Aktuelles

19. Juni 2010

Die Neuheiten der Rettungsgerätehersteller auf der Interschutz 2010

Die Interschutz 2010 ist vorbei und es wird Zeit, die vorgestellten Neuerungen der Rettungsgerätehersteller etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Ein Trend ist auf jeden Fall erkennbar: Es geht immer weiter in die Richtung der leistungsstarken aber trotzdem handlichen Rettungsgeräte. Trotzdem gehen die großen drei Hersteller teilweise doch sehr unterschiedliche Wege was ihre Innovationen angeht.

Holmatro – Mastering Power

Die Firma Holmatro aus den Niederlanden setzt unverkennbar mit ihren Neuentwicklungen auf kleinere und leichtere Rettungsgeräte, die universellere und schnellere Rettungsarbeiten ermöglichen sollen.
Allerdings wurden vor allem Weiterentwicklungen von schon vorhandenen Konzepten präsentiert, eine wirklich große Innovation (wie im Vorfeld angekündigt) ist für die Rettungskräfte vor Ort mit Ausnahme des manuell ausfahrbaren Rettungszylinders nicht erkennbar.

Minischneidgerät

Mit der CU 4007 bringt Holmatro nun auch ein kleines Schneidgerät auf den Markt, das vor allem in engen Räumen durch die Bedienung mit einer Hand ein einfaches und schnelles Arbeiten ermöglicht.
Einsatzgebiet: Schneiden an unzugänglichen Stellen wie z.B. Pedale, Kopfstützen oder Betoneisen

Handbedienter Keilzylinder

Unter der Kurzbezeichnung HPW 4624 ergänzt nun ein durch eine Handpumpe bedienter Spreizkeil das Holmatro-Programm. Dieses Gerät kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn Spalte für die Platzierung größerer Rettungsgeräte geschaffen werden müssen.
Einsatzgebiet: Schaffung von Eingangsräumen vor allem bei USAR-Einsätzen

Personal Power Pumpe

Das kompakte Aggregat SPU 16 PC ist mit einer 3-stufigen Pumpe ausgestattet, die ein schnelleres Bedienen der Geräte ermöglich. Gleichzeitig ist es lärmgekapselt, so dass eine ruhige Kommunikation an der Einsatzstelle möglich wird. Leider kann hier im Unterschied zu vergleichbaren Geräten der anderen Hersteller nur ein Gerät angeschlossen werden.
Einsatzgebiet: Leises Arbeiten in unmittelbarer Nähe zum Unfallfahrzeug oder im Gelände

Extendo Rettungszylinder

Eine wirkliche Neuerung stellt der Rettungszylinder XR 4360 dar. Er vereint ein manuelles und hydraulisches Ausfahren und sorgt so für ein schnelleres und gezielteres Platzieren des Zylinders.
Hierfür kann der Zylinder zunächst einfach manuell ausgezogen und platziert werden. Nach einer kurzen Verriegelung kann dann sofort hydraulische gespreizt werden. Wie sich der manuelle Auszug aber auf die Kraftübertragung auswirkt, muss sich noch zeigen.
Einsatzgebiet: Schneller Einsatz eines Rettungszylinders in der Unfallrettung

Bilder der vorgestellten Geräte und weitere Neuerungen können auf der Seite von Holmatro betrachtet werden: Neue Holmatro Produkte, auf der Interschutz 2010 eingeführt

Lukas Hydraulik – Die neue Freiheit des Rettens

Das selbstgesetzte Motto zeigt schon deutlich, welchen Weg man bei Lukas gehen möchte. Unter der Bezeichnung eDRAULIC wurden drei akkubetriebene Rettunsgeräte vorgestellt, die durch ihren Hochleistungsakku den hydraulischen Geräten ebenbürdig sein sollen, gleichzeitig aber einen schlauchlosen und damit flexibleren Einsatz ermöglichen.

Der vorgestellte Rettungssatz besteht aus je einem Spreizer, Schneidgerät und Rettungszylinder, die alle drei über einen Lithium-Ionen-Hochleistungsakku verfügen und damit überall unabhängig von Strom- und Hydraulikversorgung eingesetzt werden können. Für einen unbegrenzten Energievorrat können die Geräte aber auch an jeder Steckdose angeschlossen werden!

Die Vorteile des Systems beschreibt Lukas wie folgt:

  • Unabhängigkeit von Aggregaten und Schläuchen
  • Platzersparnis auf dem Einsatzfahrzeug
  • Fast 50% Gewichtsersparnis zum herkömmlichen Satz
  • unbegrenzter Energievorrat bei Kabel-Betrieb aus der Steckdose
  • vollkommene Mobilität bei Einsätzen

Durch den sofortigen Einsatz (ohne Aufbau eines Aggregates) kann durch dieses System sicher schneller und flexibler Hilfe geleistet werden, aber auch hier bleibt eine Frage offen:
Wie wirken sich die wesentlich größeren Gerätekörper bei stark deformierten Fahrzeugen aus?
Hier muss wahrscheinlich auch weiterhin ein konventioneller Rettungssatz mitgeführt werden.

