Grundlagen

18. Oktober 2012

Unfallrettung ohne hydraulischen Rettungssatz

Gleich vorweg: Dieser Artikel richtet sich natürlich nicht nur an Feuerwehren ohne hydraulischen Rettungssatz, sondern er dient auch allen anderen, als Quelle für neue und kreative Nutzung der Standardbeladung. Es geht also darum, welche Maßnahmen man bereits mit der Normbeladung eines TSF(-W) bzw. eines LF 10 an der Einsatzstelle durchführen kann und welche zusätzliche Beladung für kleine Wehren Sinn macht, damit die einsatztaktischen Möglichkeiten bis zum Eintreffen des Rettungssatzes vergrößert werden.

Macht es Sinn eine Wehr ohne Rettungssatz zu einem Verkehrsunfall zu alarmieren?

Ohne den Artikel gleich vorweg zu nehmen, JA es macht durchaus Sinn auch eine kleiner Feuerwehr ohne Rettungssatz mit zu einem Verkehrsunfall zu alarmieren. Nicht nur weil gerade zu Beginn des Einsatzes mehr „Manpower“ als Gerät benötigt wird, sondern vor allem, wegen dem Zeitvorteil. Oftmals liegen die „kleinen Wehren“ deutlich näher am Einsatzort, warum also wird nur die weiter entfernte Feuerwehr mit einem Rettungssatz alarmiert?

Die Verletzten brauchen so schnell wie möglich Hilfe und es gibt mehr als genug Maßnahmen, die getroffen werden können/müssen, bevor auch nur an ein hydraulisches Rettungsgerät zu denken ist. Ich habe das mal bei den letzten THL-Wettbewerben beobachtet, im Schnitt wird das Hydraulikaggregat erst 7 Minuten nach dem Eintreffen eingeschaltet (und hier reden wir von sehr gut trainierten Teams). In diese ersten 7 Minuten fallen eigentlich nur Tätigkeiten die mit jeder Normbeladung durchgeführt werden können.

Welche Maßnahmen das im Einzelnen sind und was hier mit den Mitteln der Normbeladung möglich ist folgt nun sortiert in der Reihenfolge der Wichtigkeit nach dem Eintreffen:

Verkehrsabsicherung

Schaummittelkanister als Blitzleuchten-Ersatz

Schaummittelkanister als Blitzleuchten-Ersatz; Foto: Ulrich Wolf

Zusätzlich zur Absicherung durch Blaulicht, Warnblinkanlage und der richtigen Fahrzeugaufstellung, muss eine frühzeitige Warnung der Autofahrer in den festgelegten Abständen, je nach Straße, erfolgen. Hierzu reicht aber das dafür vorgesehene Material nicht unbedingt aus. Der kreative Feuerwehrmann kann sich hier aber helfen: Gestapelte Rollschläuche oder ein Schaummittelkanister mit einer umgehängten Warnweste ersetzen Verkehrsleitkegel sehr gut (nur wenn genügend Warnwesten für die Einsatzkräfte zur Verfügung stehen). Aber auch als Blitzleuchte lässt sich der Schaummittelkanister einsetzen. Stellt man direkt dahinter eine Handlampe im „Blitzmodus“, verstärkt der gefüllte Kanister die optische Wahrnehmung dieser Warneinrichtung.

Ulrich Wolf von PV-Safety war gestern Abend so nett, davon einige Bilder und sogar ein kleines Video zu erstellen, indem die Wirkung glaube ich sehr gut rüber kommt.

Ausleuchten der Einsatzstelle

Eine Arbeit die, wenn man keinen Lichtmast auf dem Fahrzeug hat, doch recht langwierig ist und viel Personal bindet. Ist dieser Punkt beim Eintreffen der nachrückenden Wehr bereits erledigt, können diese deutlich schneller agieren und haben mehr Manpower für die Einrichtung des Bereitstellungsraumes und die Vorbereitung der Rettung.

