Ausrüstung

1. November 2010

5 Tipps zum richtigen Einsatz von Rettungszylindern

Die verschiedenen Rettungszylinder sind die Verlängerung des Spreizers und werden eingesetzt, wenn es darum geht größere Wegstrecken bis zur nächsten Anschlag- möglichkeit zu überwinden oder wenn einfach ein großer Spreizweg erforderlich ist. Vor allem bei aktuellen Fahrzeugen kommen Rettungszylinder immer mehr zum Einsatz, weil die Rettungsscheren mit ihrer Schneidleistung bei den neuen hochfesten Materialien an ihre Grenzen stoßen. Beim Einsatz von Rettungszylindern sind aber einige Punkte zu beachten!

1. Ansatzpunkt unterbauen

Damit der Rettungszylinder seine Kraft auch wirklich in die gewünschte Richtung entwickeln kann, muss der Ansatzpunkt gut unterbaut werden. Wird dies nicht gemacht, kann es passieren, dass sich der Zylinder entweder auf die andere Seite drückt, oder aber einfach durch das Kontermaterial hindurchbricht. Gleiches gilt aber auch für die Gegenseite! Ist hier nur ein sehr schwaches Material verbaut, muss entsprechend durch ein Rüstholz für eine Kraftverteilung gesorgt werden, damit der Zylinder nicht durchbricht. Um gleich beim Stabilisieren des Fahrzeuges die wichtigsten Punkte, die später für einen Zylindereinsatz genutzt werden, zu unterbauen, bietet es sich an, immer im Bereich der Säulen (vor allem die B-Säule) einen geeigneten Unterbau zu setzen.

2. Rettungszylinder richtigherum einsetzen

Bei der Verwendung von Rettungszylindern ist es sehr wichtig, dass diese richtigherum eingesetzt werden. Dabei muss die Kolbenstange mit dem Kopfstück immer auf die Seite zeigen, die bewegt werden soll. Das hat gleich mehrere Gründe: Zum einen wird dadurch verhindert, dass sich der Steuergriff des Zylinders mitbewegt und dadurch vielleicht nicht mehr erreichbar wird, zum Anderen werden die Schlauchleitungen nicht bewegt. Dadurch kann es nicht passieren, dass diese über scharfe Kanten gezogen und dabei beschädigt werden. (Gilt natürlich nicht für Holmatro-Doppelzylinder)

3. Zylinder im Turbomodus betreiben

Da Rettungszylinder im Vergleich zu Spreizer und Schneidgerät eine sehr große Menge an Öl benötigen (langer Kolbenraum durch den großen Hub), bietet es sich an, das Hydraulikaggregat im sogenannten Turbomodus laufen zu lassen. Es sollten also beide Hebel auf die entsprechende Schlauchleitung gelegt werden, damit die doppelte Ölmenge gefördert werden kann. Dadurch fährt sich der Zylinder wesentlich schneller aus und wieder ein. Wichtig: Dadurch wird aber keine größere Kraft erreicht, lediglich die Fahrzeiten halbieren sich.

4. Vorsicht mit dem Kopfstück der einstufigen Zylinder

Bei den einstufigen Rettungszylindern von Holmatro und Weber-Hydraulik sind die Kopfstücke wechselbar. So können andere Kopfstückformen aufgesetzt werden und der Zylinder kann daher auch zum Ziehen mit einer Kette eingesetzt werden (mit mehrstufigen Rettungszylindern kann nicht gezogen werden!). Dies birgt aber auch eine Gefahr. Wird mit diesem Zylinder beispielsweise in die Plastikarmatur gedrückt, kann sich das Kopfstück beim Herausziehen verhaken und hängen bleiben. Ob es dann wieder herausgezogen werden kann bleibt fraglich und wenn dann keine Ersatzkopfstücke zur Verfügung stehen, ist der Rettungszylinder unbrauchbar.

5. Kolbenstange schützen

Wird die Kolbenstange, zum Beispiel beim Reißen der Fahrzeugsäule, sehr nahe an Metallteilen vorbeigeführt, sollte sie entsprechend mit einem Holzkeil oder ähnlichem geschützt werden. Durch scharfe, hervorstehende Kanten kann die verchromte Kolbenstange sehr leicht verkratzt werden. Ist diese Schramme auch nur etwas tiefer, hält der Rettungszylinder am Führungsstück nicht mehr dicht. Je nach Zylinder und Alter handelt es sich dabei dann um einen wirtschaftlichen Totalschaden.



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.




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