Ausrüstung

10. Oktober 2010

Der Spreizer, ein reines Ein-Mann-Gerät?

Der Spreizer ist, wie alle anderen hydraulischen Rettungsgeräte auch, von den Herstellern als Ein-Mann-Gerät konzipiert und sollte daher auch nur von einer Person bedient werden. Es gibt aber in der Praxis durchaus die ein oder andere Situation, bei der von dieser Bestimmung Abstand genommen werden sollte, um dem Geräte- führer die Arbeit mit dem schweren Gerät zu erleichtern. Das soll aber keineswegs heißen, dass mehrere Einsatzkräfte das Gerät bedienen!

Ein-Mann-Bedienung

Alle hydraulischen Rettungsgeräte sind wegen ihrer großen Leistung und der hohen Kraft, die sie aufbringen können, als Ein-Mann-Geräte konzipiert und ausgelegt. Das bedeutet, dass jedes Gerät nur von einer Person bedient werden darf, um zu gewährleisten, dass nur diese Person im unmittelbaren Gefahrenbereich des Gerätes arbeitet. Gleichzeitig ist somit sichergestellt, dass der Gerätebediener exakt weiß, wie sich das Gerät verhält und im Notfall schnell eingreifen kann. Eine weitere Person könnte durch unkontrollierte Bewegungen des Gerätes verletzt werden, oder durch fehlende Sicherheitseinrichtungen zwischen Spreizerarme und Fahrzeug eingeklemmt werden.

In den Bedienungsanleitungen der Hersteller ist dieser Punkt auch genau geregelt. Hier zum Beispiel der entsprechende Ausschnitt aus der Bedienungsanleitung für Spreizer der Firma Weber-Hydraulik:

Bestimmungsgemäße Verwendung:

Alle Spreizer sind als Ein-Mann-Geräte konzipiert und dürfen daher auch nur von einer Person bedient werden. […]
Jede über die bestimmungsgemäße Verwendung hinausgehende und/oder andersartige Benutzung der Geräte kann zu gefährlichen Situationen führen!

Hier wird aber hauptsächlich von der Bedienung der Geräte gesprochen, um gefährliche Situationen durch Unstimmigkeiten der beiden Einsatzkräfte am Gerät zu vermeiden. Eine Unterstützung durch einen zweiten Kameraden, um beispielsweise das Gewicht des Spreizers zu tragen, wird dadurch aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

Mögliche Unterstützung durch einen zweiten Mann

Möglichkeiten, wie der Geräteführer des Spreizers durch eine weitere Einsatzkraft untersützt werden kann, gibt es gleich mehrere:

Gerätegewicht aufteilen

Gewicht des Spreizers verteilenWie eigentlich alle Rettungsgeräte sind auch die Spreizer recht schwer. Sie liegen in der Regel und je nach Größe und Spreizkraft zwischen 20 und 25 Kilo und sind daher für eine Person alleine schnell zu schwer. Schon nach wenigen Minuten wird das Arbeiten mit dem Spreizer zur Qual und das Ergebnis dann wahr- scheinlich nicht optimal. Zwar sollte immer danach geschaut werden, dass möglichst viel Gewicht des Spreizers auf dem Fahrzeug lastet und nicht gehoben werden muss, das ist aber bekanntlich nicht immer möglich. Wenn dann noch in einer gewissen Höhe oder gar über Kopf gearbeitet werden soll, geht das nicht lange gut. Gewicht des Spreizers verteilenGerade in diesen Fällen ist eine zweite Person mehr als nur hilfreich, um das Gerät zu stützen, damit der Gerätebediener sich ganz auf die Bewegungen des Gerätes konzentrieren kann und nicht das volle Gewicht alleine trägt. Dazu muss die zweite Person nicht einmal direkt am Gerät anpacken. Es gibt auch die Möglichkeit, das Gewicht des Spreizer über eine Leine zu halten. Diese Methode bietet sich vor allem bei LKWs und Kleinbussen an, bei denen die Leine über das Dach auf die andere Seite geführt werden kann.

Schlauchleitung führen

Schlauchleitung des Spreizers führenEine wichtige Unterstützung des Gerätebedieners, die eigentlich immer und bei jedem hydraulischen Rettungsgerät erfolgen sollte, ist das Führen der Schlauchleitung. Das erleichtert nicht nur die Arbeit mit dem Spreizer (immer genug Schlauchleitung, kein Verhaken an Kanten), es sorgt auch dafür, dass die Schlauchleitung nicht knickt, über scharfe Kanten gezogen wird, oder in auslaufende Betriebsstoffe (vor allem Batteriesäure) gelangt. Gleichzeitig wird es durch diese Maßnahme weniger Schlauchdreher geben, die gerne zur Stolperfalle werden.

Spreizerarme führen

Spreizerarme führenBeim Führen der Spreizerarme packt die zweite Person die beiden Arme auf der Außenseite und dirigiert damit den Spreizer an die richtige Position. Für mich ist das ein sehr wichtiger Punkt, denn das Führen der Spreizerarme verbindet gleich zwei der möglichen Unterstützungen. Zum Einen wird die Arbeit wesentlich sicherer, schneller und präziser, was besonders bei Arbeiten direkt am Patienten wichtig ist, zum Anderen kann die unterstüzende Einsatzkraft dem Gerätebediener gleichzeitig einen Großteil des Spreizergewichtes abnehmen. Natürlich muss hierbei eine ständige Absprache erfolgen, damit es zu keiner Einklemmung zwischen Spreizerarm und Fahrzeug kommen kann! Dabei gibt der Geräteführer (an den Spreizerarmen) die Kommandos an den Gerätebediener, den dieser ist direkt im Gefahrenbereich und kann mögliche Komplikationen schneller erkennen.

Fazit

Beim Spreizer bietet es sich in vielen Einsatzsituationen an, dass der Gerätebediener Unterstützung durch eine weitere Person erhält. Dadurch lässt sich nicht nur ungemein Kraft sparen, das Arbeiten wird auch deutlich erleichtert und die nötige Präzision erhöht. Die ersten beiden angesprochenen Punkte gelten dabei für alle hydraulischen Rettungsgeräte, der letzte sollte allerdings nicht beim Schneidgerät erfolgen. Ein Führen der Messerblätter ist auf Grund der geringen Grifffläche und der direkten Nähe zum Arbeitsbereich des Gerätes sehr gefährlich!

Wird bei euch grundsätzlich alleine mit dem Spreizer gearbeitet, oder unterstützt ihr euch gegenseitig dabei?



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.





  1. Flo

    Bei uns wird grundsätzlich alleine an allen hydraulischen Rettungsgeräten gearbeitet. Bei Erschöpfung wird dann umgehend durch gewechselt. Bei Lagen, in denen der Spreizet über der Schulterhöhe eingesetzt wird, packt meist ein zweiter Mann mit an, um das Ganze kräftesparender zu gestalten.



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