Brandschutz

Auf jedem Feuerwehr-Fahrzeug ist ein Pulverlöscher verladen. Steht der PKW nicht bereits in Brand, kann schon damit der Brandschutz sehr gut sichergestellt werden. Denn ein direkt bemerkter Entstehungsbrand ist damit allemal zu löschen. Ob die dafür abgestellte Einsatzkraft Atemschutz trägt, muss jede Feuerwehr für sich entscheiden. Sinn macht es bei den vielen verbauten Kunststoffen in einem PKW allemal.

Lageerkundung

Eine vollständige und nützliche Lageerkundung durch den Einsatzleiter dauert je nach Ausdehnung der Unfallstelle mehrere Minuten. Diese Arbeit kann bereits durch die erst eintreffenden Führungskraft durchgeführt werden, selbst wenn die Einsatzleitung im späteren Verlauf an jemand anderen abgegeben wird. Die mündliche Übergabe der wichtigsten Punkte (und eventuell die eigene Kurzrunde des „Nachfolgers“) gehen immer noch schneller, als komplett neu anzufangen. Da ich bereits einen ausführlichen Artikel mit den wichtigsten Punkten bei der Lageerkundung geschrieben habe, gehe ich hier nicht mehr näher darauf ein.

Patientenbetreuung und -Versorgung

Einer der wichtigsten Punkte, den jede Feuerwehr übernehmen kann. Die Versorgung und Betreuung des Patienten muss so früh wie möglich erfolgen und wenn es nur das Sprechen mit der Person und das Beruhigen/Erklären der Maßnahmen ist. Gleichzeitig sollte schon hier durch aktive Kommunikation verhindert werden, dass die verletzte Person ihren Kopf dreht oder bewegt. Aus diesem Grund sollte man sich immer von Vorne dem Fahrzeug nähern und erst nach dem Erklären an die Seite wechseln. Wichtig: Wer einmal die Patientenbetreuung übernommen hat bleibt auch dabei!

In sehr vielen Fällen gibt es auch bereits eine erste Zugangsöffnung, durch die Kontakt mit dem Patienten hergestellt und eventuell sogar eine Erste-Hilfe möglich ist. Wenn nicht, lässt sich oftmals schon mit einem Brecheisen, Halligan-Tool oder Federkörner eine Öffnung schaffen. Wenn nicht auf der Fahrerseite, dann eventuell gegenüber. Nicht immer ist hier das schwere Rettungsgerät erforderlich, sondern die Tür geht mit einem beherzten Griff von alleine auf (hier muss aber zuvor stabilisiert werden).

Sichern und Stabilisieren des Fahrzeuges

Jetzt wird es richtig technisch und auch hier kann man durchaus die Normbeladung verwenden, um das Fahrzeug gegen wegrollen bzw. umkippen zu sichern und eine ausreichende Stabilisierung zu ermöglichen.

Fahrzeug auf 4 Rädern

Steht das Fahrzeug noch normal auf allen 4 Rädern muss es nur gegen Wegrollen gesichert werden. Hierfür können neben den fahrzeugeigenen Unterlegkeile, aber auch Schlauchbrücken als Keilersatz verwendet werden.

Unterbauen mit RollschäuchenBeim Stabilisieren wird es etwas komplizierter, ist doch kein, oder nur sehr wenig Rüstholz vorhanden. Dieses lässt sich aber wunderbar mit gerollten Schläuchen ersetzen. Übereinander gestapelt kann damit das Fahrzeug wunderbar an 4 Stellen unterbaut und damit stabilisiert werden. Passt die Höhe nicht genau kann entweder Luft aus den Reifen gelassen, das Fahrzeug durch Muskelkraft (aber vorsichtig) etwas aus dem Federweg gehoben oder, wenn vorhanden, ein Keil verwendet werden.

