Einsatztaktik

14. März 2013

Fahrzeug-Sicherung mit Steckleiterteilen

Oft hört man gerade bei kleineren Feuerwehren – „Dachlage? Nichts für uns, da kommt der Stützpunkt“… Als Grund wird oftmals mangelnde Ausrüstung genannt. Das aber hier nicht nur die spezielle THL-Ausrüstung verwendet wird, sondern auch mit der normaler DIN-Ausstattung eines LF eine solche Lage zumindest mal gesichert und stabilisiert werden kann, ist vielen nicht klar. Dadurch kann aber wertvolle Zeit bis zum Eintreffen der Stützpunktwehren eingespart werden, die letztendlich dem Patienten zu Gute kommt. Im Artikel „Unfallrettung ohne hydraulischen Rettungssatz“ wurden bereits viele allgemeine Methoden erläutert. Diese Tatsache nehme ich nun als Grundlage für eine eingehende Ausarbeitung des Themas „Sichern mit Steckleiterteilen“

In Frage kommt diese Technik bei verunfallten Fahrzeugen in Seiten- und Dachlage. Zunächst einmal muss aber klar sein, dass mit den Steckleiterteilen nur gegen das Umkippen gesichert werden kann. Der genaue Unterschied zwischen „Sichern“ und „Stabilisieren“ ist hier erklärt.

Fahrzeug in Seitenlage

Kommt ein Fahrzeug nach dem Unfall auf der Seite zum Liegen haben wir direkt mit mehreren technischen Problemen zu kämpfen. Der Schwerpunkt erhöht sich auf der einen Seite durch die Besetzung des Fahrzeuges sowie den Motorblock, welcher im Mittelpunkt, je nach Fahrzeug, auf ca. 100 cm liegt. Diese erhöhte Kopflast in Relation zur geringen Auflagefläche macht das Fahrzeug sehr instabil. Auch bei ebenem Gelände können geringe Manipulationen am Fahrzeug ein Umstürzen und somit eine Verschlechterung des Patientenzustandes sowie eine Gefährdung des eingesetzten Personals bewirken.

Sichern der Dachseite

Dachseite zur Sicherung unterkeilenAuf der Dachseite wird das Fahrzeug zunächst unter den Säulen/Holmen gesichert. Hierfür können z.B. Schlauchbrücken, Fahrzeugkeile oder gestapelte Rollschläuche verwendet werden, wenn kein Rüstholz zur Verfügung steht. Wichtig ist, sich durch diese Unterbaumaßnahmen nicht die Option der Rettung durch Herabklappen des Daches zu nehmen.

Sichern der Bodengruppenseite

Im Folgenden muss die Gegenseite ebenfalls gegen Umstürzen gesichert werden. Dies ist auch ohne spezielle Sicherungs- und Sicherung PKW in Seitenlage mittels Steckleitern Stabilisierungsysteme möglich. Hierfür werden 2 Steckleiterteile gegen
die beiden in der Luft hängenden Radaufhängungen gestellt. Um diese Steckleiterteile gegen ein Wegrutschen zu sichern und eventuell auftretende Kräfte in einem Kräftedreieck aufzufangen, können Feuerwehrhalteleinen, sowie eventuell vorhandene Spanngurte dienen.

Beim Einsatz der Feuerwehrhalteleine wird ein stabiler Punkt an der unteren Radaufnahme gesucht. Geeignet sind hierfür Achse, Stabilisatoren aber auch freiliegende Löcher in den Felgen selbst, welche in Richtung des Leiterfußes zeigen (grüne Pfeile). Bremsleitungen sowie evtl. vorhandene Befestigungspunkte an der Radaufnahme Kabelbäume sind zu meiden (rote Pfeile). Um diesen stabilen Punkt wird das lose Ende der Leine gelegt und anschließend zur untersten Sprosse der Steckleiter zurückgeführt. Den Leinenbeutel entsprechend über der zweiten (von unten) Sprosse zurückführen. Anmerkung: Es bietet sich an hierfür 2 Sprossen zu verwenden um die Kraft zu verteilen und somit die Gefahr eines Durchbiegens der Sprossen zu minimieren.

