Ausbildung

10. August 2011

Patientenbetreuung bei Übungen gezielt fordern

Gerade bei der Standardlage „PKW auf allen vier Rädern“ wird die Übung auf Grund der fehlenden Deformation des Fahrzeuges sehr routinemäßig abgearbeitet. Dabei wird fast ausschließlich auf den Umgang mit den Arbeitsgeräten und die verschiedenen Rettungsmöglichkeiten eingegangen. Was dabei fast immer vernachlässigt wird, ist die richtige Betreuung des oder der Patienten. Was aber in der Übung nicht trainiert wird, fällt auch meistens im Einsatzstress unter den Tisch oder wird bestenfalls nur unzureichend angewandt.

Patientenbetreuung ist wichtig

Die Betreuung des Patienten spielt eine elementare Rolle und längst nicht alle Maßnahmen können dabei vom Rettungsdienst erledigt werden! Vor allem die Erklärung der gerade laufenden Rettungsmaßnahmen fallen in das Ressort des inneren Retters (der dies neben der Erkundung des Innenraumes ebenfalls bewältigen muss). Dieser muss ständig mit dem Patienten sprechen, um ihn zu beruhigen und ihm die Angst vor den verwendeten Geräten und den auftretenden Geräuschen und Erschütterungen zu nehmen. Das ist vor allem wichtig, wenn im direkten Bereich um den Patienten gearbeitet wird. Natürlich aber auch bei allen anderen Maßnahmen am und um das Fahrzeug herum, die Geräusche oder Erschütterungen auslösen können.

Es ist also notwendig, dass der innere Retter im ständigen Kontakt mit dem arbeitenden Trupp steht, um ständig über die laufenden Eingriffe informiert zu sein und den Patienten optimal darauf vorbereiten zu können. Dafür sind vor allem klare Kommandos wie „Achtung wir schneiden!“oder „Achtung Glas!“ notwendig, aber auch Zeit, damit der innere Retter darauf reagieren kann.

Wird dieser Part in der Übung weggelassen, fällt auch gleichzeitig jede Menge an Arbeit und zusätzliche Belastung für die Einsatzkräfte weg, die sie im Realfall dann vor Probleme stellen und die Arbeit deutlich verlangsamen.

Die Patientenbetreuung während der Übung fordern

Um die Übung daher so real wie möglich zu gestalten, muss ein Patient her. Es sollte also einer der Kameraden in das Fahrzeug gesetzt werden, der diese Aufgabe übernimmt und auch sonst keine weiteren Funktionen ausfüllt. Dieser „Patient“ soll nun einfach die Augen schließen und jedesmal lauthals schreien, wenn er meint, das Fahrzeug bewegt sich oder er nicht ausreichend betreut wird.

Durch die geschlossenen Augen kann er selbst nicht erkennen, welche Maßnahmen gerade laufen und wird daher (auch wenn er ungefähr weiß, was gerade abläuft) sehr froh darüber sein, wenn ihn jemand vorwarnt. Auch jede kleinste Erschütterung wird auf einmal spürbar. Auf der anderen Seite geht das Geschrei den arbeitenden Einsatzkräften irgendwann ganz sicher auf die Nerven und sie werden sich überlegen, wie sie das gezielt verhindern können, bzw. den inneren Retter auffordern, sich besser um den Verletzten zu kümmern.

Damit wird nicht nur ein behutsameres Arbeiten gefordert, sondern auch eine zusätzliche Belastung von arbeitendem Trupp und innerem Retter erreicht, die den Gegebenheiten an der Einsatzstelle deutlich näher kommt. Durch die zusätzlich notwendige Kommunikation untereinander und die Pausen für die Reaktion des inneren Retters, sowie die Ablenkung dessen von der Innenraumerkundung, wird die Lage deutlich in die Länge gezogen. Dieser zusätzliche Arbeitsaufwand kann auch erst dann berücksichtigt werden und gegebenenfalls durch weitere Einsatzkräfte kompensiert werden.

