Allgemeines

25. September 2010

Nicht mit den Händen ausglasen!

Ein Fehler, der sehr oft gemacht wird (auch ich ertappe mich hin und wieder dabei), aber recht schnell ein böses Ende nehmen kann, ist das Entfernen der Reste einer gekörnten Scheibe mit den Händen. Zwar tragen wir im Normalfall alle Schutzhandschuhe oder gar extra für die technische Hilfeleistung ausgelegte Arbeitshandschuhe, die uns auch vor den direkten Gefahren dieser Tätigkeit durch ihren Schnittschutz schützen. Allerdings ist das nicht die einzige Gefahr. Im weiteren Einsatzverlauf können durch diese unachtsame Handlung Situationen entstehen, vor denen uns auch der beste Handschuh nicht schützen kann.

Entfernen der Reste einer gekörnten Scheibe

Damit sich beim Einsteigen durch ein entferntes Fenster oder aber auch bei den weiteren Rettungsarbeiten keiner verletzen kann, sollten zusätzlich zum Kantenschutz alle übriggebliebenen Reste der gekörnten Scheibe entfernt werden. Hierbei bleiben vor allem die Ränder übrig, da diese von den Gummidichtungen und den Führungen gehalten werden. Um diese schnell und vor allem sicher zu entfernen gibt es mehrere Möglichkeiten und Hilfsmittel, die bei jeder Feuerwehr vorhanden sind. Hierfür (aber auch beim Entfernen der kompletten Scheibe) werden aber viel zu oft die Hände benutzt! Zwar geht davon dank der schnittsicheren Schutzhandschuhe keine direkte Gefahr aus, im weiteren Einsatzverlauf kann diese kurze Unachtsamkeit aber schnell zu Verletzungen führen.

Die richtige Vorgehensweise

Die Reste der Scheibe können auch ganz leicht entfernt werden, ohne dafür die Hände zu benutzen. Falls vorhanden, kann man beispielsweise die Gummidichtung herausziehen und damit alle Splitter entfernen. Eine Möglichkeit, die immer funktioniert und noch dazu schnell geht, ist das Abfahren des kompletten Fensterrahmens mit einem geeigneten Werkzeug, um die übrigen Glassplitter abzustreifen. Hierfür bieten sich unter anderem folgende Geräte und Hilfsmittel an:

  • Glassäge
  • Schraubenzieher
  • Entferner für die Innenraumverkleidung
  • Nothammer
  • Halligan-Tool
  • Besenstiel
  • Feuerwehraxt
  • Beil
  • Brechstange

Anschließend muss aber auf jeden Fall trotzdem ein geeigneter Kantenschutz verwendet werden, um die Rettungskräfte bestmöglich zu schützen.

Gefahren bei Verwendung der Hände

Diese Gefahren treten erst nach dem eigentlichen Ausglasen der Scheibenreste auf, denn dadurch setzen sich kleinere Glassplitter auf den Handschuhen fest. Diese stellen ein erhöhtes Gefahrenpotential für den Retter selber, aber auch für die Patienten und andere Kameraden dar. Denn wer kennt das nicht? An warmen Sommertagen läuft einem der Schweiß in kleinen Sturzbächen über das Gesicht und schon ist es passiert: Man wischt sich mit dem Handschuh über das Gesicht. Sollten sich jetzt Glassplitter am Handschuh festgesetzt haben, können diese schwere Schnittwunden verursachen. Gleiches gilt natürlich auch bei Kontakt mit Patienten und Kameraden. Daher sollten auch auf jeden Fall die Handschuhe bei direktem Kontakt mit dem Patienten ausgezogen werden, um keine Splitter, Öle und andere Betriebsstoffe in die Wunden zu bringen, die mit Sicherheit daran haften.

Kleine Veränderung mit großer Wirkung: Einfach daran denken!!!



Artikel teilen:

Der Artikel hat dir gefallen? Dann teile ihn doch bitte mit deinen Freunden:


Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.





  1. Der Flo

    Ich finde diesen Artikel wirklich sehr gut. Ich sehe es auch oft oder mach es gar selbst, dass ich den Rest der Scheibe mit den Händen wegmache. Die Ausführungen was dann passieren kann finde ich auch sehr plausibel. Danke für diesen eigentlich kleinen Tipp, der aber sehr nützlich ist.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.