Ausrüstung

26. August 2012

Rettungsplattform richtig einsetzen

Rettungsplattform richtig einsetzen

Eine Rettungsplattform (egal in welcher Ausführung) ist zunächst einmal dazu gedacht, die bauartbedingte Rettungshöhe bei LKW, Bussen und anderen Massentransportmitteln leichter zu bewältigen. Sie kann aber auch genauso bei einem PKW zum Einsatz kommen, wenn durch seine Lage (z.B. auf der Seite, oder auf einem Hindernis) Rettungsarbeiten in der Höhe nötig werden.

Die Plattform wird nicht nur eingesetzt, weil möglicherweise der Arbeitsbereich überhaupt nicht erreicht wird, sondern vor allem auch um mit den schweren Geräten leichter und damit schneller arbeiten zu können. Damit dies aber effektiv gelingt müssen ein paar Punkte bei den Vorarbeiten zur Rettung (Sicherung und Stabilisierung), sowie bei der Aufstellung der Rettungsplattform beachtet werden!

Einsatz der Plattform bei der Stabilisierung berücksichtigen

Ob eine Rettungsplattform benötigt wird zeigt sich meistens auf den ersten Blick. Daher ist es möglich und nötig den Platz für die Plattform schon bei den ersten Maßnahmen zu berücksichtigen. Soll heißen: Vor allem die Stabilisierungs-Systeme müssen direkt so angebracht werden, dass genug Platz bleibt, die Rettungsplattform dazwischen bzw. daneben optimal aufstellen zu können.

Der Auftsellungsplatz für die Rettungsplattform muss schon bei der Stabilisierung berücksichtigt werden.

Der Auftsellungsplatz für die Rettungsplattform muss schon bei der Stabilisierung berücksichtigt werden.

Beim LKW-Fahrerkabinen oder Bussen ist hier meist genug Platz, sodass man sich nicht in die Quere kommt. Beim Einsatz am PKW wird es aber schon interessanter. Hier wird die Plattform sehr oft auf der Unterboden-Seite angebracht (damit das Dach noch abgeklappt werden kann), genau hier steht aber auch die Dreieckes-Stabilisierung. Das nebenstehende Bild zeigt die Situation recht gut: Wenn die „Stützen“ weit genug auseinander angebracht werden, passt die Plattform mit optimalem Aufstellungsort für die weiteren Arbeiten noch dazwischen. Hier hängt es aber natürlich auch stark von der Bauform der Plattform ab, wie viel Platz wirklich nötig ist.

Richtige Höhe einstellen

Schon beim Aufbau der Rettungsplattform muss die passende Höhe der Arbeitsfläche eingestellt werden. Eine spätere Änderung kostet sehr viel Zeit und sollte daher von Anfang an durch eine optimale Höhenwahl verhindert werden.

Hier wird aber oftmals dazu tendiert, die Arbeitsfläche viel zu hoch einzustellen, denn immerhin kann es die Plattform ja, also muss es auch angewendet werden. Dadurch wird der Effekt aber fast wieder komplett zu Nichte gemacht, denn auch arbeiten in gebückter Haltung ist sehr anstrengend und es wird eventuell sogar wichtiger Arbeitsraum für die Geräte blockiert. Nachfolgend zwei Beispiele zur Veranschaulichung:

Optimale Höheneinstellung beim PKW in Seitenlage

Optimale Höheneinstellung bei PKW in SeitenlageAuf dem ersten Bild wird deutlich sichtbar, dass die mögliche Höhe der Plattform auf keinen Fall voll ausgefahren werden muss. Bei der hier gezeigten Arbeitshöhe kann bequem im Stehen (aus Hüfthöhe) gearbeitet werden und trotzdem ist auch die höchste Stelle ohne wirkliche Anstrengung zu erreichen. Außerdem ist es hier weiterhin Möglich ein eventuell nötiges Fußraumfenster in das Bodenblech zu schneiden, ohne die Rettungsplattform zeitaufwändig zu verstellen oder gar entfernen zu müssen.

Rettungsplattform zu hoch eingestelltAuf dem zweiten Bild ist die Arbeitsfläche dafür viel zu hoch eingestellt. Bei allen Arbeiten ist es notwendig in die Hocke zu gehen oder sich zu bücken. Das ist nicht nur unergonomisch, sondern auch das Arbeiten mit den schweren Rettungsgeräten wird hier wieder sehr anstrengend gemacht. Auch das Bodenblech wird in dieser Variante komplett verbaut und zu entfernende Teile könnten an der Plattform anstehen und so die Stabilität (des PKW und der Plattform) gefährden bzw. eine schnelle Entfernung verhindern.