Wird dies aber nicht geübt, kann es auch im Einsatz unter Stress nicht richtig angewand werden und sorgt für störende Änderungen im gewohnten Einsatzablauf. Auch der Einsatzleiter weiß besser, wieviele Kräfte er wirklich braucht und welche Zeiten und Maßnahmen er für die Rettung einkalkulieren muss. Ist das bereits im Vorfeld bekannt, kann bereits ein Plan B bzw. C erarbeitet werden.

Wie schaut es bei euch aus? Wird die Patientenbetreuung bei den Übungen berücksichtigt und korrekt durchgeführt?



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.





  1. Stephan

    Betreuung von Patienten geschweige denn erweiterte Versorgung wird meines Erachtens nach von vielen Einatzkräften und Einheiten bei Übungen an die Personen deligiert, die gerade erst den TM1 absolviert haben und bei der Übung aufgrund von ihrem Ausbildungsstand her nicht „Schneiden und Spreizen“ dürfen. Selbst wenn der Innere Retter mittlerweile an Wert gewonnen hat und das immer mehr im kommen ist, es muss sich diesbezüglich einiges an der Einstellung zu ändern.

    Wenn ich auch Einsatzkräfte sehe, die an einer Brandeinsatzstelle Leute betreuuen müssen die psychisch agitiert sind sehe ich bei den meisten blanke Überforderung ,Unsicherheit und fehlende Empathie.

    Das kann man den Kameraden allerdings nicht vorwerfen, die Ausbildung in diesem Bereich ist schlecht und wird selbst von denen die sie Anbieten immer ein wenig belächelt und als „Psycho-Scheiß“ eingeordnet.

    Ich hab da auch leicht reden, hauptberuflich bin ich in der Akutmedizin tätig und habe Erfahrung im Umgang mit Personen in psychischen Extremsituationen , aber auch eine entsprechende Ausbildung…man muss stur sein und diese „weichen“ Feuerwehrthemen immer wieder ansprechen und immer wieder anbieten und eine Ausbildungskultur in dem Bereich schaffen…ein langer Weg.


  2. Flo

    Hallo,

    also bei uns wird immer mehr und mehr auf die Funktion des Inneren Retters eingegangen. Bei einer kürzlich absolvierten Übung gingen wir ganz speziel auf die Aufgaben des Inneren Retters ein. Ich persönlich finde, dass nicht nur ein geschulter Rettungssanitäter diese Aufgabe warnehmen kann, sondern jeder Feuerwehrdienstleistende. Es geht, wie oben schon geschrieben, eher um die Psychische Hilfe als um die Medizinische.
    Ich war auch bei der einen oder anderen Übung einmal der Patient, es ist wirklich hilfreich, wenn jemand an deiner Seite ist und dir erklärt was passiert.


  3. Markus

    Schwieriges Thema, denn oftmals müssen da erst noch einige Mauern und vielleicht auch Berührungsängste abgebaut werden… und die Bereitschaft geschaffen werden sich auch neuen Aufgaben und Herausforderungen zu stellen! Schließlich ist das Thema „Betreuung von Personen“, egal ob verletzt oder nicht, nicht unbedingt ein Hauptpunkt bei den Aufgaben der Feuerwehr.

    Wir haben bei uns am Standort einen Helfer vor Ort des BRK. Der wird in der Regel bei unseren Einsätzen (auch auf der BAB) mitalarmiert, und kümmert sich dann natürlich um den/ die Verletzten. Auch bei entsprechenden Übungen (zuletzt bei einer Schauübung im Rahmen des Tags der offenen Tür) und auch Ausbildungen werden die BRK-Einsatzkräfte mit eingebunden… die meisten sind ohnehin auch bei der Feuerwehr aktiv. So weit, so gut, auch wenn vereinzelt Stimmen (auch bei anderen Organisationen) laut werden, dass die Betreuung und Versorgung von Verletzten „uns“ nichts anginge. Aber durch dieses Miteinander können wir im kleinen bereits unsere Abläufe aufeinander abstimmen, und erzielen hier ganz ordentliche Ergebnisse.