Fahrzeug auf der Seite

Sicherung PKW in Seitenlage mittels Steckleitern

Variante mit Mehrzweckleine

Hierbei handelt es sich ohne extra dafür ausgelegte Stabilisierungs-Systeme wohl um die komplexeste Lage, allerdings kann man sich auch hier helfen, und zwar mit Steckleiterteilen. Diese werden auf der Unterbodenseite oben in den Rädern eingehakt und anschließend mit einer Mehrzweckleine oder einem Spanngurt fest gezurrt. Wird eine Leine verwendet, macht es Sinn diese nur um die untere Radaufhängung zu legen und mit den beiden (zwecks Kraftverteilung) unteren Sprossen der Steckleiter zu verbinden. Anschließend die beiden Seile in der Mitte mit einem Kupplungsschlüssel ect. verzwirnen um eine Spannung zu erzeugen. Beim Spanngurt kann die Ratsche in der Radaufhängung eingehängt werden und der Gurt über die beiden äußersten Sprossen im Dreieck gespannt werden. Das erhöht die Stabilität des Systems noch einmal zusätzlich (auf dem Bild wurden allerdings nur die beiden ersten Sprossen verwendet).

Sicherung PKW in Seitenlage mittels Steckleitern

Variante mit Spanngurt

Die Gegenseite kann mittels Schlauchbrücken gegen Kippen gesichert und gleichzeitig auch weiter stabilisiert werden. Dazu die Schlauchbrücken wie einen Keil zwischen Fahrzeugdach und Untergrund einschieben. Dabei ist aber zu beachten, dass der Platz der für ein eventuelles Abklappen des Daches gebraucht wird, nicht zu sehr blockiert wird. Ausführlich erläutert ist das in diesem Artikel: a href=“http://www.technische-hilfeleistung.info/2013/03/14/fahrzeug-sicherung-mit-steckleiterteilen/“>Fahrzeug-Sicherung mit Steckleiterteilen

Fahrzeug auf dem Dach

Hier reicht in der Regel zunächst eine Stabilisierung aus, die gleichzeitig aber auch ein Kippen verhindert. Auch hierzu können wieder die Schlauch- Sicherung PKW in Dachlage mittels Steckleiternbrücken als Keile unter das Heck eingeschoben werden. Reicht das nicht aus können zusätzlich wieder Steckleiterteile an den hinteren Rädern zum Einsatz kommen. Hierbei wird die Steckleiter einmal mit einer Mehrzweckleine an der Radaufhängung fixiert und die beiden Leiterteile außerdem am Boden verbunden und dort gespannt.

Zusätzlich sollte hier der Patient unterbaut werden, damit er nicht mit seinem kompletten Gewicht im Gurt hängt. Für den Anfang mag hier eine Einsatzkraft möglich sein, sehr lange kann diese das Gewicht aber nicht halten. Stattdessen eignen sich hier auch wieder gerollte Schläuche, die unter dem Patienten gestapelt werden, um diesen zu entlasten.

Aufnehmen von Auslaufenden Betriebsstoffen

Auch das kann bereits durch die ersten Kräfte ohne Rettungssatz durchgeführt werden, wenn genug Personal zur Verfügung steht. Alternativ dann spätestens nachdem die nachrückende Feuerwehr vor Ort ist und damit weitere Kapazität frei wird. Denn neben einer erhöhten Brandgefahr besteht vor allem auch eine Gefahr für die Umwelt, die wir ebenso schützen müssen. Hierfür reicht häufig das einfache Bindemittel, sowie Besen, Schaufel und Schuttmulde aus, um die Ausbreitung einzudämmen oder sogar komplett zu beseitigen.

Nachforderung und Rückmeldung

Direkt nach dem Eintreffen an der Einsatzstelle besteht bereits ein grober Überblick über die tatsächliche Situation vor Ort. Somit lässt sich hier schon abschätzen, ob weitere Kräfte oder Spezialfahrzeuge benötigt werden. Diese frühzeitige Lagerückmeldung an die Leitstelle und gleichzeitige Nachforderung verkürzt die Eintreffzeit enorm und damit auch die Gesamtlänge der Rettung.

