Allgemeines

25. November 2010

Keine Handfunkgeräte bei der Unfallrettung

Der Einsatz von Handfunkgeräten macht in vielen Einsatzsituationen Sinn und erleichtert die Kommunikation an der Einsatzstelle. Bei der Unfallrettung jedoch sollte das Funkgerät ausgeschaltet bleiben. Hier ist es auf Grund der geringen Entfernung und den fehlenden sichtnehmenden Elementen nicht nötig. Dadurch kann die Kommunikation auch direkt oder zur Not durch eindeutige Handzeichen erfolgen.

Warum kein Funkgerät?

Das hat neben dem Umstand, dass die Informationsübermittlung über ein Funkgerät in der Regel länger dauert und fehleranfälliger ist, hauptsächlich einen Grund, der vor allem für die Einsatzkräfte in und direkt am Unfallfahrzeug zutrifft.

Während den Rettungsarbeiten wird vom inneren Retter ständig versucht, den Patienten zu beruhigen und ein Vertrauen zu ihm aufzubauen. Dabei sollte dieser zwar die Maßnahmen, die gerade am Fahrzeug laufen, erklären, dabei reicht aber ein „Die Kollegen arbeiten jetzt an der Tür, das kann kurz etwas laut werden und vielleicht auch wackeln, ich bin aber bei Ihnen!“ Es sollte nicht darauf eingegangen werden, dass man jetzt z.B. die komplette Seite des neuen Luxusautos entfernt. Das beunruhigt den Verletzten nur zusätzlich und bringt ihn keinesfalls zur Ruhe.

Die Informationen die zum Patienten gelangen werden also sehr gefiltert. Ist nun aber in direkter Nähe ein Funkgerät eingeschaltet, hat man auf die dort durchgegebenen Informationen keine Einflussmöglichkeit. Wird dort dann beispielsweise gefunkt, dass die aus dem Fahrzeug geschleuderte Frau des Patienten „ex“ ist, versteht das der Verletzte mit Sicherheit auch und wird darauf entweder absolut hysterisch reagieren und sofort aussteigen wollen, oder in einen noch tieferen Schockzustand fallen. Beide möglichen Folgen sind keinesfalls gut für den Patientenzustand und die Rettungsarbeiten.

Ganz nebenbei sind das ständige Rauschen und die Funksprüche sehr störend für die Kommunikation mit dem Patienten und je nach dessen Zustand auch sehr belastend für ihn.

Handfunkgerät für die Gruppenführer

Zumindest die Gruppenführer sollten aber ein Funkgerät einstecken, dieses aber ausgeschaltet lassen. Gerade bei der Beteiligung von mehreren Fahrzeugen oder auf Autobahnen und Bundesstraßen kann schnell ein zweiter, etwas entfernt liegender Einsatzort auftreten. In diesem Fall ist es dann doch ratsam, dass die Einsatzkräfte dort zumindest ein Funkgerät dabei haben. So ist gewährleistet, dass diese wenn nötig weitere Einsatzkräfte nachfordern können, oder weitere Instruktionen bei der Einsatzleitung einholen können.

Fazit

Einsatzleitung und Einheitsführer sollten ein Handfunkgerät einstecken, dieses aber in der Nähe des Unfallfahrzeuges bzw. beteiligter Personen ausgeschaltet lassen, um ungewollte Informationsweitergaben zu vermeiden und die Verletzten nicht unnötig weiter zu beunruhigen. Sollte auf Grund der Einsatzsituation und größerer räumlicher Strecken eine Kommunikation mittels Funkgeräten notwendig werden, können diese einfach eingeschaltet werden.



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.





  1. Jörg Heck

    Ein weiterer Aspekt gegen mehrere Funkgeräte auf engem Raum sind auch die zu erwartenden Rückkopplungen.

    Allerdings bin ich ein Freund davon, dass die Trupps sich wie gewohnt mit dem HFG ausrüsten, dieses aber nur im Bedarfsfall einschalten! Wenn das Unfallfahrzeug dann doch weit Weg vom Fahrzeug in der Böschung steht köntten nämlich die Vorzüge des Funkgeräteeinsatzes wieder überwiegen.

    Gruss
    Jörg


  2. Marvin R.

    Eine Möglichkeit bei Einheitsführern ist auch die Ausstattung mit Sprechgarnituren, bspw. In-Ear-Hörern. So kommen die Informationen ausschließlich beim Einheitsführer an und für die Beantwortung kann dieser ja auch einen Schritt zurück gehen, um das Mithören durch den Verunfallten zu verhindern.

    M. f. G.
    Marvin


  3. Sebastian Hodapp

    Hallo,

    ich sehe das ähnlich wie Jörg:
    Problem auf dem enen Raum sind die Rückkopplungen, die eine Kommunikation via Funk sowieso unmöglich machen.
    Bzw. kann ständiges, versehentliches Betätigen der Sendetaste durch Draufliegen etc. die Kommunikation auf dem Kanal auch im Umfeld stören.

    Daher: Standardmäßig Funk einstecken, aber als Mannschaftsfunktion ausgeschaltet lassen. So kann ein Trupp auch einmal weggeschickt werden, um z.B. mal ein Fahrzeug 100m abseits oder das Umfeld zu kontrollieren.

    Die entsprechende Führungskraft sollte den Funk m.M. immer anhanben, denn im Zeifel wird er es in der entsprechenden Situation vergessen einzuschalten (KISS..) 😉

    Grüße,
    Seb.


  4. Alexander Maier

    ich finde Funkgeräte auch bei einem VU schon sinnvoll und zweckmäßig.

    Vorallem in der Funktion als innerer Retter in der Anfangsphase macht ein Funkgerät Sinn, den wenn er sich im Inneren des Fahrzeugs befindet ist die Sichtverbindung meist extrem eingeschränkt, ergo funktionieren Handzeichen nicht und da zu Beginn meist Personalmangel herrscht, ist auch keiner da, der die Meldung übermitteln könnte. Braucht er nun weitere Ausrüstung (Gurtmesser, Patientenhelm, weiteres San-Material, Unterstützung etc.) ist er aufgeschmissen, den vom Patienten kann er nicht weg.

    Dann gibt es meines Erachtens nur zwei Möglichkeiten, entweder er ruft aus dem Fahrzeug, oder er nutzt sein Funkgerät und fordert die Ausrüstung nach. Das Funkgerät ist da in meinen Augen die bessere Option im Hinblick auf den Patienten.

    Natürlich wäre hier ein Ohrhörer die optimale Lösung, aber zumindest sollte das Funkgerät realtiv leise eingestellt sein (dann gibts auch nicht so schnell Rückkopplungen).

    Grüße
    Alex



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