Einsatztaktik

18. Juli 2010

Übungsbeispiel zur Stabilisierung: Stab-Fast Training

Zur schnellen und sicheren Stabilisierung eines Unfallfahrzeuges in jeder Lage, eignet sich besonders ein Dreieck-Stabilisierungs-system. Dieses System gibt es beispiels-weise von Weber-Hydraulik unter dem Produktnamen Stab-Fast (unter dem es in Feuerwehrkreisen meistens deutlich besser bekannt ist). Doch der Umgang damit will gut geübt sein, damit es an der Einsatzstelle bestmöglich eingesetzt werden kann. Ein Beispiel, wie ein passender Übungsdienst dafür aussehen kann folgt nun.

Stabilisieren in jeder Lage

Um diese Übung durch zu führen, benötigt man lediglich ein Schrottauto, ein Stab-Fast-System sowie ein geeignetes Übungsgelände. Das Fahrzeug muss nicht einmal realistisch demoliert sein, um das richtige Anbringen der Stabilisierung zu üben. Es macht die Sache aber interessanter, da meistens weniger Ansatzpunkte für die Haken gefunden werden können.

Während der Übung wird nun das Fahrzeug beliebig über das Gelände geworfen und dann in jeder dieser zufälligen Lagen alleine mit dem Stab-Fast stabilisiert. Wenn dabei ein Abhang, eine Treppe oder eine Mauer im Weg ist, um so besser. Natürlich wird sich auch das Fahrzeug im Laufe der Übung immer weiter deformieren, sodass es in jeder Runde schwerer wird, das Fahrzeug richtig zu sichern.

Wenn dieser Vorgang einige Male in verschiedenen Geländesituationen und mit den unterschiedlichsten Fahrzeuglagen durchgespielt wurde, müsste die Verwendung des Stabilisierungssystems sowie geeigneter Anbringungsorte bei allen Teilnehmern bekannt sein. Hierbei sollten aber auch ungewöhnliche Anbringungsorte einfach einmal ausprobiert werden, damit die Leistungsfähigkeit des Systems erkannt wird.

Unterschiedliche Anbringungsmethoden

Das Standartsystem, bestehend aus drei einzelnen Streben, kann mit verschiedenen Methoden am Fahrzeug angebracht werden:

  • Einzelverwendung
    Drei gesonderte Streben, zwei davon auf der Seite, auf die das Fahrzeug zu kippen droht (Seitenlage). Wahlweise auch nur mit zwei Streben möglich (je eine pro Fahrzeugseite bei Dachlage oder Standardlage).
  • Verwendung mit Keil
    Bei der Seitenlage kann auch der mitgelieferte Keil verwendet werden, um eine verbesserte Abstützung an der Heckscheibe zu erreichen. Dazu die Strebe mit dem blauen Band (länger) durch den Keil ziehen.
  • Überkreuzen
    Wenn beispielsweise kein geeigneter Ansatzpunkt für die Haken gefunden werden kann, können auch zwei der Säulen überkreuzt werden (siehe Titelbild).

Bei den Übungslagen sollte auf jeden Fall jede dieser Methoden einmal vorkommen!

Wichtige Punkte, auf die geachtet werden muss

Während der Übung muss bei jeder Lage auf einige Punkte geachtet werden, damit die Stabilisierung auch während Rettungsarbeiten richtig platziert wird und sicher steht:

  • Anbringungsort
    Der Anbringungsort der Streben muss so gewählt werden, dass weiterhin Arbeiten am Fahrzeug möglich sind (Aufspreizen der Türen, Abnahme des Daches, …).
  • Winkel der Streben
    Auch auf den Anbringungswinkel der Streben muss geachtet werden. Dieser sollte im Bereich von 45° bis 60° liegen, um eine optimale Stabilisierung zu ermöglichen.
  • Größe des Dreieckes
    Das gebildete Dreieck aus Strebe und Spanngurt sollte möglichst groß sein. Dazu die Strebe möglichst weit ausfahren und den Haken weit unten anbringen.
  • Auflagefläche der Krallen
    Die Krallen sollten nach Möglichkeit auf blankem Metall aufgesetzt werden und nicht auf eventuellen Kunststoff- oder Gummiteilen.

Nachdem die Streben angebracht wurden, darf sich das Fahrzeug auch durch starkes Rütteln und Drücken nicht mehr bewegen lassen, damit es bei den Rettungsarbeiten sicher steht.
Es ist auch (vor allem bei der Übung) darauf zu achten, dass die Zurrgurte nicht über scharfe Kanten oder spitze Fahrzeugteile gespannt werden (integrierten Kantenschutz verwenden).

Variationen der Übung

Diese Übung kann auch mit einigen Variationen versehen werden, um sie interessanter und schwieriger zu machen. So kann das Fahrzeug beispielsweise auf nassem Erdboden platziert werden, damit die Streben zusätzlich mit Holz unterbaut werden müssen, um nicht weg zu rutschen oder ein zu sinken. Außerdem kann das Fahrzeug durch gezielte Schnitte in den tragenden Fahrzeugteilen destabilisiert werden.

Nun wünsche ich euch interessante Erfahrungen und natürlich viel Spaß bei der Stabilisierungsübung mit dem Stab-Fast!



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.




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