Allgemeines

2. Januar 2011

Plastik raus! – Die Innenraumausstattung entfernen

Den Spruch: „Gary Klaus sagt Plastik raus!“ kennen bestimmt einige hier. Gary ist Ausbilder aus den USA und schult bei den Weber-Hydraulik rescueDAYS jedes Jahr die Teilnehmer in den amerikanischen Vorgehensweisen. Dabei spricht er immer wieder an, dass möglichst alle Plastikteile aus dem Fahrzeug entfernt werden sollen, um möglichst viel Platz zu bekommen. Doch hinter dieser Aussage steckt noch viel mehr, was auch direkt auf unsere Arbeitsweisen übertragen werden kann und muss.

Die Innenraumausstattung entfernen

Gary versteht unter „Plastik“ vor allem die Innenraumverkleidung der Fahrzeuge, aber auch alle störenden Elemente wie Sitze, Hutablage und herumliegende Ladung. Eben alles, was bei der Rettung im Weg ist und nur stört. Durch diese Maßnahme werden gleich fünf Punkte erreicht, auf die ich nun näher eingehen möchte. Für alle, die Gary Klaus noch nicht kennen, gibt es hier ein schönes Video von den rescueDAYS 2007 in Ludwigshafen.

1. Freie Sicht auf alle versteckten Komponenten und Strukturen

Hinter dem ganzen Plastik der Innenraumverkleidung verstecken sich jede Menge Komponenten, von denen wir uns fernhalten sollten. So sind dort zum Beispiel die Kaltgasgeneratoren für die Airbags versteckt verbaut, in die auf keinen Fall geschnitten werden darf. Aber auch stromführende Kabel können dort untergebracht sein und den arbeitenden Rettungskräften gefährlich werden. Um diese direkt zu finden, bietet es sich an, die Verkleidungen beim Innenraum-Scanning nicht nur anzuheben, sondern gleich komplett zu entfernen.
Außerdem können so auch die Strukturen des Fahrzeuges eingesehen werden, um beispielsweise eine möglichst dünne Stelle zum Schneiden oder einen geeigneten Ansatzpunkt für die Spreizerspitzen zu finden. Gleichzeitig werden die gehärteten Verstärkungen sichtbar und können umgangen oder direkt (einzeln) bearbeitet werden.

2. Mehr Platz im Innenraum

Eigentlich ganz logisch: Je mehr Teile ich aus dem Innenraum des Fahrzeuges entnehme, desto mehr Platz schaffe ich mir für den inneren Retter und die spätere Rettung. Sobald der Kofferraum einmal leer ist und die Hutablage sowie die Rückbank umgelegt oder entnommen wurden, hat man auf einmal ziemlich viel Platz für die weiteren Arbeiten. Auf diese Art wird es dann vielleicht auch möglich, den Patienten achsengerecht über das Heck zu retten, ohne das komplette Dach abnehmen zu müssen oder mühsam alle Türen zu entfernen.

3. Weniger Schneidgut

Das Ganze habe ich schon einmal im Artikel über die 5 Tipps zum leichteren Schneiden von verstärkten Fahrzeugsäulen geschrieben: Je mehr Plastikteile, Gummidichtungen und Schaumstoffteile ich entferne, desto näher komme ich mit dem Drehpunkt meines Schneidgerätes an den eigentlichen verstärkten Kern der Säulen und kann somit die Kraft der Schere besser ausnutzen. Denn am Drehpunkt schneidet es sich nach dem Hebelgesetz einfach deutlich leichter, das könnt ihr gerne mit einer handelsüblichen Schere und einem Stück Karton selber ausprobieren. Außerdem ist auch wesentlich weniger Schneidgut vorhanden, das sich zu einer komprimierten Struktur zusammendrücken kann.

4. Kein Verletzungsrisiko durch herumliegende Teile

Wenn alle Gegenstände, die sich im und am Fahrzeug befinden, komplett entfernt werden (Schrottablageplatz) besteht schon einmal keine Gefahr, sich an diesen Teilen verletzen zu können. Man kann ja nie genau wissen, was da gerade alles im Fahrzeug transportiert wurde. Das Gleiche gilt dann auch für Glasscherben und spitze Plastikbruchstücke, an denen man sich leicht schneiden kann. Wie Gary so schön sagt: „Das machen wir alles raus und schon haben wir einen sauberen und schönen Arbeitsplatz!“.

5. Keine doppelten Arbeitsschritte

Wenn die ganzen Plastik-, Gummi- und Schaumstoffteile gleich komplett entfernt werden, müssen sie später nicht noch einmal angefasst werden. Beim Innenraum-Scanning klappe ich die Verkleidung sowieso schon ab, warum also nicht gleich komplett abziehen, wenn ich schon einen Ansatzpunkt gefunden habe?

Es hat also entscheidende Vorteile, die Innenraumverkleidung zu entfernen und sich an Gary’s Spruch zu halten. Natürlich nur, wenn dafür auch die Zeit bleibt!

„Gary Klaus sagt Plastik raus!“ Aufkleber zu gewinnen!

