-Handschuhe: Das sollte man wissen!

Verschiedenste Ausfürhungen von THL-Handschuhen nach EN388

In diesem Artikel soll es hauptsächlich darum gehen, warum speziell für technische Einsätze besondere/andere Handschuhe als bei der Brandbekämpfung getragen werden sollten. Es handelt sich also zur Abwechslung mal eher um einen theoretischen (vielleicht sogar etwas trockenen) Artikel der aber nicht minder wichtig ist.

In der „FwDV 1“ (Download) ist das Tragen der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) geregelt.

Auch die „UVV Feuerwehren“ verweist im §17.1 auf die V-A1 „Grundsätze der Prävention“, in der im §30 das Tragen der PSA gefordert wird. In §12.2 ist, in Verbindung mit §17, das Tragen zusätzlicher PSA bei speziellen Arbeiten, sowie das Beachten der Herstellerangaben gefordert. Allerdings wird dort nur von „Feuerwehrschutzhandschuhen“ gesprochen. Diese Aussage wurde mit den „Hinweisen zu Schutzhandschuhen gegen mechanische Gefahren bei der Feuerwehr
und den Hilfeleistungsorganisationen“ präzisiert. Dort heraus ergibt sich eine Norm, welche entscheidend für den technischen Hilfeleistungseinsatz, sprich einem Einsatz ohne thermische Gefahren ist:

EN388:2003 Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken

Sollen Handschuhe nach EN388 eingesetzt werden, müssen diese entsprechend gekennzeichnet sein. Hierzu zählt die Typenbezeichnung sowie das Logo des Herstellers, die Handschuhgröße, die angewendete Norm, das Piktogramm gegen mechanische Risiken und den erfüllten Leistungsstufen. Ein Feuerwehr-Piktogramm ist dagegen nicht vorhanden und auch nicht notwendig!

Beispielhaftes Piktogramm nach der EN388

Beispielhaftes Piktogramm nach EN388

In verschiedenen Prüfpunkten der EN388 können bis zu 5 Leistungsstufen erreicht werden, wobei die 0 die schlechteste und die 5 die beste Leistung darstellt. In den Kategorien Abrieb-, Reiß- und Stichfestigkeit werden durch die Norm nur Leistungswerte bis zur Stufe 4 vorgesehen und beschrieben:

  1. Ziffer = Abriebfestigkeit
  2. Ziffer = Schnittfestigkeit
  3. Ziffer = Weiterreißkraft
  4. Ziffer = Durchstichkraft

Warum auf diese Prüfwerte der EN388 achten?

Viele Handschuhe werden oftmals als „nach EN388 geprüft“ angeboten. Bei genaueren Hinsehen, sind die Leistungsstufen dann 1 1 2 1. Denn es muss nur in einer Eigenschaft ein Wert von „1“ erreicht werden, damit sich ein Handschuh „nach EN388 geprüft“ nennen darf! Wichtig zu wissen ist hier, dass die DGUV in ihren Empfehlungen die Leistungsstufen 3 2 3 3 fordert, letztendlich aber nur eine Gefährdungsanalyse nach den örtlichen Gegebenheiten zu den wirklich benötigten Leistungsstufen führen kann. Eine genaue Tabelle der nötigen Beschaffenheiten gibt es hier: EN388 Leistungsindex

Aber warum überhaupt „andere“ Handschuhe?

Auf der Hand liegt die Problematik bei den „normalen“ Feuerwehrschutzhandschuhen. Vielen Kameradinnen und Kameraden fällt ein Mastwurf mit diesen Handschuhen schon schwer, oder habt ihr noch nie beobachtet, wie Handschuhe für Knoten ausgezogen werden? Auch Kleinteile vom Boden aufzuheben, wird doch leider sehr oft zu einem mehr oder weniger lustigen Debakel.

