Allgemeines

6. November 2010

Die Atemschutzüberwachungstafel – Ein Hilfsmittel für das richtige Zeitmanagement am Unfallort

Jetzt werden sich einige sicher fragen, was eine Atemschutzüberwachungstafel mit der technischen Hilfeleistung oder noch genauer, der Unfallrettung zu tun hat. Die Antwort darauf ist aber eigentlich ganz einfach! Sie kann dem Einsatzleiter sehr dabei helfen, die verstrichene Zeit im Auge zu behalten und somit ein geeignetes Zeitmanagement für die Rettung des Unfallopfers ermöglichen.

Warum Zeitmanagement?

Die Rettung eines Patienten ist immer ein Spiel auf Zeit. Je schneller er zur Behandlung des Schocks in ein geeignetes Klinikum kommt, desto größere Chancen auf eine vollständige Genesung hat der Verletzte. Daher muss eine patientenorientierte Rettung immer schnell verlaufen. Wie schnell hängt vom genauen Patientenzustand (3 Säulen der Rettung) und den Vorgaben des Notarztes ab. Nach der Golden Hour of Shock bleiben als Richtwert für die Maßnahmen der technischen Rettung ca. 20-30 Minuten übrig. Das klingt zunächst einmal viel, während des Einsatzes rennt die Zeit aber schneller davon als man denkt. Um nun nicht auch noch unnötige Zeit zu verschwenden, weil einem nicht bewusst ist, wie lange man schon arbeitet, muss ein zumindest einfaches Zeitmanagement durchgeführt werden.

Probleme für ein entsprechendes Zeitmanagement

Das größte Problem: Die meisten Einsatzleiter wissen überhaupt nicht, wie lange die Rettungskräfte schon an der Einsatzstelle angekommen sind. Damit lässt sich natürlich auch nicht planen, wie viel Zeit noch zur Verfügung steht, um die Richtwerte der Golden Hour of Shock einigermaßen einzuhalten. Die einfachste Lösung wäre hier sicherlich ein kurzer Blick auf die Armbanduhr beim Eintreffen an der Einsatzstelle. Dank den Handys hat aber kaum jemand mehr eine Uhr am Handgelenk und das gute, teure Handy liegt sicher im Spind. Als weiteres Problem muss man sich dann die Uhrzeit auch noch merken, was bei den vielen Informationen und Aufgaben in den ersten Minuten sehr erschwert wird. Selbst wenn man es dann doch geschafft hat, beim Eintreffen auf die Uhr zu schauen und sich die Uhrzeit auch noch gemerkt hat, vergisst man schnell die verstrichene Zeit während den Rettungsarbeiten zu kontrollieren.

Atemschutzüberwachungstafel als Hilfsmittel

Wie auch bei der Brandbekämpfung kann hier die Atemschutzüberwachungstafel eine große Hilfe sein. Bei der Ankunft kurz die Zeit gestartet und schon ist dokumentiert, wann man an der Einsatzstelle eingetroffen ist. Die meisten Modelle melden sich dann auch noch automatisch nach 20 Minuten durch ein lautes Pfeifen und machen dadurch klar, dass die Zeit langsam knapp wird. Am Besten ist die Atemschutzüberwachungstafel beim Maschinisten aufgehoben, da dieser in den meisten Fällen nach dem Aufbau der Geräteablage und der Verkehrsabsicherung Kapazitäten frei hat. Der Maschinist kann immer wieder einen Blick darauf werfen und den Einsatzleiter entsprechend auf die bereits verstrichene Zeit hinweisen, damit dieser gegebenenfalls die Rettungsmaßnahmen in Absprache mit dem Rettungsdienst anpassen kann.

Foto: FF Sachsenhausen



Artikel teilen:

Der Artikel hat dir gefallen? Dann teile ihn doch bitte mit deinen Freunden:


Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.





  1. Ulli

    Eine Alternative zur Tafel wäre einfach mit einem geeigneten Stift die Ankunftzeit auf da Unfallfahrzeug zu schreiben. Ähnlich, wie hier: http://www.fwnetz.de/2009/09/23/trauma-abdce/ wo in dem Fall Patientendaten direkt notiert sind.