Sinnvolle Ergänzungen der Fahrzeugbeladung

Ist man als Wehr ohne Rettungssatz in der AAO mit integriert, macht es durchaus Sinn die Beladung um ein paar Ausrüstungsgegenstände zu erweitern:

Halligan-Tool

Um nur leicht verklemmte Türen für einen ersten Zugang zu öffnen, oder die Motorhaube bei einem Brand schnell auf zu bekommen, bietet sich ein Halligan-Tool (mit Hebeklaue) an. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass es auch ideal bei der Brandbekämpfung eingesetzt werden kann.

Notfall-Rucksack

Um die Mannschaft besser für die Unfallrettung zu motivieren bietet es sich an sich zu spezialisieren. Eine Möglichkeit wäre hier die erweiterte Erste-Hilfe und in diesem Zusammenhang die Anschaffung eines Notfall-Rucksackes. Damit kann der Patient auch schon vor Eintreffen des Rettungsdienstes adäquat versorgt werden. Damit trägt auch eine Wehr ohne Rettungssatz maßgeblich zum Einsatzerfolg bei!

Glasmanagement-Set

Auch dieser Koffer ist sehr gut angelegt, um damit eine weitere Zugangsmöglichkeit zum Patienten zu erlangen. Außerdem spart das erledigte Glasmanagement später wieder viel Zeit bei der Befreiung.

Ölbindemittel

Ist es nicht schon vorhanden, bietet es sich an auch etwas Ölbindemittel zu verlasten, um auslaufende Betriebsstoffe schnell aufnehmen zu können. Dabei bietet es sich an das Bindemittel in einem leeren Schaummittelbehälter im Fahrzeug zu verstauen.

Spanngurte

Überhaupt nicht teuer, aber in unzähligen Situationen zur Sicherung des Fahrzeuges verwendbar. Daher sollten in jedem Fall ein paar Spanngurte auf jedem Fahrzeug verladen sein!

Holzkeile

Last but not least ist auch eine kleine Kiste Rüstholz – vornehmlich Holzkeile – eine gute Ergänzung. Damit lässt sich ein Fahrzeug einfach deutlich besser stabilisieren und kleine Höhenunterschiede bei der Unterbauung mit Rollschläuchen können leicht ausgeglichen werden.

Fazit

Mal ganz abgesehen von dem Fall bei dem der Patient überhaupt nicht, wie gemeldet, im Fahrzeug eingeklemmt ist, kann durch das Alarmieren einer nahe gelegenen Feuerwehr ohne Rettungssatz sehr viel Zeit eingespart werden. Es gibt unzählige Arbeitsschritte für die erstmal überhaupt kein hydraulischer Rettungssatz nötig ist. Dafür ist gerade in der Anfangsphase Manpower alles was zählt und wie alle wissen ist es auch bei den größeren Wehen um die Tagesverfügbarkeit nicht mehr so toll bestellt.

Was aber klar ist: Auch diese Arbeitsschritte in der Anfangsphase müssen beübt werden! Auch und vor allem in Zusammenarbeit mit der nachrückenden Feuerwehr, die die Befreiung übernimmt. Denn durch eine falsch gesetzte Stabilisierung und Sicherung kann schnell der Zugangsweg versperrt werden. Dann ist keine Zeit gespart, sondern eher vergeudet. Daher muss auch bei den Wehren ohne Rettungssatz ein Verständnis für die eigentliche technische Rettung bestehen, damit diese „Fehler“ verhindert werden und die Zusammenarbeit an der Einsatzstelle reibungslos funktioniert.

Werden bei euch auch die Wehren ohne Rettungssatz zum VU alarmiert?



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.





  1. Johannes

    Leider werden wir (Dorf-FF mit TSF-W) bei einem VU gar nicht rausgeklingelt. Wie das schon im Artikel gesagt ist gibt es so viele Sachen, die man machen kann, auch wenn man keine Geräte hat. Und wenn es „nur“ Benzin/Diesel/Öl abstreuen ist…
    Da wir ja nie „mit rausfliegen“ werden, üben wir solche Einsätze nicht. Ich habe schon so oft darum gebeten, dass man doch mit uns mal einen VU üben könnte, aber das stößt (leider) auf taube Ohren. Dass diese Schiene schief gehen wird, zeigt sich wahrscheinlich erst, wenn die Stadt mal mit nicht genügend Mannschaft ausrücken muss und die dann rennen…
    Ich werde diesen Artikel mal ausdrucken und beim nächsten Dienst mitnehmen. Vielleicht gibt es ja doch mal eine Einsicht.


