Grundlagen

29. Oktober 2010

Die 3 Säulen der Rettung – schnell, sicher, schonend

Jeder Verkehrsunfall ist anders und jede Einsatzstelle bringt andere Gegebenheiten mit sich. Daher muss für jeden Einsatz und somit auch für jeden Patienten ein eigener, individuell angepasster Ansatz für die Rettungsmaßnahmen gefunden werden. Diese sogenannte patientenorientierte Rettung ist komplett auf den Zustand des Patienten ausgelegt, folgt aber immer dem Grundsatz der 3 Säulen der Rettung, den ich nun in diesem Artikel etwas näher vorstellen möchte.

Was sind die 3 Säulen der Rettung?

2 Jahre THL.infoBei den 3 Säulen der Rettung handelt es sich um die Faktoren schnell, sicher und schonend. Diese drei Punkte müssen immer beachtet werden, um eine wirklich patientenorientierte Rettung zu gestalten. Dabei ist eine ständige Absprache mit dem Rettungsdienst erforderlich, damit zum Einen jeder Faktor richtig ausgelegt wird und zum Anderen auf Veränderungen des Patientenzustandes reagiert werden kann. Im Einzelnen bedeuten die drei Säulen der Rettung folgendes:

  • Schnell Die Geschwindigkeit der Rettung muss dem Gesundheitszustand des Patienten und den äußeren Gegebenheiten angepasst sein. Als Richtwert gilt hier immer die „Golden Hour of Shock“.
  • Sicher Die Rettungsmaßnahmen müssen für alle Beteiligten sicher ablaufen! Dafür müssen laufend bestimmte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden und es muss die richtige Schutzkleidung getragen werden.
  • Schonend Je nach Verletzungsmuster und Zustand muss der Patient entsprechend schonend aus dem Fahrzeug befreit werden. Dies muss durch einen geeigneten Rettungsweg unterstützt werden.

Konflikt zwischen schnell und schonend

Wie sicher die Mehrheit von euch schon bemerkt hat, gibt es dabei aber einen gewaltigen Konflikt zwischen den beiden Faktoren „schnell“ und „schonend“. Denn eine schonende Rettung benötigt wegen den zusätzlichen Maßnahmen am Fahrzeug und für die Stabilisierung des Patienten entsprechend viel Zeit, während eine schnelle Rettung zwar in sehr kurzer Zeit über die Bühne gehen kann, aber alles andere als schonend für den Patienten ist.

Aus diesem Grund muss eine optimale Abwägung zwischen einer schnellen und einer schonenden Rettung gefunden werden. Hierfür ist eine ständige und eindeutige Absprache mit dem Rettungsdienst unerlässlich, um die Maßnahmen und den Aufwand an den Patientenzustand anzupassen. Wie dies in groben Zügen aussehen kann zeige ich euch jetzt:

Die 3 Säulen der Rettung

Schaubild zur Veranschaulichung der unterschiedlichen Verteilung der 3 Säulen der Rettung

Es kommt also ganz auf den Zustand der verletzten Person an, wie die Rettung gestaltet wird. Aber auch äußere Einflüsse wie die Situation des Fahrzeuges (Feuer, Absturzgefahr, …) und beispielsweise das Wetter (Temperatur, Niederschlag) müssen in die Entscheidung mit einfließen!

Ist es lebensrettend, den Patienten sofort (ohne Rücksicht auf eventuelle weitere Verletzungen) aus dem Fahrzeug zu bekommen, um ihn zum Beispiel überhaupt vernünftig reanimieren zu können, spielt der Faktor schonend keine Rolle. Hier kommt es einzig und alleine auf die Zeit an. Bestehen hingegen keine lebensbedrohlichen Verletzungen und es wird nur eine Verletzung der Wirbelsäule vermutet, kann sich entsprechend Zeit gelassen werden, um keine weiteren Folgeschäden durch die Rettung zu riskieren. Die endlos verschiedenen Abstufungen dazwischen müssen, wie bereits erwähnt, mit dem Rettungsdienst besprochen und entschieden werden. Es kann notwendig werden, das gesamte Konzept im Verlauf der Rettungsarbeiten auch noch einmal abzuändern, wenn es die gesundheitliche Situation der verletzten Person nötig macht. Hierfür muss der Einsatzleiter ständig einen möglichen Ausweichplan im Hinterkopf bereit halten.

Fazit

Auch wenn jede Einsatzsituation verschieden ist, müssen sich die Rettungsarbeiten immer an die 3 Säulen der Rettung halten. Nur so ist es möglich, die Maßnahmen an den Zustand des Verletzten anzupassen und damit patientenorientiert vorzugehen. Vor allem die Sicherheit der Einsatzkräfte aber auch die des Patienten und von möglichen Schaulustigen muss ständig gewährleistet sein und im Auge behalten werden. Darum herum lässt sich das Schema der jeweiligen Situation anpassen.



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.





  1. Jürgen

    Dachte immer das zwischen Sofort, Sicher und Schonend unterscheidet wird!

    Gruß


    • Hallo Jürgen,

      du meinst sicher die drei Rettungsmodi sofort (crash), schnell und schonend!
      Das hat zwar große Ähnlichkeit, dabei geht es aber alleine um die Geschwindigkeit in Abhängigkeit der Verletzungsmuster. Bei den 3 Säulen geht es dagegen um die elementaren Bestandteile Sicherheit, Geschwindigkeit und Patientenorientierung…

      Grüße Patrick



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