    Vergangene Woche hatten wir beispielsweise einen Unfall auf der BAB mit mehreren Kfz, aber ohne eingeklemmte Personen. Insgesamt gab es vier betroffene Personen, zwei davon waren verletzt. Da unser HvO aber zu diesem Zeitpunkt nicht besetzt war, musste die Versorgung der Verletzten bis zum Eintreffen des RTW (und auch darüber hinaus) primär durch die Feuerwehr erfolgen. Hierbei hat es sich aus meiner Sicht wieder einmal ausbezahlt, dass wir durch die „Doppelmitgliedschaft“ (und damit durch eine gute Ausbildung einerseits und eine ständige Praxis andererseits) sowie das Vorhalten geeigneter Ausrüstung hier effektiv helfen konnten. Ziel also erreicht!

    Den Ansatz, einen „Verletzten“ bei den entsprechenden Ausbildungen in ein Fahrzeug zu setzen (und ich würde sogar weiter gehen: auch bei anderen „passenden“ Lagen wie Rettung aus Höhen und Tiefen etc.), ist ja eigentlich nicht neu, und wird vielfach so bereits heute umgesetzt. Das Problem dabei ist aber, dass dieser – wie Du so schön beschrieben hast – meistens nicht adäquat versorgt und betreut wird.

    Erfahrungsgemäß ist es allerdings nicht so leicht hier ein „geeignetes“ Opfer zu finden, denn einerseits haben dazu die wenigsten Lust (oder sie sitzen eben nur still da – vielleicht mit ein paar dummen Kommentaren zwischendurch), andererseits sollte diese Person meines Erachtens über eine gewisse Erfahrung im Bereich der Unfallrettung verfügen. Vielleicht wäre es auch ein Ansatz die Führungskräfte als potentielle „Opfer“ einzuteilen, schließlich können sie für kommende Einsätze hiervon am stärksten profitieren (Einteilung der Mannschaft, Überwachung der Abläufe etc.).

    Gute Erfahrungen haben wir im Bereich der Verletztendarstellung auch mit einem RUD-Team gemacht, dieses unterstützt uns immer bei (Alarm- und Einsatz-)Übungen des Landkreises. Hätte zum einen den Vorteil, dass hier dann „Profis“ am Werk sind, außerdem würde es das Feedback dann von einer neutralen Stelle geben. Dass dies aber nicht bei jeder Ausbildung machbar ist, ist mir auch durchaus bewusst!

    Naja, im September steht bei uns wieder THL auf dem Übungsplan. Ich werde mit den Übungsverantwortlichen jedenfalls mal versuchen Deinen Vorschlag aufzugreifen und eine „psychologische“ Komponente in diese Ausbildung mit einbringen zu lassen. Ich lasse mich überraschen, wie das ankommt.

    Es gibt jedenfalls noch viel zu tun…


  4. Hallo,

    gerade für Rettungspersonal egal ob Feuerwehr, Polizei oder Sanitäter sollten den Umgang mit den Patienten umgehen können. Ich halte Schulungen im Umgang mit diesen eine sehr effiziente Methode.

    freundliche Grüße
    Ramona


  5. Florian

    In den vorherigen Beiträgen wurde immer wieder die Funktion des „Inneren Retters“ angesprochen.
    Seine Aufgaben umfassen:
    – die Erkundung im Inneren des Unfall-PKW (Airbag/Warnblinkanlage einschalten/Zündschlüssel evtl. abziehen)
    – die med. Sichtung des/der Patienten vom Innenraum des Fahrzeuges aus
    – der Schutz, die Versorgung sowie die Betreuung des Patienten während der technischen Rettung

    Grundsätzlich ist der Rettungsdienst (Rettungsdienst/Notarzt) für die Patientenversorgung beim Verkehrsunfall zuständig.
    Auf dem Land oder besser in Bereichen in denen freiwillige Feuerwehren tätig sind ist der Rettungsdienst, je nach örtlicher Disposition, oft als Erster am Einsatz und hat bereits mit der Versorgung/Betreuung des Patienten begonnen.