    • Ich wünsch dir auf jeden Fall viel Erfolg! Dein Weg ist der absolut richtige, dass wird früher oder später auch erkannt!


      • Gerd

        Schöner Artikel und auch feine Tipps danke dir.
        @ Johannes, du solltest dich mit deiner Wehrführung in Verbindung setzen das ihr das zusammen mal angeht. Es muss ja nicht an der Fw liegen die das Rettungsgerät hat sondern kann ja auch von deiner Wehrführung geblockt werden.
        Ich war 20 Jahre in einer Wehr die mit Rettungssatz ausgerüstet ist und die kleinen Wehren wollten nicht alarmiert werden.


    • UK-Ausbilder

      Hallo Johannes.

      Ich finde das Verhalten eurer Wehrführung nicht an die heutige Zeit angepasst, in der wir jede Feuerwehrfrau und – Mann besonders tagsüber an der Einsatzstelle benötigen.
      Vieleicht gibt es ja irgendwann durch einen Führungswechsel eine Änderung. Jedoch möchte ich dich bitten, deinen Wunsch immer und immer wieder anzusprechen. Vieleicht könnt ihr mit einer befreundeten Feuerwehr auch etwas für eure Ausbildung organisieren. Ich wünsche dir viel Kraft, um eine Änderung in eurem Ausbildungsbetrieb zu erreichen.


  2. Urs

    Ich finde die Tipps mit der Steckleiter sehr gut 🙂
    werde ich demnächst mal bei uns zur Ansprache bringen, hatten schon paar mal das Problem das uns die Mittel ausgegangen sind und die nachfolgenden Kräfte ziemlich lang brauchten um einzutreffen…


  3. Top Artikel!
    Vor allem die Verkehrsabsicherung finde ich toll, muss ich demnächst mal vorschlagen, beziehungsweise diesen Artikel mal der Wehrführung geben.
    Bei uns (Dorf in SH ohne Rüstsatz mit 500 Einwohnern, zwei Nachbarwehren haben Rüstwagen) ist es so, dass immer die passende Gemeinde alarmiert wird und je nach Anruf wird eine oder gleiche beide Wehren mit alarmiert. Läuft dann schon mal drauf hinaus, dass drei Wehren am Unfallort stehen und zwei wieder nach Hause fahren dürfen, weil Person doch schon frei oder so.
    Wir üben auch immer mal wieder VU, zumindest das, was machbar ist und theoretisch bekommen wir mit der Beladung vom TSF und dem LF16 auch ein Auto zerlegt. Würde zwar länger dauern als mit Schere, Spreizer und sonstiger Hydraulik, aber es geht.


  4. Klaus-Dieter Baum

    Hallo,
    viele kleine Wehren bei uns im LK bilden nach dem sogenannten „Wichtenbecker Modell“ aus.
    Link: http://www.ffwichtenbeck.de/html/downloads.html


