Grundlagen

11. März 2011

Neues Sicherheitsfeature für Fahrzeuge – Der Gurtairbag

Um die Sicherheit der Insassen in den Fahrzeugen bei einem Unfall weiter zu erhöhen, gehen die Automobilhersteller immer neue Wege. Ein neues solches Feature haben nun die Unternehmen Ford und Lexus mit dem Gurtairbag zur Serienreife gebracht. Diese Systeme schützen zwar die Insassen immer besser, stellen aber auch ein Gefahrenpotential und eine weitere Herausforderung für die Rettungskräfte dar, wenn diese nicht damit vertraut sind und die Einbauorte, sowie die Funktionsweise nicht kennen.

Ford Explorer – Gurtairbag in der zweiten Sitzreihe

Im Explorer verbaut Ford zum ersten Mal einen im Sicherheitsgurt der zweiten Sitzreihe integrierten Airbag, der wie die normalen Airbags auch, direkt mit der Unfallerkennung des Fahrzeuges verbunden ist. Ausgelöst wird der schlauchförmige Airbag, durch einen eigenen Gasgenerator, der kurz vor den übrigen Airbags auslöst und den Gurtairbag quer über den Oberkörper des Insassen aufbläst. Hierdurch wird die Energie bei einem Frontalaufprall auf die fünffache Fläche des normalen Sicherheitsgurtes verteilt, wodurch das Verletzungsrisiko deutlich reduziert wird.

Lexus LF-A

Lexus verbaut den Gurtairbag (unter dem Namen „Airbelt“) zur Zeit nur im LF-A, bei dem dieser vor Verletzungen im Schulter- und Kopfbereich schützen soll und gleichzeitig die Fläche des Sicherheitsgurtes vergrößert. Der Lexus LF-A verfügt über keine Seiten- und Kopfairbags, da der Gurtairbag im Gegensatz zum Ford Explorer auch bei Seitenunfällen gezündet wird und selbstständig die Querbeschleunigungen des Kopfes absorbiert.

Ausgelöster Gurtairbag im Ford Explorer

Quelle: Ford Media

Funktionsweise des Gurtairbags

Beide Systeme (Ford und Lexus) werden wie auch die „normalen“ Airbags durch einen mit komprimierten Gas gefüllten Gasgenerator betrieben. Diese sitzen im Bereich der Gurtschlösser beim LF-A bzw. unter der Rücksitzbank beim Ford Explorer. Das Gas wird bei einem registrierten Unfall durch das Gurtschloss und die speziell geformte Gurtzunge in den Schultergurt geleitet. Der dort integrierte schlauchförmige Airbag wird dadurch innerhalb von wenigen Millisekunden befüllt und spannt sich quer über den Oberkörper. Der Beckengurt verhällt sich dabei wie ein normaler Sicherheitsgurt und wird nicht entfaltet. Er besitzt allerdings einen eigenen Gurtaufroller (beim Lexus ist darin auch noch ein Gurtstraffer integriert).

Bedeutung für die Unfallrettung

Für die Rettungskräfte gibt es beim Gurtairbag zwar einige Kleinigkeiten zu beachten, im Gegensatz zu den anderen Airbags im Fahrzeug, geht aber von ihnen kaum eine Gefahr aus.

CRS Rettungskarte des Lexus LF-A mit Gurtairbag

Lexus LF-A; Quelle: Moditech

Der Unfallexperte des CRS-Herstellers Moditech Jörg Heck beschreibt dies wie folgt: „Das Volumen des Gurtairbag ist verhältnismäßig klein und er wurde dafür entwickelt, sich direkt am Körper zu entfalten. Er ist deshalb nicht mit anderen Airbags vergleichbar, die beim direkten Aufenthalt im Entfaltungsbereich durchaus gefährlich sein können.“

Ein Sicherheitsgurt der mit dem Guretairbag ausgestattet ist, kann wie gewohnt ohne Probleme und jeder Zeit durchtrennt werden, sollte dies nötig werden. Dabei ist aber darauf zu achten, dass der Gurt nicht wie gewohnt durch die Gurtzunge gleitet. Daher muss der Beckengurt separat durchtrennt werden.

CRS Rettungskarte des Ford Explorers mit Gurtairbag

Ford Explorer; Quelle: Moditech

Für die Rettungsarbeiten bei Fahrzeugen mit Gurtairbag gelten die selben AIRBAG-Regeln wie bei den übrigen Airbags. Es muss also im Bereich der Sicherheitskomponenten vorsichtig gearbeitet werden, um diese nicht zu beschädigen. Bei nicht ausgelösten Gurtairbags sollte daher der Bereich der Gurtschlösser bei den Rettungsarbeiten im Innenraum gemieden und auch ein Abtrennen der Sitzlehne unterlassen werden.

Aus diesen Gründen wird das neue Airbag-System auch in den Rettungskarten und im Crash Recovery System von Moditech dargestellt (siehe Bilder).

Quelle Artikelbild: Ford Media



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.





  1. Christian Keller

    Hallo Patrick,
    Super Artikel über den Gurt-Airbag. Die Ausbildung im Bereich der Technischen Hilfe wird nie an Interesse verlieren.
    Ich suche für meine Ausbildungsunterlagen noch ein paar Infos über den Knie-Airbag, da ich der Meinung bin das durch den Airbag eine enorme Gefahr für die Rettungskräfte ausgehen kann. Ein Link oder so wäre super.
    Vielen Dank .

    Christian Keller
    F.F. Freisen



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