Nun beide Enden mit einem Kreuzknoten stramm verbinden. Zwischen Unterboden des Fahrzeuges und der Steckleiter sollten nun 2 Seile fast Sicherung PKW in Seitenlage mittels Steckleitern parallel verlaufen. Diese werden beispielsweise mit einem Strahlrohr oder einem Kupplungsschlüssel als „Knebel“ verzwirnt, bis eine ausreichende handfeste Spannung erreicht ist. Damit sich der Knebel nicht wieder zurück drehen kann, sollte dieser nahe der Leiter angebracht werden, damit der nach dem Verzwirnen dort befestigt/eingehängt werden kann. Alternativ kann hier statt der Leine auch ein Spanngurt eingesetzt werden. Zu beachten gilt: Leinen und Spanngurt immer „holmnah“ laufen lassen, da diese Belastungsrichtung der Steckleiter laut GUV-G 9102 maximal 80 kg betragen darf.

Spanngurte für die Unfallrettung

Empfehlenswert ist die Kombination aus zwei verschiedenen Längen von Spanngurten. Mit jeweils 2 Gurten der Länge 5m und 10m, welche mit einer Last von 5000 daN geprüft wurden, sollten die meisten Lagen bewältigt werden können. Zu überlegen wäre, ob Ratschen mit „Zahn-für-Zahn“ Lösungsmöglichkeit sinnvoll wären, da somit auch stabilisierte Fahrzeuge (gerade in Dachlage) kontrolliert abgelassen werden können und somit das Unfallrisiko drastisch reduziert wird.

Fahrzeug in Dachlage

Auch bei Fahrzeugen in Dachlagen kann diese Technik angewandt werden. Aufgrund der Tatsache, dass Fahrzeuge ihren Schwerpunkt im Motorbereich haben, wird die Motorhaube sowie die A-Säulen Kontakt zum Boden haben. Die Bodengruppe wird dementsprechend durch die restlichen Säulen sowie die Dachkonstruktion auf die A-Säulen abgestützt.

Fahrzeugsicherung-mit-Steckleiter_2Auch hier ist die erste Maßnahme das Unterbauen des Fahrzeuges. Rollschläuche, Schlauchbrücken oder Unterlegkeile können fehlendes Rüstholz ersetzen und das Fahrzeug gegen Kippen sichern. Zu diesem Zeitpunkt kann bereits richtig am Fahrzeug gearbeitet werden. Muss aber für die Rettungsöffnung die Fahrzeugstruktur weiter geschwächt werden, oder soll das Dach sogar abgenommen bzw. heruntergedrückt werden, muss das Fahrzeug zusätzlich gesichert werden.

Erweiterte Sicherung mit der Steckleiter

Schema der Sicherung in DachlageNach dem erforderlichen Glasmanagement, werden 2 Steckleiterteile von links und rechts auf Höhe der Hinterachse angestellt. Einen Spanngurt oder eine Leine wird über die oberste Sprosse der linken Leiter, eng am Auto vorbei durch die entnommenen Heckfenster, zur obersten Sprosse der rechte Leiter geführt. Die Leine einfädeln und nach Möglichkeit seitlich verspannen.
Nun einen zweiten Spanngurt (eine Leine müsste wieder verzwirnt werden) von unterster Sprosse zu unterster Sprosse, ebenfalls durch die Heckfenster, verspannen um die Leitern gegen wegrutschen zu sichern.

Direktes Befestigen an der RadaufhängungAlternativ können die Steckleiterteile auch nur im oberen Bereich mit der Radaufhängung verbunden werden. Bei dieser Version wird im unteren Bereich nur ein Spanngurt im Bereich der späteren Rettungsöffnung nötig, der eventuell zur Befreiung des Patienten (mit vorheriger Nachsicherung durch einen geeigneten Unterbau des Fahrzeuges) entfernt werden kann, um kein weiteres Hindernis im Weg zu haben.

Fazit

Eine ausreichende Sicherung eines PKW in Seiten- bzw. Dachlage kann auch ohne spezielles Stabilisierungssystem erreicht werden. Mit etwas Übung und handwerklichem Geschick kann auch der Zeitnachteil stark reduziert werden. Nicht nur Feuerwehren ohne eigenes Stabilisierungssystem sollten dieses Vorgehen regelmäßig üben, denn auch jede andere Wehr kann zu einem Einsatz gerufen werden, bei dem mehrere Fahrzeuge gesichert werden müssen und ein System dann plötzlich nicht mehr ausreicht.



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.





  1. Thomas Lehnert

    Der eingestellte Artikel ist nicht nur für die Feuerwehren interessant. Wir beim THW müssen zur Erfüllung unserer Aufgaben auch improvisieren, da nicht für jeden erdenklichen Einsatzfall die nötige Technik zur Verfügung steht. Wir sind daher für solche Ideen, Vorschläge und Tipps sehr dankbar. An Hand der Bilder und der genauen Beschreibung zur Umsetzung, kann man mit einfachsten Mittel der Fahrzeugausstattung solche Situationen meistern.



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