Ausrüstung

18. August 2010

PSA-Pack – Ein Schutzset für mehr Sicherheit

Vor knapp vier Wochen habe ich bei einem Seminar zur technischen Hilfeleistung von Ausbilder Frank Bohm von der Berufs- feuerwehr Ludwigshafen erfahren, dass diese einen sogenannten PSA-Pack für alle Einsatzkräfte auf den Fahrzeugen mitführen. Dabei handelt es sich um ein in Folie eingeschweißtes Paket mit allen wichtigen zusätzlichen Schutzkomponenten für die Unfallrettung. Nun hat er mir freundlicher- weise weitere Informationen und Bilder zugeschickt, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Inhalt des PSA-Pack

Das Schutzset enthält alle wichtigen Schutzkomponenten, die bei der Unfallrettung zusätzlich zur Einsatz- kleidung getragen werden sollten, um sich vor Lärm, Splitter, Glasstaub und Krankheiten zu schützen:
PSA-Pack - zusätzliche Schutzausrüstung für die technische Hilfeleistung

  • Schutzbrille (beschlagfrei)
  • Gehörschutzstöpsel
  • Staubschutzmaske (Schutzstufe 3)
  • Einweghandschuhe (2 Paare)

Die Gehörschutzstöpsel und die Staubschutzmaske sind noch einmal separat verpackt, damit sie wieder- verwendet werden können, sollten sie beim Einsatz nicht gebraucht werden.

Aufbewahrung und Verwendung der Schutzsets

Nach Möglichkeit werden die Sets in Mannschaftsstärke auf jedem Fahrzeug mit Hilfeleistungssatz untergebracht. Es sollten aber auf jeden Fall für Angriffstrupp und Patienten PSA-Packs vorhanden sein.
Diese werden im Mannschaftsraum untergebracht, damit die Schutzausrüstung schon auf der Fahrt komplett angelegt werden kann.

Es werden immer beide Paare Infektionsschutzhandschuhe übereinander angezogen, damit sie zwischendurch schnell gewechselt werden können (bei mehreren Patienten). Die Schutzbrille sollte auch direkt aufgesetzt werden, Gehörschutzstöpsel und Staubschutzmaske können erst einmal so eingesteckt und nur bei Bedarf angelegt werden.

Austausch und Reinigung der PSA-Packs

Bei der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen übernimmt diese Aufgabe die Atemschutzwerkstatt. Bei freiwilligen Wehren muss entsprechend jemand eingeteilt werden, der dafür sorgt, dass ständig genug neue Schutzsets auf den Fahrzeugen vorhanden sind und die gebrauchten erneuert werden.

Einmal geöffnete PSA-Packs werden komplett erneuert. Hierfür wird die Schutzbrille gereinigt und die Einweghandschuhe in jedem Fall entsorgt. Nicht benutzte Gehörschutzstöpsel und Staubschutzmasken werden natürlich wiederverwendet, gebrauchte entsorgt und ersetzt. Anschließend wird das gesamte Set in einer Folie eingeschweißt, um es vor Schmutz zu schützen und alle Teile zusammen zu behalten.

Vorteile der PSA-Packs

Die Verwendung solcher Schutzsets bringt mehrere Vorteile mit sich, die nicht zu verachten sind. So haben beispielsweise immer alle Einsatzkräfte eine vollständige Schutzausrüstung am Einsatzort dabei und nichts im Gerätehaus liegen lassen. Außerdem ist gewährleistet, dass alle Gegenstände intakt, sauber und in der gewünschten Qualität vorliegen. Es ist also ständig ein optimaler Schutz aller Einsatzkräfte gegeben!

Fazit

Ich halte die PSA-Packs für eine tolle Möglichkeit, um mit geringem finanziellen Einsatz einen umfangreichen und optimalen Schutz der Mannschaft sicher zu stellen. Ein solches Set ist ab 15€ zu bekommen, was eigentlich eine Anschaffung für alle Plätze, plus Patienten und Reserve, in den Fahrzeugen mit Hilfe- leistungssatz ermöglichen sollte. Es steckt aber auch ein geringer Arbeitsaufwand dahinter, wenn es darum geht, die Sets zeitnah wieder zu erneuern. Hier bietet es sich sicherlich an, die doppelte Anzahl zu beschaffen, um eine ständige Einsatzbereitschaft zu gewährleisten.

Verwendet ihr in eurer Wehr ähnliche PSA-Packs, oder ist jeder Kamerad selbst für seine Ausrüstung zuständig?



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.





  1. Linus Drescher

    Hallo

    Zwei Dinge:
    1. Es ist nicht sinnvoll zwei Paar Handschuhe einzupacken, da diese nicht für einen Infektionsschutz des Patienten (die Handschuhe sind sowieso unsteril), sondern zum Schutz des Helfers gedacht sind. Es ist deswegen nicht angebracht, bei einem zweiten Patienten die Handschuhe zu wechseln.
    2. Es ist überhaupt nicht sinnvoll Infektionsschutzhandschuhe einzuschweißen, da diese nur begrenzt haltbar sind und daher nach einiger Zeit ausgetauscht werden müssen. Besser wären hierfür Spenderkartons im Mannschaftsraum.


