Ausbildung

2. Juli 2013

Verdrehen der Schere durch richtiges Ansetzen vermeiden

Das kennt wahrscheinlich jeder: Die Schere kippt während des Schneidvorganges stark zur Seite und man kann nichts dagegen tun. Jetzt hilft nur noch ein zeitaufwändiges Abbrechen des Schnittes um das Schneidgerät neu ansetzen zu können. Damit es aber erst gar nicht soweit kommt gibt es einen kleinen Trick mit dem man das Verdrehen der Messer ganz einfach in den Griff bekommt.

Warum kippt das Schneidgerät überhaupt?

Um nachvollziehen zu können warum der folgende Trick überhaupt klappt, ist erstmal wichtig zu verstehen warum es hier überhaupt zum Verdrehen der Schere kommt. Das ganze ist nämlich einfache Physik gegen die wir eigentlich nichts machen können, denn das Gerät sucht sich immer zunächst den einfachsten Weg aus. Bevor also das harte Material geschnitten wird, versuchen die Messer erst einmal außen vorbei zu kommen.

Da das obere Messer rechts und das untere Messer links liegt (ist übrigend bei jeder Rettungsschere, egal von welchem Hersteller, der Fall) dreht sich das Schneidgerät also zunächst mal gegen den Uhrzeigersinn zur Seite. Dieser Effekt kann durch einen oder mehrere der folgenden Punkte noch einmal deutlich verstärkt werden:

  • Viel Schneidgut (Volumen)
  • Hartes Material (Hochfeste Stahlsorten)
  • Fortgeschrittener Verschleiß der Messer
  • Zu geringes Drehmoment am Zentralbolzen
  • Lange, gerade und gezackte Messer (Form)

Verdrehen bzw. Überdrehen vermeiden

Diesem ganzen Vorgang kann man aber schon zu Beginn gezielt begegnen, um ihn für sich zu nutzen. Dabei wird das Verdrehen zwar nicht komplett verhindert aber zumindest überdreht die Schere nicht, wodurch dann auch kein neues Ansetzen notwendig wird. Dazu wird das Schneidgerät einfach schon vor dem Schnitt leicht nach rechts gekippt (etwa 2 Uhr) angesetzt. Von dieser Position aus bewegt sich die Schere dann solange bis sie gerade steht (12 Uhr) und führt dann einen sauberen Schnitt durch.

Da die Jungs der Feuerwehr Sattledt so freundlich waren mich zu unterstützen, gibt es von diesem Trick auch ein anschauliches Video. Gezeigt werden drei verschiedene Schnitte je einmal ohne und mit vorherigem Kippen der Schere nach rechts. Zur Vergleichbarkeit haben wir uns dabei extra Stellen am Fahrzeug ausgesucht die für beide Schnitte die gleichen Voraussetzungen bieten, und keine Angst gegenhalten ist bei 80 Tonnen Kraft nicht 😉

Wie man sehen kann kostet das ganze kein Bisschen mehr Zeit und es funktioniert auch bei allen Karosserieteilen. Daher sollte jeder Geräteführer diesen kleinen Kniff kennen um die Kraft des Schneidgerätes effektiver auf das Schneidgut zu bringen und unnötiges Nachsetzen zu vermeiden.



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.




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