  5. Sehr guter Artikel!
    Wir sind eine Feuerwehr (SH) mit einem StLF und einem TSF ohne Hydraulischen Rettungssatz. Trotzdem üben wir seit mehreren Jahren die Technische Hilfeleistung bei einem Verkehrsunfall, auch mit Seiten-/ Dachlagedes PKW, mit den Nachbarfeuerwehren die mit einem Rettungssatz ausgestattet sind. Für die Erstmaßnahmen ist unser StLF mit zwei Kunststoffboxen ausgestattet. 1x Unterbauholz, 1x Material zur Stabilisierung und zur Schaffung eines Erstzugangs.
    Die Verkehrsabsicherung übernimmt grundsätzlich das TSF (hier wird auch ein Notfallrucksack und Rettungsbretter mitgeführt).
    Im August wurden wir zu einem Einsatz mit auslaufenden Betriebstoffen alarmiert. An der Einsatzstelle stellte sich dann aber heraus dass die Beifahrerin eingeklemmt war (Polythrauma). Die Erstversorgung der Patientin übernahm die gleichzeitig eintreffende RTW Besatrzung. Normalerweise werden bei dem Einsatzstichwort (VU PKL) gem. AAO zwei Feuerwehren mit dem Rettungssatz parallel mitalarmiert. Hier konnten wir nun, in der Zeit der Nachalarmierung, den PKW bereiz unterbauen und sichern. Der Gruppenführer sprach das weitere Vorgehen mit dem Notarzt ab.
    Somit gab es keine nachteilige Zeitverzögerung für die Patientin. Die anschließende Bedienung erfolgte durch unser Personal. Bei einem weiteren Unfall mit einem PKW in Seitenlage erfolgte die Stabilisierung mittels Steckleiterteilen, Spanngurten und Keilen. So konnte ein sicherer und schneller Erstzugang für den Rettungsdienst geschaffen werden.
    Es hat sich gezeigt dass man mit wenig Material viel leisten kann bzw. in Zusammenarbeit mit anderen Feuerwehren die Ausbildung verbessern und Dienste interessant gestalten kann. In der heutigen Zeit kann man sich grade bei der Tagesverfügbarkeit, nicht darauf verlassen dass immer ein voll besetztes HLF an der Einsatzstelle ankommt.
    Deshalb sollte sich jeder Feuerwehrangehörige mit diesem Thema beschäftigen…


  6. Bei uns wird immer auch die der Unfallstelle nächstgelegene Wehr mitalarmiert. Und das ist auch gut so. Selbst wenn es nur ein TSF ist, können die Kameraden die wichtigen Punkte wie Unfallstellenabsicherung, Erkundung und Patientenbetreuung beginnen, bzw. durchführen. Ich komme ursprünglich aus einer TSF-Wehr und werde den Artikel in der Wehr mal in die Ausbildung einarbeiten. Gibt es eine Möglichkeit, den Artikel irgendwie als pdf runterzuladen?


  7. Mike

    Thema: Unfallrettung ohne hydraulischen Rettungssatz,

    die Anregungen zu diesem Thema haben meinen Horizont erweitert, dass hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Die direkten Ortsfeuerwehren bei Stichwort VU mit einzubinden ist sehr sinnvoll und ich werde dieses Thema sicherlich einmal mit unserem Kreisausbilder TH diskutieren im Bezug auf Grundausbildung in der FF, Danke, nicht für diesen Beitrag, sondern für die Website.


  8. Christian

    Hier auch mal Links zu meiner TSF-Wehr:

    http://www.ff-steinbach.de/

    Erweiterte Ausrüstung:
    http://www.ff-steinbach.de/VU.html

    Spezielle Ausbildungen:
    http://www.ff-steinbach.de/Seminar.html

    Aber auch die anderen Übungen lassen sich IMHO durchaus sehen…


  9. Erik Robin

    Moin!

    Das ist ein phantastischer Artikel! ! !
    Ich habe ’ne ganze Badewanne voller Ideen und Gedanken dazu!

    Wir haben auch nur ’ne Grundausstattung. Aber: Wir haben seeeehr engagiertes und interessiertes Personal, das ständig nach neuen Lehrinhalten jammert.

    Ich werde den Artikel einem oder zwei Jungs an die Hand geben, ihnen vier Wochen Zeit lassen und wir werden dann sehen, was sie für uns ausgearbeitet haben.

    Es wird viiiele Kommentare, Anmerkungen und Veränderungsvorschlage geben.
    Wir werden das dann alles durchdiskutieren, nach drei Monaten nochmal aufbauen und üben und irgendwann wird sich ein toller Erfolg einstellen.

    Und der Erfolg kann dann auch darin liegen, daß die Jungs wieder sehr motiviert zum Regeldienst kommen und sich quasi fur alles andere auch begistern.