Optimale Höheneinstellung bei einer LKW-Fahrerkabine

Genau das gleiche gilt auch beim LKW. Auch hier sollte die Plattform nicht zu hoch eingestellt werden, damit die Rettungsarbeiten nicht behindert werden. Hierfür gibt es beim LKW allerdings in den meisten Fällen ein sehr gutes Richtmaß, an dem man sich orientieren kann.

Optimale Höheneinstellung am LKWWichtig bei der Einstellung der Höhe ist, dass sich die Tür noch komplett über die Plattform öffnen lässt und der Schweller weiterhin mit dem Spreizer gequescht werden kann (Standardvorgehen bei der LKW-Rettung). Die Arbeitsfläche solle also ein gutes Stück unterhalb der Türe angebracht werden. Als grobes Maß eignet sich die Länge von den Fingerspitzen bis zum Ellbogen. Dieses Maß kann von einer Einsatzkraft direkt am LKW gemessen und am Körper angehalten werden. So kann das Maß an den Aufbauort der Plattform übertragen werden. Hiebei muss aber auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass die optimale Höhenverstellung von der Unterkante der Tür (Schweller) aus genommen wird. Bitte nicht von der Verkleidung über den Trittstufen irritieren lassen, diese kann sehr leicht entfernt oder auf die Seite gebogen werden.

Richtiger Aufstellungsort für die Rettungsplattform

Die Plattform sollte immer so positioniert werden, dass mit nur kleinen Verschiebungen alle nötigen Punkte erreicht werden können. Denn jede Veränderung der Position kostet viel wertvolle Zeit (Einsatzkräfte runter, Geräte runter, umpositionieren, alles wieder hoch). Wird die Plattform eingesetzt um einen erhöhten Arbeitsbereich zu erreichen ist der Aufstellungsort fix vorgegeben. Dient sie aber zur Erleichterung der Arbeiten können mehrere Standorte in Frage kommen.

Die Plattform kann wenn nötig auch versetzt werdenBeim PKW in Seitenlage bietet sich hier fast immer die Unterseite als Aufstellungsort an. Da die meisten Arbeiten an den Türen erfolgen sollte die Plattform in der Mitte des Fahrzeuges (auf Türhöhe) aufgestellt werden. Bei der LKW-Kabine ist es die Unterstützung bei der Befreiung des Patienten, also in den meisten Fällen an der Tür. Hier sollte die Rettungsplattform leicht nach vorne über die Kabine überstehen, damit die Tür von beiden Seiten zu erreichen ist und der Vorderbau nach vorne gedrückt werden kann.

Einmal aufgestellt heißt aber nicht das die Plattform an dieser Position bleiben muss. Wenn es notwendig ist kann sie natürlich jeder Zeit entsprechend versetzt werden.

Alternativen zur Rettungsplattform

Steht keine Rettungsplattform zur Verfügung kann auch hier wenn nötig situationsabhängig improvisiert werden. Als Ersatz kann neben den bekannten Steckleitern zum Beispiel auch eine Ladebordwand eines LKW (wenn keine eigene vorhanden steht im Rückstau bestimmt ein entsprechender LKW) oder der Drehleiterkorb verwendet werden. Beide Alternativen sind natürlich sehr zeitaufwändig und benötigen sehr viel Platz. Aber wenn wichtige Punkte zum Arbeiten nicht anders erreicht werden können?

Gerade auf der Autobahn bietet sich aber noch eine wunderbare andere Alternative. Fast jeder Lastzug hat mehrere unbenutzte Paletten mit dabei, mit denen schnell eine sichere und großflächige Erhöhung gebaut werden kann. Und gerade wenn es einen Kollegen betrifft sind alle LKW-Fahrer zur Hilfe bereit!

Belastbarkeit der Rettungsplattform unbedingt einhalten

Jede Rettungsplattform hat eine mehr oder weniger hohe Belastbarkeit für die Arbeitsfläche. Diese muss unbedingt eingehalten werden. Denn wenn das Gewicht nicht wirklich gleichmäßig verteilt wird kann die eingebaute Sicherheit auf einer Seite schnell überschritten werden. Dabei darf nicht nur an das Gewicht der Einsatzkräfte gedacht werden, auch die PSA und das verwendete Gerät hat ein entsprechend zu berücksichtigendes Gewicht. Zuletzt kommt auch noch das Gewicht der verletzten Person hinzu, die oftmals über die Plattform gerettet wird.

Gehen wir von 400 kg Belastbarkeit aus (weit verbreitet) können effektiv max. 2 Einsatzkräfte der Feuerwehr gleichzeitig auf der Plattform arbeiten. Aus diesem Grund ist es wichtig dem Rettungsdienst wenn möglich einen zweiten Zugang über Steckleitern, … zu ermöglichen, damit nicht ständig gewechselt werden muss.

Verwendet ihr eine Rettungsplattform um euch die Arbeiten in der Höhe zu erleichtern? Wenn ja, wie oft wird der Aufbau der Plattform trainiert?



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.




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