Ausbildung

19. Dezember 2010

Der Unterschied zwischen „Sichern“ und „Stabilisieren“

Für viele Einsatzkräfte sind die beiden Begriffe wahrscheinlich von der selben Bedeutung und beschreiben das Abstützen und Unterbauen des verunglückten Fahrzeuges. Ganz so einfach ist es aber nicht! Es gibt eine klar zu definierende Abtrennung zwischen „Sichern“ und „Stabilisieren“, die beachtet werden sollte. Aus einsatztaktischen Gründen muss genau unterschieden werden, damit zu Beginn der Rettungsarbeiten nicht zu viel Zeit verloren geht und auch jeder von denselben Handlungen und Maßnahmen spricht.

Der Unterschied zwischen „Sichern“ und „Stabilisieren“

Im Prinzip ist der Unterschied eigentlich recht einleuchtend und daher auch schnell erklärt:

Sichern des Fahrzeuges

Das Sichern ist der erste und einer der wichtigsten Schritte in der Kette der Rettungsmaßnahmen. Dabei wird das Unfallfahrzeug gegen Bewegungen in alle Richtungen gesichert. Also vereinfacht gegen:

  • Kippen
  • Wegrollen
  • Abrutschen
  • Abstürzen

Dies kann zum Beispiel durch das Unterbauen der Räder mit Keilen, dem Abstützen mit einem Dreiecksstabilisierungssystem oder durch Fixieren mit Drahtseilen oder Spanngurten erfolgen. Dadurch werden große Bewegungen des Fahrzeuges ausgeschlossen, die den Gesundheitszustand des Patienten und die ganze Lage stark verschlechtern können.

Stabilisieren des Fahrzeuges

Beim Stabilisieren dagegen geht es darum, unkontrollierte Erschütterungen am Fahrzeug zu verhindern und Ansatzpunkte für die Rettungsgeräte zu schaffen. Diese Schritte erfolgen erst nach der Sicherung des Fahrzeuges. Stabilisiert wird z.B. durch:

  • Unterbauen
  • Abstützen
  • Fixieren

Dazu kann dann bespielsweise das verschiedenste Rüstholz unter dem Fahrzeugrahmen eingebracht oder der Federweg durch Spanngurte fixiert werden. Verhindert wird durch diese Maßnahmen, dass beim Einsatz von Rettungsgeräten und bei anderer Kraftaufbringung auf das Fahrzeug Erschütterungen entstehen.

Warum aber diese Unterscheidung?

Hauptsächlich geht es dabei darum, dass die wichtigen Schritte zuerst gemacht werden, bevor man sich um zunächst unwichtige Stabilisierungsmaßnahmen kümmert, die zur Zeit gar nicht benötigt werden. Außerdem sollten dadurch die Anweisungen klarer verständlich werden, so dass auch wirklich die richtigen und vom Einsatzleiter gewünschten Maßnahmen ergriffen werden.

Das Fahrzeug muss zunächst gegen Wegrollen/Abrutschen (z.B. steile Straße), gegen Umkippen (z.B. Seitenlage) und gegen Abstürzen (z.B. Abhang) gesichert werden, bevor auch nur in der geringsten Art und Weise am Fahrzeug hantiert wird. Erst danach kann beispielsweise versucht werden, ob sich eine Türe von Hand öffnen lässt oder ein innerer Retter kann zu den Patienten ins Fahrzeug steigen.
Das Stabilisieren muss dagegen erst erfolgen bevor wirklich mit Kraft am Fahrzeug gearbeitet wird, damit sich z.B. beim Aufspreizen von Türen keine Erschütterungen ergeben, oder der Rettungszzylinder sich nicht durch den Schweller drückt, weil er kein Gegenlager hat.

Außerdem kann durch die Trennung zwischen „Sichern“ und „Stabilisieren“ besser unterschieden werden, was wirklich notwendig ist. Liegt ein VW-T5-Bus auf einer flachen, asphaltierten Straße auf der Seite, kann man sich das Sichern sparen, es muss höchstens noch leicht stabilisiert werden, um Erschütterungen bei den Arbeiten zu vermeiden. Handelt es sich bei dem Fahrzeug dagegen um einen schmaleren VW-Golf, der in einem weichen, feuchten Acker auf der Seite liegt, wird man sich das Stabilisieren fast ersparen können. Hier muss lediglich gegen Umkippen gesichert werden.

Fazit

2 Jahre THL.infoEs ist nur eine kleine Unterscheidung im Sprachgebrauch, die im Einsatzfall für klarere Verhältnisse sorgen kann und die richtige Reihenfolge der Maßnahmen vorgibt. Dadurch kann gerade in der so wichtigen Anfangszeit viel Zeit eingespart werden, um den inneren Retter möglichst schnell zu den Patienten zu bekommen. Dieser muss nicht erst warten, bis das Fahrzeug sicher unterbaut und damit stabilisiert ist, sondern kann schon (vorsichtig) einsteigen, wenn die Sicherung gegen starke Bewegungen gegeben ist.



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.




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