Allgemeines

21. April 2013

Video: Hintergründe der Airbag-Auslösung in Dayton

Das Video aus Dayton (Ohio) von einer unkontrollierten Airbag-Auslösung während den Rettungsarbeiten, bei der ein Feuerwehrmann rückwärts aus dem Fahrzeug geschleudert wird, kennt wohl jeder.

Jetzt gibt es ein neues Video, indem der damals verletzte Feuerwehrmann über die Hintergründe berichtet und direkt am damals beteiligten Unfallfahrzeug erklärt warum es damals zu der nachträglichen Zündung der beiden Front-Airbags gekommen ist.

Dieses Video hat mit dafür gesorgt, dass auch in Europa eine große Angst vor Airbags und deren Gefahren aufgekommen ist. Hauptsächlich weil man durch den Blickwinkel der Kamera nicht wirklich erkennen kann, was im Inneren des Fahrzeuges passiert, bzw. was am Fahrzeug gearbeitet wird. Dies wird nun in diesem Video genau erklärt und damit auch klar, dass die Airbag-Zündung direkt durch das „falsche“ Ansetzen des Spreizers ausgelöst wurde.

Was ist passiert?

Für alle die dem Englischen nicht ganz so mächtig sind hier eine Zusammenfassung:

Das Fahrzeug stand mit der Fahrerseite an einem Baum, der zu Teilen in die Fahrgastzelle eingetreten war. Weil nicht genug Platz für die Rettung zur Verfügung stand, sollte das Fahrzeug mit der Seilwinde ein Stück vom Baum weggezogen werden. Hierfür wollte man die Batterie abklemmen, was aber auf Grund der Verformung nur mit einem gewaltsamen Öffnen der Motorhaube möglich gewesen wäre, da die dabei entstandenen Bewegungen dem eingeklemmten Fahrer sehr starke Schmerzen bereiteten. Daher wurde bewusst auf das Abklemmen verzichtet, man war sich der Gefahr aber bewusst. Leider ging man aber damals (1997) nur von einer Gefährdung durch eine Entzündung der Batterie aus, nicht aber durch die Airbags.

Nachdem Entfernen des Daches, der Beifahrertür und der Sitzlehne des Beifahrersitzes setzte sich Tom Trimbach auf den Beifahrersitz und legte den Mitteltunnel als Ansatzpunkt für den Spreizer frei (Entfernung der Verkleidung/Plastik). Der Spreizer wurde zwischen Fahrersitz und Mitteltunnel angesetzt um die Einklemmung zu beheben. Dabei ist der Spreizer aber abgerutscht und hat mit den Spitzen das oben freiliegende Airbag-Steuergerät beschädigt. Durch den dabei entstehenden Kurzschluss in Verbindung mit der nicht abgeklemmten Batterie haben sowohl Beifahrer- als auch Fahrerairbag nachträglich gezündet.

Dabei wurde Tom Trimbach rückwärts aus dem Fahrzeug geschleudert und prallte hart auf dem Rücken auf. Aber auch sein Kollege Jim Koller, der sich auf der anderen Seite über das Armaturenbrett gebeugt hatte um zu sehen wohin sich der Spreizer bewegt, wurde vom Fahrerairbag an Kopf und Brust getroffen.

Einhaltung der AIRBAG-Regel hätte den Unfall verhindert

Hier sind also gleich 3 Fehler passiert, die aus heutigem Wissensstand den Unfall verhindert hätten. Durch die Einhaltung der AIRBAG-Regel, zumindest der Punkte „Abstand“ und „Keine Manipulation am Airbag-Steuergerät“ hätte selbst durch die noch angeschlossene Batterie nicht viel passieren können. Hier sind also mehrere unglückliche Umstände zusammen gekommen.

Wenn also die Batterie (aus welchem Grund auch immer) nicht abgeklemmt werden kann, muss zumindest während den Arbeiten am Fahrzeug die 30-60-90-Abstands-Regel eingehalten werden, damit ein eventuell auslösender Airbag niemanden treffen kann. Gleichzeitig sollten Arbeiten in der Nähe des Airbag-Steuergerätes nach Möglichkeit vermieden werden. Dieses befindet sich fast immer im Mitteltunnel des Fahrzeuges.

Ganz davon abgesehen finde ich den Umgang des Dayton Fire Department und der beiden verletzten Kameraden mit diesem Vorfall vorbildlich! Im Video wird offen davon gesprochen, dass man sich der Gefahr durch die Airbags nicht bewusst war und der Unfall nur dadurch zustande kommen konnte. Diese kritische Aufarbeitung und vor allem auch Veröffentlichung trägt viel dazu bei, dass wir alle besser werden und so etwas in Zukunft nicht mehr passiert.



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.





  1. Simon

    Wäre es denn in der damaligen Situation möglich gewesen, die Airbag-Auslösung durch das Rausziehen bzw. Durchtrennen der Kabel, die die Airbags mit dem Steuergerät verbinden, zu verhindern?


  2. Gabriel

    Diese Frage lässt sich verhältnissmäßig leicht mit der AIRBAG-Regel beantworten, nach der eine Manipulation an den Komponenten, nach Möglichkeit zu unterbleiben hat.
    Soll heißen, wenn ich vermeiden kann, Kabel die zu Airbags führen, zu trennen, dann sollte ich das auch tun, da dies u.U. zu einer ungewollten Auslösung führen kann. Es ist natürlich nicht verhältnissmäßig, die A-Säulen/Dachträger nicht zu trennen, um ein Durchtrennen der dortigen Kabel zu verhindern. Jedoch wäre ich bei einer direkten Manipulation am AIRBAG-Steuergerät vorsichtig.

    Der Bessere Weg ist, einen Ansatzpunkt zu suchen, bei dem ich nicht die Gefahr eingehe, das Steuergerät zu beschädigen.


  3. Jürgen

    Hallo Zusammen!
    Ich glaube einer der ersten Schritte sollte immer noch das ausschalten der Zündung sein. Somit ist der erste Stromfluss schon mal unterbrochen!
    Nicht ausgelöste Airbags sind nicht zu unterschätzen! Es kommt immer wieder vor, dass man die Batterie nicht abklemmen kann! Auch ein abnehmen der Innenverkleidung hilft, Gasgeneratoren bzw. Steuergerät zu lokalisieren…



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