    Ganz herzlichen Dank!

    Erik Robin


    • Hallo Erik,

      das freut mich wirklich sehr zu hören, dass ihr so motivierte Kameraden habt. Und ich bin wirklich gespannt zu welchem Ergebnis ihr kommen werdet. Eventuell kannst du mir ja sobald ihr fertig seit etwas zukommen lassen. Auf jeden Fall jetzt schon einmal viel Spaß und Erfolg bei der Aktion!

      Grüße aus Österreich, Patrick


  10. Christian

    Guter Artikel, aber mit Verlaub, der Handscheinwerfer hinterm Schaumkanister bringt nichts, denn spätestens wenn ein PKW mit Licht angefahren kommt ist die Wirkung dahin, und genau die soll es ja warnen, da lass ich das mit der darüber gestülpten Warnweste eher durchgehen.
    Und unbeleuchtete OKW kommen wohl eher nicht angefahren.
    Und ja, ich hab das schonmal spaßeshalber ausprobiert …..

    Gruß


    • Hallo Christian,

      danke für deine Meinung! Ich glaube aber trotzdem, dass der blinkende Schaummittelkanister eine deutlich höhere Sichtbarkeit bringt, als die reine Lampe. Klar sind Euroblitzer ect. deutlich besser geeignet, solange aber nichts anderes da ist?

      Gegen Autoscheinwerfer kann es sicher nicht bestehen. Wenn man den Kanister aber so stellt, dass er schon von weitem zu sehen ist (bevor der Lichtkegel der Scheinwerfer darauf fällt) ist er in jedem Fall gut wahrzunehmen und bringt dadurch einen Warneffekt.


    • Sebastian

      Nicht vergessen werden sollte außerdem die Unfallgefahr die von einem vollen Schaummittelkanister ausgeht. Seitdem bei einem Einsatz unserer Wehr einem Kameraden durch einen unachtsamen PKW-Fahrer, welcher den Schaummittelkanister ohne zu bremsen anfuhr, ebendieser mit voller Wucht von hinten in die Beine „geschossen“ wurde ist ihr Einsatz als „Verkehrswarngerät“ bei uns streng verboten worden. Folge waren mehrfache Brüche beider Unterschenkel und weitere Verletzungen der Füße. Da war viel Erklärarbeit bei der Unfallkasse nötig. Die Teile fliegen wirklich wie ein Eishockeypuck über den Boden! Bei uns seitdem wenn, nur noch leer und am Straßenrand.


  11. Gerhard

    Hallo
    Ich habe mir auch schon viele Gedanken über dieses Thema gemacht und wir Üben immer wieder,in unser Ortsfeuerwehr (TSF) die Situation bei einem Verkehrsunfall.Durch deine Artikel konnten wir sie noch intresannter gestalten (seitlichliegender PKW sichern) .Zum Ausleuchten eines Einsatzes bei Nacht verwenden wir einen Led Scheinwerfer mit 12V und 48W auf einem Baustellenstativ mit 3.50m Höhe .
    Angeschlossen wird das ca.15m(nicht länger wegen Wiederstand)lange Kabel mit Stecker an der Steckdose zum Laden der Batterie.Weil sich eine solche Dose auch an unserer Pumpe befindet können wir das Stativ in Kombination mit den Scheinwerfer derTS8 (den wir mit einer Verlängerung einen Meter höher setzen)mobil benutzen.Gelagert wird das Stativ in einer langen Wanne aus Alu die mit unteren Führunge in die Halterung eines Saugschlauches geschoben wird .In einer etwas größeren Wanne haben wir 2 Besen,Schaufel und Bindemittel immer dabei.Mit solchen oft einfachen (billigen) Mitteln kann man auch kleine Feuerwehren aufwerten.Ich hoffe das ich damit einige Anregungen zu diesem Thema geben konnte .Ich würde mich über weitere Artikel über dieses Thema freuen.
    Gruß aus der Oberpfalz


  12. Erik Robin

    Moin Patrick!