  2. Ralf

    Eine gute Idee, hat du schon Praxiserfahrung mit diesem Vorgehen?


  3. @Ulli: Auch eine tolle Methode, danke für den Hinweis! Hier sollte man allerdings gut überlegen, wo man die Uhrzeit notiert, nicht das gerade dieses Teil in einem frühen Stadium der Rettung entfernt wird.

    @Ralf: Nein, habe diese Idee selber erst vor ein paar Tagen gezeigt bekommen. Bei uns haben mehrere Leute immer eine Uhr mit dabei und behalten diese auch (als Unterstützung des Einsatzleiters) im Auge. Ich mache mir aber gerade Gedanken darüber, ob man hier vielleicht zusätzlich ein Formular für die ASÜ-Tafel entwerfen könnte, auf dem die wichtigsten Zeiten eingetragen werden können.


  4. Jan

    Hi!

    Noch ne Idee, die wandert (was gut ist): Dürfte ich das erste Mal weltweit in Cardiff 2008 gemacht haben: Altes Dräger Board überklebt (Patientenstati, Tendenz). Ggf. kann man sich für sein jeweiliges Board eine eigenes Formular entwerfen, was man darunter heftet…


  5. Ralf

    Dann bin ich ja schonmal auf das Formular gespannt!


  6. Bin erst jetzt über deinen Blog gestolpert. Aus Feuerwehrsicht sind 20 bis 30 Minuten wahrscheinlich eine sehr kurze Zeit, aber sie ist für einen Traumapatient noch zuviel. Wünschenswert wären 10 Minuten, denn rechnet man die Anfahrt, das Versorgen des Patient usw. mit ein, werden wir über der Golden Hour sicherlich liegen. Natürlich kenne ich die Problematik bei gerade neueren Modellen etc., aber wenn wir etwas bewegen wollen, muss es noch schneller gehen. Die durchschnittliche Verweildauer eines Polytrauma liegt in Deutschland bei 72 Minuten +/- 30 Minuten. Das sollte uns schwer zu denken geben. Trotzdem ein guter Weg in die richtige Richtung.


  7. Lennart

    Hey Leute,

    hat jemand von euch sich in den vergangenen drei Monaten Gedanken zu einem entsprechenden Formular gemacht?
    Ich wäre gerne der Nutznießer dieser Überlegungen! Das Thema TH-Neuerungen scheint sich bei uns nämlich mehr in den Fokus der Kameraden zu bewegen.

    Lieben Gruß


  8. Rob

    Hallo,

    vllt ein Wenig spät, habe diesen Artikel aber erst jetzt gelesen. Grundsätzlich ist die Idee nett. Es stellt sich mir dabei aber eine grundsätzliche Frage nach der Notwendigkeit dieses Arbeitsaufwandes.

    Der Notarzt sichtet den / die Patient/en und gibt Vorgaben –> Crashrettung, oder patientenorientierte Rettung (Pat stabil, schonende Rettung, „Wir haben Zeit“).

    Gilt es eine Crashrettung abzuarbeiten sind alle Maßnahmen schnellstmöglich durchzuführen. Es ist also unerheblich ob der Maschinist zwischendurch einwirft „Wir sind bei 16 Minuten“. Vielmehr könnte das in meinen Augen kontraproduktiv wirken. Mehr Stress verursacht mehr Fehler. Die Rettung wird schließlich sowieso so schnell wie möglich durchgeführt.

    Bei der wirbelsäulenschonenden Rettung nach dem Motto „Wir haben Zeit“ entscheidet die Uhr nur sekundär. Durch NA / RD-Personal werden die Vitalparameter des Pat durchgehend überwacht. Eine Ansage „Jetzt aber flott“ erfolgt dann also durch den NA wenn der Pat instabil wird und nicht durch den Maschinisten der seine 16 Minuten einwirft. Grundsätzlich gilt natürlich auch hier, so schnell wie möglich, aber auch so schonend wie möglich. Ich denke aber, Ihr wisst, was ich damit sagen will.

    In meinen Augen also ein unnötiger Arbeitsaufwand, der unter Umständen mehr Stress verursacht und Fehler produziert als er hilft.

    Gruß

    PS: Tolle Seite, vielen Dank für den Aufwand, habe mich direkt festgelesen 🙂



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.