    Dies aber leider oft nur von aussen.
    Ausserdem hört die Schutzkleidung/PSA – leider zu oft beobachtet, jedoch nicht als Verallgemeinerung zu sehen – im Rettungsdienst oft bei der Jacke auf.

    Fehlende Schutzausrüstung und fehlende Praxis in der Unfallrettung (med. Vortbildungsveranstatlungen stehen beim Hauptamt leider im Vordergrund) lassen den „Standard-Rettungsassistenten“ ohne feuerwehrtechnischen Hintergrund leider nicht als „Inneren Retter“ zu.

    Diese Aufgabe obliegt einem ausgebildeten, erfahrenen Kollegen welcher im besten Fall einerseits sprachlich die Angst des Patienten nehmen kann, die Abläufe im Rettungsdienst bis hin zur Assistenztätigkeit (Monitoring/Bodycheck/HWS-Immob.) kennt und beherscht und gleichzeitig die technische Rettung vom Inneren aus positiv beeinflussen kann.

    Eine anstrengende Tätigkeit welche Erfahrung, Fingerspitzengefühl und starke Nerven erfordert.

    Lieber einen jungen Kollegen mit einem Erfahrenen an das Schneid-/Spreizgerät, also unter fachliche Aufsicht, als allein in den Innenraum um einen polytraumatisierten Patienten zu betreuen.

    Gruß
    Florian

    Rettungsassistent / Oberbrandmeister (BF)


  6. UK-Ausbilder

    In unserer Feuerwehr legen wir in allen drei Abteilungen auf realitätsnahe Übungen auch bei der THL großen Wert. Zum einen, haben wir unsere Kontakte zu den örtlichen Bau Unternehmern und KFZ- Werkstätten ausgebaut. Die Bau Unternehmer haben schwere Baumaschinen wie Bagger…..etc. Damit läßt sich sich sehr gut die Fahrzeugkarosserie derart verziehen bzw. verformen, dass die Tür oder sonstiges nich gleich bei den ersten 10cm Spreizweg aufspringt.
    Durch die gute Verknüpfung zu den KFZ- Werkstätten haben wir jetzt immer ausreichend kostenlose Fahrzeuge zum Üben. Unsere Mannschaft in meiner Abteilung ist in zwei Züge aufgeteilt. Wir haben unseren Dienstabend jetzt so aufgeteilt das am ersten Montag Zug 1, am zweiten Montag Zug 2 übt. Somit besteht mehr Möglichkeit mit den Geräten zu arbeiten. Manchmal finden die Zugübungen mit zusätzlicher Stationsausbildung statt. Da bleibt dann niemand mehr ohne Arbeit und Interesse stehn. Auf die Zugübungen folgt dann eine Gesamtübung, die als Einsatzübung angewendet wird, um das zuvor in den Zugübungen erlernte zu vertiefen. Hier üben wir dann natürlich nicht auf dem Hof des Feuerwehrhauses, sondern auf Land- und Kraftfahrstraßen oder im unwegsamen Gelände sowie mit Statisten und vorbereitetetn Verletzten. Auch werden realitätsnah auslaufende Flüssigkeiten am PKW mit einem Kanister Wasser ggf. mit Lebensmittelfarbe eingefärbt, im Motorraum der ein Auslaufloch besitzt dargestellt. Zusätlich führen wir 1-2 mal Pro Jahr eine Knobelaufgabe THL mit der Gesamten Mannschaft durch. Dies ist zum Beispiel, PKW auf die Heckklappe stellen und gegen wegkippen sichern, 360° Überschlag eines PKW mit reiner Muskelkraft und dem Mehrzweckzug Z16.



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