Aktuelles

6. Oktober 2010

Die Stationen der rescueDAYS 2010 in Hermsdorf

Während den beiden Ausbildungstagen der eigentlichen rescueDAYS am Freitag und Samstag hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, an neun Praxisstationen neue Vorgehensweisen kennen zu lernen. An jeder Station wurden sie von zwei Ausbildern des Weber-Hydraulik Ausbilderteams betreut. Angeführt durch einen wechselnden Gruppenführer aus der Teilnehmergruppe konnten verschiedene Rettungswege ausprobiert werden, um die Vor- und Nachteile zu ermitteln und auch mit den unterschiedlichen Geräten zu arbeiten.

Station 1: Neue Fahrzeugtechnologie

Wohl die Station, auf die sich die meisten der Teilnehmer gefreut haben! Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, an neuen Nullserie-Fahrzeugen zu trainieren? Der erste Schnitt in einen S5, Q5, SLK oder Tuareg tut zwar jedem weh, danach haben aber alle ihren Spaß.

Wichtige Punkte an dieser Station:

  • Arbeiten mit dem Crash-Recovery-System (CRS)
  • Moderne Sicherheitskomponenten
  • Befreiungsöffnung ohne Dachabnahme (Große Seitenöffnung)
  • Reißen von Fahrzeugsäulen, um das Schneiden zu vermeiden
  • Unterschiede zwischen leistungsstarken und leistungsschwachen Rettungsgeräten

Den Teilnehmern wurde schnell bewusst, dass sie ohne leistungsstarke Rettungsgeräte und der richtigen Technik kaum eine Chance haben, den Patienten schnell und nach Möglichkeit innerhalb der Golden Hour of Shock aus dem Fahrzeug zu befreien. Die Unterschiede bei der Arbeitszeit einer Rettungsschere mit 107 Tonnen Schneidkraft und einer mit 50 Tonnen beim Durchtrennen einer einzelnen Fahrzeugsäule sind schon enorm! Während es mit der leistungsstarken Schere kaum ein Problem darstellte, die Säule zu schneiden, hatte man mit der deutlich schwächeren Schere richtig zu kämpfen. Hierbei waren die Teilnehmer fast 15 Minuten beschäftigt.

Moderne Fahrzeugtechnologie - rescueDAYS 2010Neue Fahrzeugtechnologie - rescueDAYS 2010Neue Fahrzeugtechnologie - rescueDAYS 2010Neue Fahrzeugtechnologie - rescueDAYS 2010

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Die Bilder zeigen die verschiedenen Maßnahmen, die an den Fahrzeugen durchgeführt wurden.

Links zu den Livestream-Videos dieser Station:
Moderne Fahrzeugtechnolgie 1
Moderne Fahrzeugtechnolgie 2
Moderne Fahrzeugtechnolgie 3
Moderne Fahrzeugtechnolgie 4
Moderne Fahrzeugtechnolgie 5

Station 2: PKW in Dachlage

An der Station PKW in Dachlage steht vor allem die Stabilisierung des Fahrzeugs und des Patienten im Vordergrund, um ein Hängetrauma zu vermeiden. Zusätzlich benötigte der Notarzt hier viel Platz für die Versorgung direkt im Unfallfahrzeug.

Wichtige Punkte an dieser Station:

  • Stabilisierung des Fahrzeuges
  • Stabilisierung des Patienten
  • Platz schaffen im Fahrzeug durch Rettungszylinder
  • Platz schaffen durch Drehen des Beifahrersitzes
  • Befreiung des Patienten über das Dach

Das Highlight an dieser Station war sicher für die meisten Teilnehmer das Drehen des Beifahrersitzes durch vorheriges Einschneiden des Bodenbleches, um im Innenraum Platz für die Versorgung und die spätere Befreiung des Patienten zu schaffen. Zusätzlich war diese Station mit dem neuen Kompaktaggregat und den neuen Coax-Schläuchen ausgestattet.

