Grundlagen

13. April 2013

Neuer Crashtest: Small overlap test

In den USA gibt es einen neuen Crashtest der IIHS (Insuarance Institute for Highway Safety) der sehr viele Fahrzeuge vor enorme Probleme stellt. Vor allem die europäischen Premium-Fahrzeuge zeigen hier Sicherheitslücken für die Insassen. Dabei entstammt der sogenannte „Small overlap test“ keinesfalls irgendwelchen Hirngespinsten, sondern bildet real vorkommende Unfälle recht präzise ab.

Was testet der Small overlap test?

Frontalaufprall NCAP-Crashtest

Quelle: http://www.euroncap.com

Während beim Euro NCAP Crashtest der Frontalaufprall mit einer Überdeckung von 40% bei 64 km/h gefahren wird (40% der Fahrzeugbreite treffen auf das starre Hindernis auf), sind es bei diesem neuen Test in den USA lediglich 25% Überdeckung (bei gleicher Geschwindigkeit von 64 km/h). Dieser Test simuliert zum Beispiel den Fall, wenn der Fahrer bei einem Auffahrunfall noch versucht nach links oder rechts auszuweichen, aber eben nicht mehr ganz am Fahrzeug vorbei kommt. Dabei wirken völlig andere Belastungen auf das Fahrzeug als bei einer größeren Überdeckung und die eingebauten Sicherheitssysteme der Karosserie greifen nicht mehr.

Die aktuell gebauten Fahrzeuge sind von ihrem Aufbau nämlich genau auf die Vorgaben des NCAP-Tests ausgelegt und haben an entsprechender Stelle Längsträger die die Kraft auffangen und in Verformungsenergie umwandeln. Bei einer geringeren Überdeckung wird dieser Träger aber verfehlt und die Kraft dagegen über die Reifen bzw. Achsen direkt auf den Schweller übertragen. Das Rad stützt sich auf der A-Säule und dem Schweller ab und kann sich dabei tief in die eigentliche Fahrgastzelle (die eigentlich den Überlebensraum für die Insassen darstellt) drücken.

Einige Testergebnisse

Das Nachfolgenden Video zeigen zum einen den genauen Testablauf, sowie die teilweise wirklich erschreckenden Verformungen an der Fahrgastzelle. Außerdem erkennt man sehr schön, dass nicht nur die Sicherheits-Fahrgastzelle kollabiert, sondern auch die Airbags teilweise keinerlei Wirkung haben, weil der Kopf des Fahrers einfach seitlich daran vorbei fliegt.

Als Beispiel für die europäischen Fahrzeuge hier nur einmal die Videos vom Audi A4 (hier wird sogar die komplette Fahrertür heraus gerissen) und der Mercedes C-Klasse.

Auszeichnung in den USA fördert ein Nachbesser

Durch die Einführung eines neuen „TOP SAFETY PICK+ Award“ in den USA, für den der „Small overlap test“ erfolgreich bestanden werden muss, werden die Fahrzeugbauer unter Zugzwang zur Nachbesserung gesetzt. Nun wird versucht durch Abweiser und Leitbleche an den Seiten der Karosserie ein „Verhaken“ der Fahrzeuge ineinander zu verhindern. Dadurch sollen die Fahrzeuge bei einer geringen Überdeckung einfach wieder auseinander und damit aneinander vorbei fahren, ohne die Kraft über die nicht dafür ausgelegten Karosserieelemente auf die Fahrgastzelle zu übertragen.

Durch längere Kopfairbags (Window-Bags), die wirklich bis nach unten zum Armaturenbrett reichen und Lenkräder die sich nicht mehr zur Seite bewegen, soll außerdem das Verfehlen des Airbags verhindert werden.

Quellen:

http://www.iihs.org/news/rss/pr122012.html
http://de.euroncap.com/de/tests/frontimpact.aspx



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.





  1. Florian Zippel

    Das ist ein erschreckendes Ergebnis meiner Meinung nach. Die vorherigen Crashtest haben ja dazu geführt, dass die Automobilhersteller ihre Fahrzeuge soweit verbessert haben, dass sie im Test gut abschneiden.
    Mit der neuen Crashtestmethode wird sich hoffentlich noch einiges im Bezug auf die Fahrzeugsicherheit ändern.

    Meiner Meinung wäre es ebenso interessant, wie Test ausfallen würden, bei denen man das Fahrzeug mittig auf ein Hindernis fahren lässt. Denn je kleiner die Fläche ist, bei der die konstante Kraft angesetzt wird, desto höher ist der Druck.



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