Nicht nur die mangelnde Fingerfertigkeit ist ein Grund für ein separates Handschuhpaar, auch schon nach kleineren Brandeinsätzen sind Verschmutzungen der Handschuhe nicht selten. Rußbeaufschlagte Handschuhe sind nicht nur unhygienisch sondern stinken oftmals auch erbärmlich. Hinzukommen je nach Brandart auch noch Rückstände des Brandgutes wie zum Beispiel Papierfasern. Aber auch nach einem technischen Einsatz sind meist Verunreinigungen an den Handschuhen zu finden. Fette, Öle, Körperflüssigkeiten und nicht zu vergessen: brennbare Flüssigkeiten können daran haften bleiben und somit zu einer Kontaminationsverschleppung führen, welche bei einem möglichen Folgebrandeinsatz schwere Verletzungen nach sich ziehen können. Nicht nur der Eigenschutz ist somit gefährdet, auch der Patient kann mit Fremdkörpern oder mit schadstoffbedeckten Handschuhen weiter geschädigt werden.

Defekter, aufgerissener THL.Handschuh der ausgewechselt werden muss

THL-Handschuhe werden zu allen möglichen Arbeiten hergenommen und können daher auch recht schnell abnützen.

Ein weiterer Grund der für getrennt vorgehaltene THL-Handschuhe ist die langsamere Abnutzung der teureren Brandbekämpfungs-Handschuhe. Gerade im THL-Einsatz kann der Handschuh schnell durch scharfe Kanten, Glassplitter und auslaufende Betriebsstoffe beschädigt werden, oder aber verschleißt sehr schnelle bzw. muss durch Kontamination entsorgt werden. Hier werden somit die hochwertigen BBK-Handschuhe geschützt und haben dadurch in jedem Fall die gewünschte Schutzwirkung im Einsatz und eine deutlich längere Lebensdauer.

Auch im Aufbau und der Schutzwirkung unterscheiden sich die beiden Handschuhtypen oft deutlich. So haben THL-Handschuhe oftmals nicht nur einen deutlich höheren Schnitt- und Stichschutz, sie weisen auch eine deutlich bessere Griffigkeit auf und bieten mit einer entsprechend lange Stulpe einen „Pulsschutz“ und verhindern durch integrierte Gummizüge das Hereinfallen von kleinen Fremdkörpern.

Welcher Handschuh eignet sich für mich?

Wer im Fachhandel Handschuhe anprobieren will der kann sich durchaus mit kleinen Tricks helfen, um eine spätere gute Passform sicherzustellen. Zum einen kann das Fingergefühl durch Aufheben einer Münze oder einfaches Schreiben mit einem Kugelschreiber getestet werden. Die richtige Größe kann durch weites Spreizen der Finger (Handschuh sollte nicht spannen) sowie durch einen festen Faustschluss (Handschuh sollte keine zu weiten Finger haben) getestet werden. Eine pauschale „DER BESTE“ Empfehlung kann aber sicher nicht geben werden.

Einen umfangreichen Überblick über die aktuell am Markt vorhandenen THL-Handschuhe (sortiert nach Hersteller) gibt es in dieser von Usern laufend aktualisierten Liste. Dort enthalten sind auch jeweils die letzt gesichteten Preise sowie die vom Hersteller angegebenen Leistungsstufen. Grün eingefärbte Werte sind entsprechend der Vorgaben der FUK und der DGUV, rote liegen darunter.

THL-Handschuh-Übersicht

Der THL-Handschuh alleine ist nicht alles!

Ein wirklich funktionierender Infektionsschutz ist bei den meisten Modellen nicht gegeben, oder aber es kann eine desinfizierende Wäsche (wie lt. Robert-Koch-Institut vorgeschrieben) selten garantiert werden.

Aus Infektionsschutzgründen ist es daher sehr zu empfehlen unter den technischen Handschuhen am besten 2 Paar Infektionsschutzhandschuhe (Einmalhandschuhe) zu tragen. Diese sollten auf jedem Feuerwehrfahrzeug in ausreichender Anzahl, und auch Größe, in greifbarer Nähe vorgehalten werden. Optimalerweise werden latexfreie Handschuhe vorgehalten, da die potenzielle Gefahr einer Latexallergie bei eigenen Einsatzkräften aber auch Patienten nicht unbedingt zu einem positiven Einsatzverlauf beiträgt. Regelmäßige Kontrollen auf Verfärbungen oder Verklebungen (z.B. durch direkte Sonneneinstrahlung) sollten obligatorisch sein, schließlich geht es um die eigene Sicherheit.