PKW in Dachlage - rescueDAYS 2010PKW in Dachlage - rescueDAYS 2010PKW in Dachlage - rescueDAYS 2010PKW in Dachlage - rescueDAYS 2010

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Die Bilderserie zeigt den Ablauf bei der Rettung des Patienten aus der Dachlage.

Links zu den Videos dieser Station:
PKW in Dachlage 1
PKW in Dachlage 2
Interview von feuerwehrleben.de mit Bernd Fetzer

Station 3: PKW mit Seitenanprall

An dieser Station der rescueDAYS stellte sich den Teilnehmern das Problem in den Weg, dass der PKW auf einer Seite sehr stark eingedrückt wurde und diese Fahrzeugseite durch einen Baum versperrt wurde. Außerdem steht das Unfallfahrzeug sehr instabil auf einer Mauer.

Wichtige Punkte an dieser Station:

  • Unterbauen des Fahrzeuges
  • Zurückdrücken des Innenraumes in die Ausgangslage
  • Schaffung einer Befreiungsöffnung durch das Heck

Besonders schwierig gestaltete sich die Arbeit im Innenraum des Fahrzeuges. Auf engstem Raum musste mittels verschiedener Rettungszylinder gearbeitet werden, um das Fahrzeug in seine ursprüngliche Form zurück zu bringen.

PKW mit Seitenanprall - rescueDAYS 2010PKW mit Seitenanprall - rescueDAYS 2010PKW mit Seitenanprall - rescueDAYS 2010PKW mit Seitenanprall - rescueDAYS 2010
Durch das Zurückdrücken in die Ausgangslage wird die Befreiung durch das Heck ermöglicht.

Links zu den Livestream-Videos dieser Station:
PKW mit Seitenanprall 1
PKW mit Seitenanprall 2
PKW mit Seitenanprall 3

Station 4: PKW auf Autobahnbarriere

Eine der anspruchvollsten Stationen stellt die des PKW auf der Autobahnbarriere dar. Hier wird ein PKW aus 8 Metern Höhe auf eine Betonbarriere fallen gelassen. Besonders die Stabilisierung des Fahrzeuges bereitet den Teilnehmern Schwierigkeiten.

Wichtige Punkte an dieser Station:

  • Stabilisierung und Unterbauung des PKW
  • Schaffung einer Zugangs- und Befreiungsöffnung
  • Auseinanderdrücken der Fahrgastzelle
  • Ständige Nachbesserung der Unterbauung

Vor allem durch die komplett zerquetschte Fahrgastzelle wird das Arbeiten behindert. Es ist in den meisten Fällen sehr schwierig eine Versorgungs- und Befreiungsöffnung zu schaffen und gleichzeitig Raum für den Patienten zu erlangen. Neben dem normalen Stab-Fast kommt an dieser Station auch das Stab-Fast-XL zum Einsatz, um die großen Höhenunterschiede zu überwinden.

PKW auf Autobahnbarriere - rescueDAYS 2010PKW auf Autobahnbarriere - rescueDAYS 2010PKW auf Autobahnbarriere - rescueDAYS 2010PKW auf Autobahnbarriere - rescueDAYS 2010
Bilder der Station PKW auf Autobahnbarriere, vor allem die Stabilisierung macht den Teilnehmern Probleme.

Links zu den Livestream-Videos dieser Station:
PKW auf Autobahnbarriere 1
PKW auf Autobahnbarriere 2
PKW auf Autobahnbarriere 3

Station 5: PKW in Seitenlage

In der Seitenlage stellt sich den Teilnehmern auch wieder die Problematik des Hängetraumas beim Patienten. Dieser muss also so schnell wie irgend möglich in eine flache Lagerung gebracht und gestützt werden. Durch das Aufliegen auf der Pritsche eines Transporters spielt aber auch die Stabilisierung eine große Rolle und die Nutzung einer Rettungsplattform wird nötig.