    Wir haben, wie ich es schon angekündigt hatte, erste Übungen an Unfallfahrzeugen gemacht.
    Die Jungs waren begeistert und haben so viele neue Aspekte für den eigenen Dienst entdeckt.

    Da uns bislang jede Art der Ausrüstung für solche VUs gefehlt hat, habe ich auch zunächst nicht erstmal nachgefordert und nachgeordert,
    sondern wir haben uns im Übungsverlauf gemeinsam erarbeitet, welches zusätzliche Material für uns
    sinnvoll sein kann. Ein paar Rollen transparentes Klebeband (transparent, weil man dem Patienten ja schließlich nicht
    die Sicht nehmen will) für ein paar Euro bei Ikea gekauft, das Schrottauto kam vom Kameraden und dann ging es
    langsam ran.
    „Wir könnten ein paar Rüsthölzer gebrauchen!“ O.K.! Örtlichen Tischler gefragt, ob er vielleicht. …? „Ja, klar!
    Sehr gerne. Was braucht Ihr? Kannste morgen nachmittag abholen.“

    Bindemittel im Kanister! Wir haben alles Erforderliche dazu da – es wurde nur nie dran gedacht. Jetzt wurde es gemacht.

    Die Plane, die wir uns als Unterlegeplane besorgt haben, ist so konzipiert, daß sie auch an der Dachreling des LF befestigt und abgespannt werden kann. Dann dient sie wahlweise als Sonnen- oder Wetterschutz.

    ….mittlerweile üben unsere vier Löschgruppen alle wenigstens zwei mal pro Jahr die Hilfestellungen beim VU.
    Und allen macht es Spaß!
    Anfangs gab es, wer hätte das anders erwartet, natürlich auch wieder die Stimmen, die sagten, daß wir das noch nie gebraucht oder gemacht haben und das sich darum lieber die Wehr kümmern sollte, die den Patienten dann rausschneidet, aber diese Stimmen waren schnell verstummt als die Jungs gesehen haben, was sie alles tun können.

    …und unsere Sponsoren freuen sich, wenn sie keine Bierkisten mehr, sondern sinnerfülltes Material bezuschussen oder besorgen können!

    Danke und beste Grüße aus dem Norden!

    Erik


  13. Ried Alexander

    Hallo Patrick!
    Wir sind eine Ortsteilfeuerwehr mit LF8/6 auch ohne Rettungssatz und werden als „Zuständige Wehr“ auch immer zu Unfällen mitallarmiert und treffen dort auch teils vor der „Stützpunkt Wehr“ ein. Bisher waren wir der Meinung, das es mit Versorgung und Betreuung der Verletzten, sichstellen des Brandschutzen und Verkehrregeln getan ist. Dein Artikel hat mir selbst mal die Augen geöffnet, was wir bis zum Eintreffen der Rettungssätze oder Rettungsdienstes bereits alles unternhemen können. Dies finde ich, ist für die Verunfallten Personen bereits auch schon sehr Hilfreich und teils auch Lebensnotwendig.

    Da ich deinen Artikel gerne für die Ausbildung in unserer Wehr benutzten möchte, um diese Maßnahmen auch allen Feuerwehrmitgliedern vermitteln zu können, möchte ich dich fragen, ob ich diesen Artikel als PDF Datei erhalten und auch benutzen dürfte.


    • Hallo Alexander,
      natürlich kannst du den Artikel gerne für die Ausbildung bei euch in der Wehr verwenden. Als PDF habe ich ihn aber momentan nicht vorliegen. Ich kann ihn dir zwar gerne auch in einem PDF anbieten, dass wird aber eine Weile dauern. Da bist du sicher schneller wenn du dir den Text selbst herauskopierst 😉


  14. Rene

    Eventuell kann man noch ein oder zwei silberne Reflexstreifen an den Schaummittelkanister kleben, so reflektiert er sobald ein Fahrzeuglicht darauf fällt und dann das Blinken evtl. nicht zu erkennen ist.



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