Durch das Unterziehen der Handschuhe kann im Falle eines Patientenkontaktes (beim Entnehmen des Verletzten), bei dem technische Handschuhe unbedingt abzulegen sind, der Patient trotzdem geschützt berührt werden. Gleich zwei Paare deshalb, damit pro Patient die Infektionsschutzhandschuhe getauscht werden können. Denn mit verschwitzten Händen ist es einfach unmöglich einen neuen Einmalhandschuh anzuziehen. Mehr dazu gibt es auch in den Kommentaren unter dem Artikel zum PSA-Pack

Meine Empfehlung

Meine Empfehlung zu einem guten Handschuh für die technische Unfallrettung geht momentan ganz klar (weil selber mit entwickelt und ausgiebig getestet) an den EXTRICATION 2090W von WEBER RESCUE! Extrem hoher Schnittschutz, ein super Tastgefühl durch das sehr dünne Gewebe, und durch den Nitrilüberzug auch auf nassen und öligen Flächen griffig. Der Aufprallschutz aus Gummi macht nicht nur optisch was her, sondern verteilt Stöße auf den kompletten Handrücken.



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Der Autor dieses Artikels:

Marcus Jolly
Seit 2001 bin ich begeisterter Feuerwehrmann. Aufgewachsen in einer LF8-Wehr, ging die Laufbahn bei der FF Dillingen/Saar weiter, bis es mich beruflich nach BaWü zog. Dort bin ich aktives Mitglied der FF Eislingen / Fils und kenne somit die Probleme der kleinen und großen Feuerwehren. Im Beruf bin ich Rettungsassistent. Häufige Schnittstelle mit der Feuerwehr ist natürlich auch hier die Unfallrettung.





  1. Gut aufbereitete Informationen, könnte man direkt so für eine entsprechende Sicherheitsunterweisung nutzen. Ich würde eine Foto das Etiketts von ein, zwei echten Handschuhen gut finden und den Hinweis, dass die entsprechende Kennzeichnung vorhanden sein muss.


    • Hallo Eike,
      gute Idee: Ich werde später noch 2-3 Etiketten mit einstellen!
      Den Hinweis was alles drauf stehen muss findest du gleich zu Beginn unter „EN388:2003 Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken“


      • Gabriel

        Hallo,

        ich möchte bloß kurz anmerken, dass nicht auf allen TH-Handschuhen die Nummerierung vorhanden ist, diese aber ggf. trotzdem eine Zulassung haben (so zum Beispiel bei älteren Handschuhen von ASKÖ Köninger). Hier hilft ggf. nur eine Nachfrage beim Hersteller und man sollte sich, der Rechtssicherheit halber, einen entsprechenden Zertifizierungsnachweis schicken lassen, in dem die Schutzklassen ausgewiesen sind.

        Ansonsten ein super Artikel, den sich so mancher Amtsbrenner durchlesen sollte, bevor er TH-Handschuhe beschafft…

        Gruß Gabriel


  2. Anonym

    zu den Handschuhe kann ich auch meine persönliche Erfahrung hinzufügen.
    Habe mir den Seiz X-Rescue 2012 gekauft. Nach kurzer Zeit geht die aufgedruckte Gummiwaben an den Fingerspitzen für besseren Grip weg. Leider ist bei meinem bereits jetzt eine Naht aufgerissen. Dadurch habe ich ihn ausgesondert.

    Mit welchen Handschuhen habt ihr denn gute Erfahrungen gemacht?


    • HFM

      Eska Handschuhe sind super! Mit Seiz hatte ich bisher nur Probleme. Seiz ist bei mir qualitativ durchgefallen. Wir haben einige Trageversuche gemacht und uns für die Handschuhe von ESKA entschieden.



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