Ausbildung

15. Dezember 2010

Freihalten des Rettungsweges „Türe“ am Unfallfahrzeug

Mit hydraulischen Rettungszylindern lässt sich der Vorderbau des Unfallfahrzeuges recht einfach nach vorne drücken, um Einklemmungen der Verletzten im Bein- und Beckenbereich zu beseitigen. Allerdings kann dann der Rettungszylinder nicht mehr entfernt werden, ohne dass sich der Vorderbau wieder fast in die Ausgangsstellung zurückbewegt. Damit ist je nach Ansatzpunkt des Zylinders der Rettungsweg über die Fahrzeugtür verbaut. Wird dieser Weg aber benötigt, kann der Rettungszylinder mit einem kleinen Umweg doch entnommen werden.

Rettungsweg nicht blockieren

Vorausgesetzt die Fahrzeugtür kann als Rettungsweg für den Patienten genutzt werden und es wird daher keine Dachentfernung oder große Seitenöffnung benötigt, ist ein entsprechend eingesetzter hydraulischer Rettungszylinder für die Befreiung im Weg. Da er diagonal eingesetzt wird, macht er je nach Ansatzpunkt an der A-Säule über die Hälfte der Türöffnung dicht und somit eine Befreiung ohne große Bewegung des Patienten unmöglich. Es muss also entweder weiterer Platz im Dachbereich oder an der hinteren Tür geschaffen (große Seitenöffnung) oder aber der Zylinder herausgenommen werden. Damit dadurch aber der extra nach vorne gedrückte Motorblock nicht wieder zurück auf die Beine des Verletzten wandert, muss man sich mit dem Spreizer behelfen.

Rettungszylinder durch Spreizer ersetzen

Rettungsweg durch den Einsatz eines Spreizers freihaltenDie wohl schnellste und einfachste Lösung für dieses Problem: Aus dem Entlastungsschnitt, der sich normalerweise schon am unteren Ende der A-Säule befindet, wird durch einen zweiten Schnitt ein Fussraumfenster gemacht. Dazu kann das Stück Metall zwischen den beiden Schnitten am einfachsten mit dem Spreizer gegriffen und zur Seite gebogen werden. Wenn natürlich schon ein Fussraumfenster vorhanden ist, um besser in den Pedalbereich einsehen zu können, kann dieser Schritt eingespart werden. Anschließend wird der Spreizer mit den Spitzen in das entstandene „Fenster“ gesetzt und soweit auseinander- gefahren, bis das Aggregat genug Druck aufgebaut hat, um den Vorderbau an der momentanen Position zu halten. Dabei muss der noch eingesetzte Rettungszylinder aber festgehalten werden, damit er nicht (bei einer möglichen Entlastung durch den Druck des Spreizers) unkontrolliert aus seiner Position fällt (Armaturträger beachten!).

Dank Spreizer ist genug Platz für die Rettunh vorhandenIn einem weiteren Schritt kann nun der Rettungszylinder langsam entnommen werden, dabei muss aber genau beobachtet werden, wie sich der weggedrückte Vorderbau verhält. Bewegt er sich zusammen mit der Kolbenstange zurück, kann versucht werden, durch ein weiteres Auseinanderfahren des Spreizers entgegenzuwirken. Gelingt dies nicht, muss der Vorgang abgebrochen werden, bevor es zu einer erneuten Einklemmung des Patienten kommt. Dann bleibt leider nur noch der herkömmliche Weg über mehr Platz im Seiten- und Dachbereich oder die Befreiung durch das Heck. Dazu kann es in folgendem Fall kommen:

Schwierigkeiten durch den Armaturbrettträger

Das Armaturbrett wird bei neueren Fahrzeugen nur noch über einen Armaturbrettträger, der zwischen den beiden A-Säulen verläuft, aber oft nicht mit dieser verbunden ist, gehalten. Hat sich dieser Träger durch das Wegdrücken mit dem Rettungszylinder von der A-Säule gelöst oder war nie fixiert, kann das Armaturbrett nicht durch den eingesetzten Spreizer gehalten werden und bewegt sich zurück. Im Normalfall gestaltet sich dann aber schon das Drücken mit dem Zylinder sehr schwierig, da hierzu direkt am Träger angesetzt werden muss, damit sich nicht nur die A-Säule bewegt. Näheres zum Armaturbrettträger gibt es bald in einem eigenen Artikel!



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.




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