    • Hallo Linus,

      vielen Dank für deinen Beitrag und deine berechtigte Kritik. Ich werde versuchen den Gedanken dahinter etwas aufzuklären:

      zu 1:
      Während der direkten Rettung des Patienten werden von allen Helfern die Arbeitshandschuhe und die eventuell vorhandenen Holster abgelegt (Verschmutzungen, spitze Teile, …), so kann es dazu kommen, dass auch die Infektionsschutzhandschuhe direkt mit Blut, Glasstaub und Betriebsstoffen in Berührung kommen. Damit beim Wiederanlegen der Arbeitshandschuhe nun nicht alles im Handschuh landet, wird der obere Infektionsschutzhandschuh ausgezogen. Gleichzeitig sollte er dann auch für die zweite direkte Rettung wieder einigermaßen sauber sein. Er mag zwar sowieso nicht steril sein, der Patient wird es dir aber trotzdem danken, wenn du ihn nicht mit beschmierten Handschuhen heraus ziehst!

      zu 2:
      Da hast du recht! Bei einer Berufsfeuerwehr, die täglich Hilfeleistungseinsätze fährt ist das zwar irrelevant, bei einer kleineren FF aber durchaus zu beachten. Hier bietet es sich eventuell an statt der Folie wiederverschließbare Tüten zu nehmen. Dann können die Infektionsschutzhandschuhe im Notfall ausgetauscht werden. Denn der Spenderkarton ist ja ebenfalls nur begrenzt haltbar, es verliert sich aber die Grundidee, dass alle wichtigen Gegenstände bei jedem direkt zusammen gehalten werden. Hier muss aber definitiv eine örtliche Abstimmung getroffen werden, wie hier vorgegangen werden soll!


  2. Christian

    Das mit zwei I-Handschuhen übereinander kommt ursprünglich aus dem Rettungsdienstbereich.
    Denn das oberste Paar wird kontaminiert. Dann muß man mal wieder was aus dem Rucksack/ Koffer vorbereiten oder aus dem Fahrzeug holen. Um dann nicht die ganze Ausrüstung zu versauen wird das oberste Paar Handschuhe ausgezogen.
    Klar würde das auch ohne Handschuhpaar darunter gehen. Aber spannend würde dann das Anziehen eines neuen Paar Handschuhe an die schweißnassen „Spülhände“. Das geht i.d.R. schlecht bis gar nicht. Hat man hingegen noch Handschuhe darunter kann man problemlos ein neues Paar „Über“Handschuhe anziehen und wieder ran an den Patienten.


  3. Lars

    zu 1: Es macht für den zweiten Patienten zumindest gefühlt wohl einen deutlichen Unterschied, wenn der Helfer nicht mit blutverschmierten Tatscherchen ankommt. Zwischen nicht sterilen Handschuhen und solchen, die bereits großflächig mit irgendeiner Körperflüssigkeit kontaminiert sind, besteht auch ein Unterschied.
    Des Weiteren ist es einfach angenehmer, wenn man mal etwas aus dem Koffer o. ä. holen muss, dies mit einigermaßen sauberen Handschuhen tun zu können.
    Außerdem belegen Studien, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion bei einer mechanischen Beschädigung der Handschuhe geringer ist, wenn zwei Paar Handschuhe übereinander getragen werden.

    zu 2: Bei welchen Feuerwehren werden so viele Handschuhe gebraucht, dass sich ein Spender in jedem Fahrzeug (bei mehreren Fahrzeugen) lohnt? Ich denke, dass das selbst bei vielen BF-Wachen nicht der Fall ist.

    Der Spender liegt dann monate- oder jahrelang im Fahrzeug, ist Staub, wechselndem Klima und Sonneneinstrahlung ausgesetzt und irgendwann sind die Handschuhe ebenfalls versprödet. Jetzt kann man argumentieren, dass die Handschuhe Centartikel sind und man es verschmerzen kann, den 100-Paar-Spender wegzuwerfen und zu ersetzen, wenn nach einigen Monaten und vier entnommenen Paare die Handschuhe hin sind – man kann aber auch Paare in kleineren Stückzahlen einschweißen und dann bei Bedarf nur diese austauschen.
    Von „überhaupt nicht sinnvoll“ zu sprechen zeugt nicht gerade von Weitsicht.


  4. Linus Drescher

    Hallo Lars

    Das mit den zwei Paar Handschuhen übereinander – nun gut ich kann es verstehen.