Wichtige Punkte an dieser Station:

  • Flache Lagerung des Patienten
  • Stabilisierung des Fahrzeuges
  • Schaffung einer Versorgungsöffnung auf der oberen Seite
  • Abklappen des Daches für die Befreiungsöffnung
  • Arbeiten mit einer Rettungsplattform

Das Arbeiten an dem Unfallfahrzeug wird nur durch die Benutzung einer Rettungsplattform ermöglicht. Damit der Patient entsprechend geschützt bleibt, wird als Abdeckung der geöffneten Fahrzeugtür eine Krankentrage benutzt. Durch diese sieht der Patient nicht, was gearbeitet wird und ist zeitgleich vor herabfallenden Teilen und dem Wetter geschützt. Vor dem Abklappen des Daches muss außerdem durch ein Fussraumfenster im Unterboden untersucht werden, ob der Patient im Beinbereich eingeklemmt ist und wenn nötig der Vorbau durch den Einsatz eines Zylinders entsprechend weggedrückt werden.

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Diese Bilderserie zeigt den Arbeitsablauf bei der Befreiung eines Patienten aus der Seitenlage.

Links zu den Videos dieser Station:
PKW in Seitenlage 1
PKW in Seitenlage 2
Video von feuerwehrleben.de zur Station

Station 6: Crossramming

Bei der Station „Crossramming“ geht es um den Einsatz von Rettungszylindern zur Befreiung des Patienten. So oft es geht wird der Zylinder als Ersatz für Spreizer und Schneidgerät eingesetzt, um Öffnungen zu schaffen und Säulen zu reißen. Natürlich kann aber nicht komplett auf die beiden anderen Geräte verzichtet werden. Es wird aber anschaulich gezeigt, was mit einem Rettungszylinder eigentlich alles möglich ist.

Wichtige Punkte an dieser Station:

  • Verformung des Fahrzeuges in die Ausgangssituation
  • Gezielter Einsatz von Rettungszylindern, um Säulen zu reißen
  • Einsatz von Druckplatten und Konterunterbauungen
  • Abklappen des Daches mit einem Zylinder

Besonders interessant an dieser Station ist wohl das Abklappen des Daches mittels eines Rettungszylinders. Dazu werden die Säulen auf der einen Seite des Unfallfahrzeuges geschnitten und die Frontscheibe horizontal durchtrennt. Anschließend kann das Dach durch leicht schräges Einsetzen des Zylinders vom Mitteltunnel zum Dachansatz aufgeklappt werden. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass bei hochverstärkten Säulen nur noch eine Seite geschnitten werden muss, um das Dach zu entfernen.

Crossramming - rescueDAYS 2010Crossramming - rescueDAYS 2010Crossramming - rescueDAYS 2010Crossramming - rescueDAYS 2010

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Rettungszylindereinsatz in allen Variationen: Fast alles ist möglich!

Link zum Livestream-Video dieser Station:
Crossramming

Station 7: PKW unter Trailer

Neben der neuen Fahrzeugtechnologie eindeutig die Station, die den Teilnehmern am meisten Spaß bereitet und stets für eine lustige Atmosphäre sorgt. Schuld daran sind die beiden amerikanischen Ausbilder, die an dieser Station die amerikanische Crash-Rettung zeigen und dieses Wissen mit viel Humor vermitteln.

Wichtige Punkte an dieser Station:

  • Schnelles und gezieltes Arbeiten im Team
  • Unterschiede in der europäischen und amerikanischen Rettung
  • Unterbauung eines LKW-Trailers
  • Arbeiten mit Säbelsäge und Airhammer

Vor allem der Einsatz von extrem lauten, aber dafür schnellen Arbeitsmitteln steht hier im Vordergrund. Das Tragen eines Gehörschutzes wird wärmstens empfohlen, wenn Gary Klaus den Airhammer ansetzt, um seine „Mutter“ aus dem Fahrzeug zu befreien. Frei nach dem Motto: „Alles Plastik muss raus“ wird alles entfernt, was der Rettung durch das Heck im Wege steht.

