Einsatztaktik

17. Juni 2013

Rettungstechnik – „Große Seitenöffnung“

Die „Große Seitenöffnung“ dürfte vielen als Begriff für eine gebräuchliche Rettungstechnik bereits etwas sagen. Nichts desto trotz gibt es auch hier immer noch einige Punkte die erklärt werden sollten, um diese Technik auch wirklich optimal auszunutzen.

Das Ziel: Eine möglichst große Rettungsöffnung ohne viel Zeit mit den verstärkten Fahrzeugbauteilen zu verlieren.

Mit diesem Ziel knüpft die große Seitenöffnung nahtlos an die zuletzt vorgestellte Rettungstechnik „Tunneln“ an, nur das dieses Mal an der Fahrzeugseite gearbeitet wird.

Gründe für die „Große Seitenöffnung“

Die große Seitenöffnung hat mehrere Vorteile, die sie zu einer sehr schnellen Methode machen. Hauptsächlich deshalb weil sich Erstöffnung, Versorgungsöffnung und Rettungsöffnung perfekt ergänzen, aber auch weil oftmals zumindest die hinteren Türen noch von alleine zu öffnen sind. Gleichzeitig ermöglicht sie aber auch die Schaffung von sehr viel Platz (ermöglicht eine achsengerechte Rettung) und das indem nur eine einzige Säule geschnitten bzw. gerissen werden muss. Also ein sehr positives Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Dabei gibt es grundsätzlich die Möglichkeit die beiden Türen einzeln zu entnehmen und anschließend die B-Säule zu entfernen (ermöglicht einen ersten schnellen direkten Zugang zum Patienten), oder die komplette Seite in einem Stück zu entfernen. Bei der zweiten Methode bietet es sich aber an von hinten anzufangen um Arbeitsschritte zu sparen, dabei ist aber entsprechend dann der Zugang zum Patienten erst etwas später möglich (wenn nicht sowieso schon von der Gegenseite aus geschehen).

Große Seitenöffnung in einem Schritt

Will man also alle Elemente (Türen + B-Säule) in einem Zug entfernen, so eignet sich die unten abgebildete Reihenfolge beim Setzen der Schnitte. Dabei muss aber unbedingt beachtet werden, dass der eventuell noch angelegte Sicherheitsgurt im Vorfeld dieser Aktion durchtrennt wird:
Schritt-für-Schritt-Anleitung für die große Seitenöffnung

Große Seitenöffnung Probleme beim Ausreißen des SchwellerJetzt bitte nicht über den Fehler in der Grafik wundern. Ich habe die Reihenfolge der Bilder getauscht. Es hat sich nämlich inzwischen gezeigt, dass es bei neuen Fahrzeugen etwas geschickter ist, die B-Säule zunächst unten zu entfernen.

Denn durch den Halt den die Verbindung der Säule mit dem Dach-Holm noch besitzt, lässt sich der untere Teil leichter ausreißen, ohne das die B-Säule auf den Boden klappt, oder mitsamt dem Schweller nach vorne wegreißt (siehe Bild rechts).

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Das genaue Vorgehen noch einmal ausführlich erklärt:

  1. Nachdem also an der Schloss-Seite der hinteren Tür ein Spalt für den Spreizer geschaffen wurde, kann die Tür nach außen gespreizt werden. Hier ist es oftmals sinnvoll einfach mal am Türgriff zu ziehen, damit die Tür von selbst aufgeht!
  2. Spätestens hier muss jetzt sichergestellt werden, dass der Sicherheitsgurt durchtrennt wurde. Anschließend wird die B-Säule so weit wie möglich unten am Schweller eingeschnitten. Während die Schnitttiefe bei älteren Fahrzeugen eventuell noch ausreichend ist, wird die Säule bei neueren Fahrzeugen recht sicher nicht mehr komplett durchtrennt.
  3. Ansatzpunkt für den Spreizer bei der großen SeitenöffnungIn diesem Fall wird der Rest mit dem Spreizer (oder dem Kombigerät) herausgerissen. Als Ansatzpunkte kann dafür die Kombination „Schweller – Tür“, oder „B-Säule – Rückbank“ dienen. Reißt dabei der Schweller zu weit ein, wird das Element aber auf jeden Fall soweit nach außen gedrückt, dass der letzte Rest abgeschnitten werden kann. Im absoluten Notfall kann auch wie weiter oben zu sehen ist, der Rettungszylinder vom Dachholm aus angesetzt werden, wobei hierbei die B-Säule nicht abreißt, sondern nur nach unten geklappt wird.
  4. Anschließend wird das obere Ende der B-Säule durchtrennt. Je nach Fahrzeugtyp und den damit vorhandenen Verstärkungen sollte man sich genau überlegen wo und wie man ansetzt (mehr dazu hier)
  5. Die komplette Seite samt der Fahrertür nach vorne ziehen (natürlich kann falls nötig mit dem Spreizer an den vorderen Scharnieren nachgeholfen werden). Wird noch mehr Platz gebraucht kann das Türfangband der vorderen Tür noch geschnitten werden, damit sich das Element noch weiter nach vorne biegen lässt. Alternativ ist aber auch ein komplettes Entfernen möglich, wenn nötig.

Fazit

Achsengerechte Rettung durch die Große Seitenöffnung möglichMit der großen Seitenöffnung hat man eine Rettungstechnik an der Hand, mit der man sehr schnell viel Platz schaffen kann, um einen Patienten achsengerecht (über ein Spineboard oder eine Schaufeltrage) aus dem Fahrzeug zu bekommen. Dabei kann lediglich die B-Säule als verstärktes Element in Betracht kommen (im Gegensatz zur Dachabnahme bei der alle Säulen geschnitten werden müssen). Dafür ist nicht einmal viel Personal und Geräteeinsatz erforderlich.

So lässt es sich sogar überlegen, diese Rettungsöffnung während der eigentlichen Entklemmung auf der gegenüberliegenden Seite anzuwenden, um parallel arbeiten zu können und sich nicht im Weg zu stehen. Auch als Zugang für den Rettungsdienst von der Gegenseite (kein Ping-Pong-Spiel) durchaus denkbar, denn mit etwas Training liegt der Zeitansatz bei etwa 5-10 Minuten.



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.




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