Aufkleber "Gary Klaus sagt Plastik raus"Ich habe noch 2 der letzten verbliebenen Aufkleber gefunden, die Gary Klaus auf den rescueDAYS 2007 verteilt und vor allem verklebt hat ( man beachte das weiter oben verlinkte Video 😉 ). Wer einen davon gewinnen möchte, muss nur hier einen sinnvollen Kommentar schreiben, wie in eurer Wehr mit dem Thema „Innenraumverkleidung und Innenraumscanning“ umgegangen wird. Am 09.01.2011 um 20:00 Uhr lose ich dann die beiden glücklichen Gewinner aus, die einen dieser exklusiven Aufkleber zugeschickt bekommen!



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.





  1. Moin
    Ich schreibe hier vor allem, weil ich unbedingt einen von den Aufklebern haben möchte. Ich persönlich sehe das Thema Plastik aus zwei verschiedenen Winkeln. Natürlich muss der Arbeitsplatz aufgeräumt sein, also Ladung und umherliegende Teile raus aus dem KFZ. Aber wenn die Verkleidung sich nicht sofort lösen lässt, reicht meiner Meinung nach ein Anheben ebendieser um Gefahrenquellen zu erkennen und nicht zu viel Zeit zu vergeuden. Die Punkte die im Artikel aufgeführt werden, machen Sinn. Wenn ich aber an den Ungeübten denke, kann man schon froh sein, wenn er überhaupt ans Plastik und Entfernen denkt.
    Grüße aus Hamburg.


  2. Ulli

    Ich habe zum „Einstand“ bei meiner A-Platzwehr statt einem Kasten Bier einen Stripper : http://www.fwnetz.de/products-page/thl-shop/thl02-innenverkleidungs-werkzeug-the-stripper/ mitgebracht. Die meisten haben den Sinn dieses Werkzeuges sofort erkannt. Bisher hatte man sich über versteckte, gefährliche Teile hinter der Innenverkleidung so richtig keine Gedanken gemacht, bzw. wusste gar nicht so recht, wie man da ran kommen sollte. Das Werkzeug ist jetzt fester Bestandteil der TH Ausrüstung, musste aber glücklicherweise noch nicht im Ernstfall benutzt werden..


  3. Gary Klaus

    Kann Ich auch ein glaber gewinnen? Haha

    Bis wir uns wieder sehen
    Gary


    • Bei dir muss ich es mir schwer überlegen, Gary! 😉
      Ich glaube es gibt hier ein paar andere, die ihn besser verwenden können. Du hast ja das Orginal!


  4. Hallo!

    Bin gespannt ob Gary und Terry 2011 den neuen Helm aufsetzen!!? 🙂

    Lg aus Deggendorf


  5. Ein grosser Schraubenzieher(dreher) tut´s! Unter die Plastikabdeckungen gefahren und raus damit, das gleiche mit den Türdichtungen usw. !


  6. Tobias

    Sehe ich ähnlich, beim schauen nach Zylindern für die Airbags werden sowieso schon Teile entfernt. Warum sollte man dann nicht gleich ein bisschen fester dran „ruppen“, damit der Rest auch abkommt. Vielleicht kommt man so noch an eine weitere wichtige Information, die einem sonst verborgen geblieben wäre.

    Unter Umständen hat man sogar Glück und findet eine Rettungskarte 😉


  7. Pascal S.

    Das Innenraumscanning ist natürlich sehr wichtig. Wir handhaben es derzeit so, das ein Check durchgeführt wird, aber bei weitem noch nicht so intensiv wie oben beschrieben. Da wird aber weiter ausgebildet. Step by Step wird es derzeit eingeführt, jedoch sollte man am Anfang die grundsätzlichen Dinge abchecken. Persönlich halte ich einen Klemmenheber als einen sehr sinnvollen Zusatzausrüstunggegenstand. Ebenfalls möchte ich anmerken, das ich persönlich es für extrem wichtig halte, beim Scanning und Entfernen etc… dem Unfallopfer dieses zu erklären.
    Des Weiteren möchte ich gerne den Aufkleber 🙂
    Gruß Pascal


  8. Theo

    Sevus,
    na da bin ich wohl zu spät, um noch an der Auslosung mitzumachen 🙁 Schade! Dises Jahr gabs ja, dank WEBER, leider keine Auskleber auf den Rescue Days…
    Naja egal!
    Auf jedenfall hab ich ein sehr nützliches Werkzeug am Karabiener meiner Jacke hängen. Das Teil gabs als Present auf den Rescue Days und ich habs auch schon wenige Tage später beim ersten VU gebraucht.
    Ich will jetzt keine Werbung für das Teil machen, man kann sich ja auch z.B. eine Schraubendrehe modifizieren oder so, aber hier ist mal der Link:
    http://www.weber.de/wr/de/rettungsgeraete/shop_detail.php?prod=15&PHPSESSID=1625920404ba249f8556b868c94f6fb2

    gruß Theo


    • Die Gewinner der beiden Aufkleber von Gary Klaus stehen fest.
      Gewonnen haben:
      P_Unfallrettung und Tobias

      Herzlichen Glückwunsch! Ich schick euch später eine Email!

      @Theo: Was kann denn da Weber dafür?


  9. Theo

    Ich habe Gary Klaus bei den Rescue Days nach einem Aufkleber gefragt. Darauf hin hat er mir gesagt das WEBER das nicht mehr wollte, dass er Aufkleber verteilt, denn in der Vergangenheit haben überall „Gary Klaus – Plastik muss raus“-Aufkleber gebappt und da auf diesen kein WEBER-Schriftzug war, darf er leider keine mehr verteilen – oder so ähnlich…
    Schade!



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