PKW unter Trailer - rescueDAYS 2010PKW unter Trailer - rescueDAYS 2010PKW unter Trailer - rescueDAYS 2010PKW unter Trailer - rescueDAYS 2010

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Ablauf der amerikanischen Crash-Rettung an der Station PKW unter Trailer.

Links zu den Videos dieser Station:
PKW unter Trailer 1
PKW unter Trailer 2
Interview von feuerwehrleben.de mit Gary Klaus

Station 8: PKW unter LKW

Diese Station behandelt vor allem den Unterbau und das Anheben von schweren Lasten mittels Rettungszylindern. Die Rettung der eingeklemmten Person im PKW ist eher nebensächlich und wird je nach verbleibender Zeit durchgeführt.

Wichtige Punkte an dieser Station:

  • Unterbauung mit schwerem Rüstholz
  • Anheben mit Rettungszylindern
  • Gleichmäßige Stabilisierung während des Anhebens
  • Abspannen des Federweges mit Spanngurten

Die Teilnehmer haben hier die Aufgabe, den LKW mit dem Stab-Lock-System zu unterbauen und im weiteren Verlauf entsprechend mit zwei Rettungszylindern anzuheben. Dabei ist extrem wichtig, dass beide Zylinder gerade angesetzt werden und eine Absprache zwischen den beiden Gerätebedienern erfolgt, um ein Kippen zu vermeiden. Damit sich die LKW-Achse aber überhaupt vom Fahrzeug wegbewegt, muss sowohl der Federweg des PKW als auch der des LKW mit Spanngurten fixiert werden.

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Die Bilder zeigen das Unterbauen des LKWs mit schwerem Rüstholz, sowie das darauf folgende Anheben.

Links zu den Livestream-Videos dieser Station:
PKW unter LKW 1
PKW unter LKW 2

Station 9: LKW-Rettung

An der letzten Station geht es um die LKW-Rettung. Zunächst werden den Teilnehmern die theoretischen Grundlagen noch einmal an neuen LKW gezeigt und erklärt, bevor sie praktisch tätig werden können. Dazu stehen mehrere zerdrückte LKW-Kabinen bereit, bei denen es gilt, den Fahrer zu befreien.

Wichtige Punkte an dieser Station:

  • Arbeiten in der Höhe
  • Sichern einer LKW-Kabine
  • Besonderheiten von LKW-Kabinen
  • Türöffnung mittels Spreizer
  • Wegdrücken des Vorderbaus

Nach dem Öffnen der Türe, bei der es nicht viele Unterschiede zur PKW-Tür gibt, muss der Vorderbau mit einem Rettungszylinder weggedrückt werden. Hierzu müssen zwei Schnitte in die Kabine eingebracht werden. Einer am oberen Ende der A-Säule und einer zur Entlastung in den Schweller. Danach kann der komplette Vorbau mit einem Rettungszylinder weggedrückt werden.

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Bilderserie zum Befreien eines Fahrers aus einer LKW-Kabine.

Links zu den Livestream-Videos dieser Station:
LKW-Rettung 1
LKW-Rettung 2

Fortsetzung folgt…

Damit dieser Artikel nicht noch länger wird, habe ich einen eigenen Artikel für den Besuchertag und die Sonderseminare erstellt. Darin geht es um das Busseminar, alternative Rettungsmethoden und eine MANV-Übung. Außerdem gibt es noch zahlreiche Bilder und Infos zur Ausstellung und dem gemeinsamen Abschluss mit den Teilnehmern. Den Artikel findet ihr hier: rescueDAYS – Besuchertag, Sonderseminare und Blick hinter die Kulissen



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.




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