    Zum Spenderkarton: Auf jedem Karton ist ein Haltbarkeitsdatum vermerkt, spätestens wenn dieses erreicht ist, sollten sie nicht mehr verwendet werden. Wenn man die Handschuhe nun einschweißt, sollte man (besonders in Einheiten mit wenig TH-Einsätzen) wegen der Übersichtlichkeit zumindest dieses Datum auf der Tüte vermerken und die Handschuhe dann tauschen.


  5. Lennart

    Bis auf einen Spenderkarton auf jedem Fahrzeug (ja, wir wir sind eine Freiwillige Feuerwehr, aber warum nicht zeigen wenn es einem gut geht) ist jeder Feuerwehrmann selber für seine Schutzausrüstung verantwortlich.
    Zwar sind Helmvisiere vorhanden, aber wer guckt schon gerne gegen eine Nebelwand… Eien Vollsichtschutzbrille liegt bei unserem Glasmanagment-Set zusammen mit einem Staubfilter.
    Ich habe die Dinge an und in meiner persönlichen TH-Gürteltasche. Da ich auch zu Übungszwecken immer wieder meine Infektionsschutzhandschuhe (ich liebe solche Wörter) nutze, werde sie regelmäßig ausgetauscht.
    Eine zentrale Beschaffung, gerade von beschlagfreien Schutzbrillen, versuche ich aber gerade anzuregen. Habe guten Kontakt zu einem Optiker.
    Empfehlen kann ich übrigens die Uvex Ultravision 9301 mit breitem Nasenteil. (Art.-Nr.: 9301.906) Wie beschrieben ein guter Sitz mit einer Staubmaske. Als Brillenträger kommen andere außer Vollsichtbrillen ohnehin nicht in Frage.
    Ich hoffe das war nicht zuviel Werbung. Es gibt natürlich auch noch andere Hersteller mit derartigen Lösungen.

    Gruß
    Lennart


  6. DNHans

    Ich möchte zu den Ausführungen noch folgendes Detail hinzufügen.
    Nicht immer sind die betroffenen „Patienten“ anamnesefähig und können uns Auskunft geben, ob Sie an einer Allergie, hier im speziellen, an einer Latexallergie leiden.
    Es wäre daher sinvoll, nur Handschuhe zur Verfügung zu stellen bzw. in den Einsatz zu bringen, die LATEX-frei sind.
    Gruß
    DNHa


  7. Hallo,

    wir haben dieses Set mit der Schutzbrille eines großen deutschen Herstellers für Hydraulikgeräte aus BW und den Wave Band 2K Kinnbügelgehörschutz (http://www.sonicshop.de/De/Plugs/Wave-Band-2K.asp) und einer Staubschutzmaske aus dem Baumarkt nun in 5 facher Ausführung auf unserem LF. Die Handschuhe haben auch wir in einem Spender im Mannschaftsraum untergebracht. Dieses Set ist so angeordnet das der Angriffstrupp und der Schlauchtrupp auf der Anfahrt ausrüsten können.

    Ich denke das der Gehörschutz mit Kinnbügel besser zu entnehmen und wieder aufzusetzen ist. Ausprobiert haben wir diesen jedoch im Einsatz noch nicht. Hat jemand damit Erfahrungen?

    Gruß


  8. festus

    Moin, persönlich kann ich Kinnbügelgehörschutz überhaupt nicht haben, kenne allerdings nur das Vorgängermodell des von Dir Gezeigten aus der Praxis. Das übertrug jedes Schaben und erst recht dann auch lautere Anstöße direkt ins Ohr. Schon Schnüre an Gehörschutzstöpseln versuche ich zu vermeiden.
    Die Sprachverständlichkeit leidet natürlich etwas, aber das ist mir der Schutz meiner Ohren wert. Wiederholtes Einstecken und Herausnehmen des Gehörschutzes halte ich in einer staubbelasteten Umgebung auch für keine gute Idee.


  9. Erik Robin

    Moin!

    Also, wegen der Aufbewahrung der I-S-Handschuhe bin ich einem Tipp gefolgt und habe mir
    einfach zwei Paare in jeweils einen Platikkokkon aus ´nem Überraschungsei gestopft.

    Ja, ein Paar paßt in so ein kleines Ei rein, wenn man etwas stopft.
    Nein, die Dinger springen nicht bei jeder besseren Gelegenheit auf.
    Nein, daß ist nicht unhygienisch, weil A) der Hersteller Ferrero die Dinger immerhin mit Lebensmitteln
    umgibt bevor er sie verkauft und B) es für uns ohnehin egal ist – letztlich gehts um den Patienten!
    Nein, die nehmen nicht viel Platz weg und
    Ja, die kannste in jede Tasche (Beintasche der Hose oder Jackentasche) stecken. Nötigenfalls sogar ins Holster.
    Noch was? Ach so:
    Ja, meine Tochter freut sich jedes Jahr, wenn Papi die Dinger gegen frische Eier mit frischen Handschuhen austauscht! 😉

    Gruß, Erik



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