Einsatztaktik

1. Dezember 2013

Rettungstechnik – „Fischdose“

Spreizereinsatz zur Schaffung einer Rettungsöffnung am Heck

Bei der sogenannten „Fischdose“, die teilweise auch „Schlüssellochrettung“ genannt wird geht es wie schon beim Tunneln um eine achsengerechte Rettung des Patienten nach hinten durch das Fahrzeugheck. Hauptanwendungsbereich ist dabei eine Rettung aus einem Fahrzeug auf vier Rädern, mit Stufenheck und ohne größere Einklemmungen des Patienten im Beinbereich. Und zwar ohne an verstärkten Komponenten arbeiten zu müssen.

Weniger ist mehr

Nach diesem Motto wird bei der Rettungstechnik „Fischdose“ verfahren. Als Befreiungsöffnung wird lediglich das Dach innerhalb des Heckfensters nach oben gespreizt und damit von der restlichen Karosserie gerissen. Die Seitenpartie mit den verstärkten Fahrzeugsäulen und ultrahochfesten Blechen bleibt komplett unberührt. Aus diesem Grund ist diese Methode eher zusätzliche Arbeit, wenn der Patient im Beinbereich eingeklemmt ist und die Türen sowieso weiträumig geöffnet werden müssen (in diesem Fall bietet sich dann gleich die Große Seitenöffnung als Mittel der Wahl an). Bei der Fischdose wird im „Standard-Fall“ wie auf der nebenstehend Schritt-für-Schritt-Anleitung verfahren:

Schriit-für-Schriit-Anleitung für die Rettungstechnik Fischdose

  1. Heckscheibe entfernen (sofern nach dem Unfall überhaupt noch vorhanden)
  2. Spreizer auf der ersten Seite direkt entlang der Säule ansetzen (zwischen Dachkante und Rücksitzbank/Hutablage)
  3. Dach entlang der Dachkante abreißen (Spreizer voll ausfahren um eine möglichst große Öffnung zu erzielen)
  4. Das Ganze auf der zweiten Seite wiederholen
  5. Spreizer offen stehen lassen und Patienten auf Spineboard oder Schaufeltrage nach hinten durch die Öffnung ziehen. Auf den Kantenschutz achten!

Wichtige Punkte bei der Fischdose

Dabei sind einige Punkte zu beachten, damit diese Methode auch wirklich zufriedenstellend funktioniert. Es ist vor allem wichtig, dass der Spreizer auf beiden Fahrzeugseiten wirklich sehr nahe der Säule angesetzt wird. Nur so reißt das Dach gut entlang der Dachkante ab ohne selbst einzureißen und der Spreizer hat gleichzeitig auch unten an der Rücksitzbank durch die Verriegelung derselben ein ausreichendes Widerlager. Natürlich wird sich bei diesem Vorgang auch die Sitzbank nach unten deformieren, es ist aber letztendlich egal wo der Platz entsteht, die Öffnungsweite des Spreizers reicht in jedem Fall aus. Sollte sich der Spreizer zu sehr in die Sitzbank oder das Dach eindrücken muss das entsprechende Widerlager eben mit einem Stück holz oder einer Armatur-Druckplatte ertüchtigt werden.

Außerdem sollte der Spreizer zuerst auf der Seite des Patienten eingesetzt werden, damit er anschließend auf der ihm abgewandten Seite stehen gelassen werden kann ohne bei der Rettung zu behindern. Sollen durch diese Befreiungsöffnung zwei Patienten gerettet werden spielt es uns auch wieder entgegen wenn der Spreizer möglichst nahe der Säule platziert wurde. Bei der eigentlichen Rettung ist dann auf einen ausreichenden Kantenschutz zu achten. Gerade die aufgerissene Dachhaut kann sehr scharfe Kanten bilden.

Um den Patienten sicher auf dem Spineboard nach hinten aus dem Fahrzeug zu befördern ist es natürlich wichtig mit entsprechend vielen Händen zu unterstützen. Hierbei reichen aber oftmals die durch das Glasmanagement geöffnete Fenster und die offenen Türen der Gegenseite (gehen entweder von selbst oder mit wenig Aufwand auf) aus.

Fazit

Bei der Rettungstechnik „Fischdose“ wird also vor allem der Umstand ausgenutzt das Fahrzeuge im Heckbereich kaum verstärkt sind und sich so an dieser Struktur sehr schnell große Befreiungsöffnungen schaffen lassen. Sie dient entweder als kompletter Rettungsweg (wenn keine schwerwiegende Einklemmungen bestehen), oder kann andere Rettungstechniken ergänzen sollte eine sehr schonende und achsengerechte Rettung notwendig sein.

Sollte die gewonnene Öffnung noch nicht ausreichen, kann der Spreizer auch ein weiteres Mal seitlich zwischen Dachkante und Dach eingesetzt werden um es noch weiter abzureißen. Hierbei kann man dann aber fast schon vom „Roof Trench“ sprechen der in kürze Thema eines weiteren Artikels sein wird.



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.





  1. R

    Hallo Patrick,

    wieder mal ein sehr interessanter Aritkel. Weiter so!

    Gruß


  2. Alles schön und gut, aber der eigentliche Vorteil (neben dem achsgrechten Retten der Person) liegt in der Geschwindigkeit bei der Fischdose, wenn sie im eigentlichen Sinne durchgeführt wird! Und dazu dient eine „Säbelsäge“! Dann wird nämlich nur das dünne Dachblech geschnitten – alle „tragenden“ Teile werden umgangen und somit auch alle Airbagkomponenten in den Dachholmen! Somit entsteht eine große Öffnung ähnlich einer Fischdose innerhalb 3-5 Minuten…



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