Weitere Informationen über die Neuerungen von Lukas unter: Völlige Freiheit im Rettungseinsatz

Weber-Hydraulik – Experte trifft Xtreme

Im Gegensatz zu den anderen beiden Rettungsgeräteherstellern hat Weber-Hydraulik nicht nur neue Produkte auf der Interschutz 2010 präsentiert, sondern auch gleichzeitig einen Großteil des Schneidgeräteparks verbessert. Unter dem Leitsatz „Experte trifft Xtreme“ wurden die Schneidgeräte überarbeitet und leistungsstärker gemacht. Verdeutlicht wird das an der Namensänderung von „RS“ (Rettungsschere) zu „RSX“ (Rettungsschere Xtreme).

SP 43 – XL

Die Auswahl an Spreizern wird durch den SP 43 -XL ergänzt. Dieses Gerät bringt zwar etwas weniger Spreizkraft mit als der SP 49, verfügt dafür aber über eine wesentlich größere Öffnungsweite von 820 mm. Damit können in Zukunft viele Arbeiten ohne einen Wechsel auf einen Rettungszylinder erfolgen.
Einsatzgebiet: Rettungsarbeiten mit großem Spreizweg

RTZ 2 – 600

Der winzige Teleskoprettungszylinder RTZ 2 – 600 mit seitlich angebrachtem Steuergriff ermöglicht ein sicheres und schonendes Arbeiten auf engstem Raum. Trotzdem lässt er sich auf eine Endlänge von 600 mm ausfahren und ist damit bestens geeignet für den Einsatz im Fußraum.
Einsatzgebiet: Arbeiten auf kleinstem Raum, z.B. im Fußraum

E-COMPACT

Mit dem extrem leichten und kleinen Hydraulikaggregat wird das Arbeiten im Gelände zum Kinderspiel. Das Aggregat bringt nur 11,5 kg auf die Waage und setzt damit neue Maßstäbe in Sachen Leichtigkeit.
Passend dazu werden besonders flexible Hydraulikschläuche angeboten, die den Umgang mit den Geräten zusätzlich erleichtern.
Einsatzgebiet: Schnelle Einsätze in unwegsamen Gelände

RSX 185 – 105 ALL NINE

Mit diesem Schneidgerät ist zum ersten Mal ein Gerät auf dem Markt verfügbar, das in allen fünf NFPA-Klassen die maximale Wertung von 9 Punkten erreicht hat! Durch die speziell geformten Messer wird gleichzeitig eine Schneidkraft von 105 Tonnen erreicht, damit sind auch verstärkte Fahrzeugsäulen kein Hindernis mehr. Außerdem ist die RSX 185 – 105 mit zwei Lampen ausgestattet, damit auch im Dunkeln der richtige Ansatzpunkt gefunden werden kann.
Einsatzgebiet: Schneidarbeiten an hochverstärkten Fahrzeugteilen

Tauschbare Messereinsätze für die RSX 200-107

Für die Messer des Schneidgerätes RSX 200 -107 wurden wechselbare, hochverstärkte Einsätze vorgestellt. Somit muss bei einem Verschleiß nicht mehr das gesamte Messer ausgetauscht werden. Das spart Zeit und Geld!

Alle von Weber-Hydraulik auf der Interschutz vorgestellten Geräte und Neuerungen sind in einer übersichtlichen PDF-Datei zusammengestellt: Experte trifft Xtreme

Fazit

Wie schon im Vorfeld der Interschutz 2010 erwartet, hat sich im Bereich „Technische Hilfeleistung“ einiges getan. Die Rettungsgerätehersteller haben sich mächtig ins Zeug gelegt, um den Einsatzkräften die ohnehin schon schwere Arbeit weiter zu erleichtern und damit auch eine effektivere Rettung der Patienten zu ermöglichen. Natürlich sind die hier vorgestellten Neuerungen lange nicht alles, was auf der Interschutz präsentiert wurde, sondern nur der Bereich „Hydraulische Rettungsgeräte“ und auch hier nur ein Ausschnitt.

Es lässt sich auf jeden Fall erkennen, wohin der Weg geht: Schnellere und leistungsstärkere aber gleichzeitig leichtere und flexiblere Geräte, die den auch in Zukunft immer härter werdenden Bedingungen der modernen Fahrzeugtechnologie gewachsen sind!

Was haltet ihr von den vorgestellten Innovationen?



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Der Autor dieses Artikels:

Patrick Allinger
Ich bin ein begeisterter Feuerwehrmann, der sich vor allem für den Bereich der technischen Hilfeleistung und für die Unfallrettung interessiert. Beruflich bin ich zuständig für das Produktmanagement bei WEBER RESCUE Systems in Österreich. Auf dieser Seite möchte ich mein gesammeltes Wissen an andere Einsatzkräfte und interessierte Besucher weitergeben, um sie im Einsatzalltag zu unterstützen.




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